Ein frischer Blick zurück
Spannende archäologische Funde an der Hanegge wichtig für ganz Lippe
[Bild: Hermann Diekmann fand das für Lippe einzigartige Hügelgrab im Jahr 1938, grub es 1939 aus und fotografierte es mit Hilfe der Feuerwehrleiter.]
Oerlinghausen. Sie sind klein und wären dem ungeschulten Auge gewiss entgangen. Oder die bunten Perlen wären von Laien nicht als das erkannt worden, was sie sind: eine kleine archäologische Sensation. Und sie rücken eine Grabung wieder in den Fokus, die 1939 in Oerlinghausen das einzige Plattengrab in Lippe zu Tage gefördert hat.
Karl Banghard, Archäologe und Leiferdes Freilichtmuseums, hat auf einer Baustelle an der Hanegge die interessanten Funde gemacht. Die Firma Oetker hatte dort ein Haus abreißen lassen. Weil ganz in der Nähe der Grabhügel liegt, schaute sich Banghard den Aushub an, der bei leichten Planierungsarbeiten angefallen war und wurde tatsächlich fündig.
Eine schöne mehrfarbige Glasperle und zwei kleine gelbe bzw. gelb-braune Segmentperlen - auch Fritteperlen genannt - lagen dort. Außerdem fand der Archäologe die Bruchstücke eines schmalen, zierlichen Kamms aus Geweih, die sogar verziert waren. Daraufhin wurden unter Leitung des Lippischen Landesmuseums in Detmold und in Absprache mit der Firma Oetker Nachgrabungen unternommen, die kürzlich abgeschlossen worden sind. Ohne allerdings weitere Funde gebracht zu haben.
Dennoch sind Karl Banghard und Dr. Elke Treude, stellvertretende Leiterin des Landesmuseums, nicht enttäuscht. Denn die Fundstücke, ihre Datierung und ihre Bedeutung sind auch so "eine spannende Sache", wie Dr. Treude betont. "Für die Region ist das ein sehr schöner Befund."
Die Perlen und der Kamm gehören ins frühe 8. Jahrhundert und damit ins Frühmittelalter (siehe Kasten). Die Archäologen sind sich sicher, dass die Funde im direkten Zusammenhang mit dem Familiengrab stehen, das der Oerlinghauser Schulrektor und Hobbyarchäologe Hermann Diekmann 1939 ausgegraben hat. Erosion und frühere Bauarbeiten könnten die Objekte etwas weiter von dem Hügelgrab entfernt haben.
Die in der Region einmalige Anlage mit sechs Gräbern, die von einem Kreis von Findlingssteinen umgeben war, ist im Juli 1939 ausgegraben worden. "Das hat er recht ordentlich gemacht", sagt Karl Banghard über die Arbeit Diekmanns (1891-1974).
Allerdings habe der passionierte Heimatforscher die Grabanlage fälschlicherweise der Bronzezeit und den Germanen zugeordnet.
"Doch statt 1.000 vor Christus datiert das Ganze eher auf 700 nach Christus", sagt der Museumsleiter. Dabei hatte der damalige Chef des Reichsbundes für Deutsche Vorgeschichte, Prof. Dr. Hans Reinerth, die ihm zur Begutachtung geschickten Tonscherben in die Sächsische Zeit datiert. Und lag damit nicht so falsch, wie sich nun bestätigt hat.