Weihnachten 1928

Die Eltern

 

Der Vater war eins der Kinder von 1900 - Heiligabend. Zum Essen gibts Kartoffelsalat und Würstchen, danach die erste Flasche von dem selbstgemachten Johannisbeerwein vom letzten Sommer. Auch die Kinder (jetzt nur noch drei) dürfen nippen. Danach gehts ins Bett. Die Eltern bleiben noch auf um den Weihnachtsbaum zu schmücken. Nun sind es 10 Kerzen -Silberkugeln - Lametta - eine schöne Baum-spitze und Engelshaar. Die Mutter macht für jedes der Kinder eine Schüssel (kein Teller) fertig mit Keksen - Schokolade - Marzipan - und auch noch Handschuhe. Für den großen Jungen obendrauf eine Taschenlampe, die schon vor 8 Tagen bei Meierjohann gekauft worden ist. Es ist inzwischen 11 Uhr abends geworden. Nachdem Mutter nun alles liebevoll gerichtet hat denkt sie plötzlich ’Ob ich die Taschenlampe nochmal probiere’.

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Sie tuts -ein Blitz- und die Birne ist durchgebrannt. Nun ist die Not groß! Aber Mutter hat eine Erleuchtung, sie sagt zum Vater: "Ich gehe noch zu Meierjohann und hole eine neue Glühbirne." Sie macht sich mit der Taschenlampe auf den Weg durch hohen Schnee bei 10 Grad Kälte. Die wenigen Straßenlaternen brennen trübe in der Winternacht, aber welch ein Glück, bei Meierjohann brennt noch Licht. Eine Haustürklingel ist gottseidank vorhanden, und sofort kommt Fritz Meierjohann (Der "alte" Meierjohann) an die Tür und begegnet der Entschuldigung der Mutter mit der Bemerkung, daß er extra solange aufbleibt wegen der Reparaturen die immer am Heiligenabend bei ihm an" laufen, und Mutter an diesem Heiligenabend nicht die einzigste sei.

Nun war es schon längst "Heilige Nacht" als Mutter wieder zu Haus anlangte.

Als morgens um 7 Uhr Bescherung war (in einer warmen Küche, die von Vater schon vorher angeheizt war), war die Freude über die Taschenlampe groß - aber am Mittag war die Batterie leer, und die Hauptsache von Weihnachten vorbei.

Im Dezember 1984                       Fritz Soll sen.