Vor 70 Jahren setzte der Jägerverein Hermann Löns auf dem Tönsberg einen Gedenkstein

Wo der Heidedichter durch den Wald streifte

 

Oerlinghausen. Seit genau 70 Jahren steht der Gedenkstein für den Heidedichter und Jäger Hermann Löns auf dem Honsberg. Unser Mitarbeiter Werner Höltke hat sich mit der Oerlinghauser Heimatgeschichtebeschäftigt und erzählt von der Errichtung des Denkmals.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Heimatdichter von den Naturfreunden und der Wandervogelbewegung wiederentdeckt, und bald erfreuten sich seine Geschichten und Lieder einer regelrechten Euphorie. Lönsabende mit dem Komponisten und Sänger Carl Blume und dem Vortragskünstler Fritz Göde fanden einen regen Zuspruch. Auch die deutsche Jägerschaft war bemüht, ihren Jagdfreund aufzuwerten. Als vielerorts Erinnerungsfindlinge aufgestellt wurden, wollte die lippische Jägerschaft nicht abseits stehen.

So beschloß der 1902 in Detmold gegründete Lippische Jägerverein für den am Anfang des Ersten Weltkrieges gefallenen Heimatdichter und Jagdfreund einen Gedenkstein zu errichten. Als Standort hatte sich der Verein die Südseite unterhalb des Kammweges auf dem Oerlinghauser Honsberg ausgesucht - eine der beliebtesten Teilstrecken des Hermannsweges mit herrlicher Fernsicht.

Hermann Löns wurde in Kulm an der Weichsel geboren. Das ungeliebte Studium der Medizin und Naturwissenschaften in Münster gab er auf und arbeitete als freier Journalist. Am liebsten hielt er sich in den Heidelandschaften Niedersachsens auf. In der Abgeschiedenheit einsamer Orte betätigte er sich als Schriftsteller. Seine Romane handeln von der Schönheit der deutschen Landschaft und befassen sich auf vielen Seiten mit der Jägerei. In seinen Liedern geht es um die Einsamkeit, die Liebe und das Leben in der Heide. Auch in den Schulen erinnerte man sich damals an den Heimatdichter Hermann Löns, wir Schüler waren angetan von „Mümmelmann" und anderen schnurrigen Erzählungen.

Am 13. April 1928 teilte der Jägerverein dem Oerlinghauser Bürgermeister Reuter sein Vorhaben mit. Der Zusatz, daß auf die seit 1926 noch „junge Stadt" keine Kosten zukommen würden, wird ihn sicherlich freudig gestimmt haben. Der Stadtrat stellte den gewünschten Platz unentgeltlich zur Verfügung und wollte außerdem das Denkmal nach der Fertigstellung in seine Obhut nehmen. Der Jägerverein sandte einen Vorentwurf von dem mit dem Bau beauftragten Maurermeister Oberdiek ein, der nach Änderungen beide Parteien akzeptierten: Als Fundament wurden damals Bruchsteine verwendet, um den gemauerten Kern setzte man geschlagene rotbraune Granitsteine, die Ziegeleibesitzer Kochsiek aus Helpup zur Verfügung stellte. Landwirt Hanke aus Oetenhausen schaffte sie mit einem Pferdegespann auf den Honsberg. Auf das gemauerte Unterteil setzte man einen länglichen, rotbraunen Granitstein mit der Aufschrift „Löns". Zwei Sandsteinbänke rahmten das 2,80 Meter hohe Denkmal an der Südseite ein.

Am 1. September 1928 war der Gedenkstein fertig, die Arbeit an den Außenanlagen zog sich allerdings noch zwei Jahre hin. Für die feierliche Einweihung des Denkmals verschickte der Jägerverein viele Einladungen. So erschienen am 9. September 1928, einem schönen Sommertag, zahlreiche Menschen aus nah und fern auf dem Honsberg. Der Gesangsverein „Eintracht" sang „Alle Birken grünen in Moor und Heid", Redner beschrieben den Menschen Löns und lobten den Standort des Steins.

Der Vorsitzende des Jägervereins stellte Löns als guten Waidmann und hervorragenden Kenner von Wald und Flur heraus: „Es wäre für jeden Jagdverein eine große Ehre gewesen, ihn bei Jagdgesellschaften bei sich zu haben, wobei es ihm als Jäger nicht darauf ankam, das Wild abzuschießen, sondern es zu beobachten." Daß Hermann Löns als hochintelligenter Mensch auch bei den Frauen beliebt war, mochte er nur am Rande erwähnt haben.

Bürgermeister Reuter versprach dem Jägerverein, daß die Stadt für das Denkmal ein treuer Hüter sein werde. Der Jägerverein und der Oerlinghauser Heimat- und Verschönerungsverein legten anschließend am Fuße des Gedenksteines Kränze nieder.

Am selben Abend kamen die geladenen Gäste zu einem Lönsabend im Rathaussaal des Stadthotels zusammen. Vorlesungen aus Geschichten von Löns wechselten sich mit Liedern zur Laute ab, dargeboten von Einzelpersonen sowie den Gesangsvereinen ,,Eintracht" und ,,Solidarität".

[Bild: Den Gedenkstein aus rotem Granit zu Ehren des Dichters Hermann Löns weihte der Lippische Jägerverein am 9. September 1928 ein.]

Heute, siebzig Jahre nach der Einweihung des Löns-Gedenksteines, bleibt festzustellen, daß die Jahre am Denkmal selbst keine Spuren hinterlassen haben. Die an der Südseite vorgelegten Kieselsteine und eine Sandsteinbank sind schon seit längerer Zeit nicht mehr vorhanden. Dank der Privatinitiative von Herrn Dr. Wachsmuth aus Oerlinghausen wurden zwei neue Bänke aufgestellt und die wildwuchernden Büsche und Bäume an der Nordseite entfernt, damit Wanderer auf dem Hermannsweg den Gedenkstein auch sehen.

Löns selbst wanderte vor 100 Jahren am späteren Standort seines Denkmals vorbei. In seiner Geschichte von der „Frau Einsamkeit" beschrieb er die Wegstrecke: „So wanderte ich von Bielefeld über sonnige Höhen nach Oerlinghausen, dort stieg ich bergan, ging an der Hünenkapelle auf dem Tönsberg vorüber, wanderte durch Buchenwald und enkeltiefen Treibsand, bis sie vor mir lag, die herbe Senne."