Altes Brauchtum zur Weihnachtszeit

 

In der Dunkelheit, kurz vor Weihnachten, hörte ich vor meiner Haustür ein Lied singen. Es waren drei maskierte Gestalten, Dämonen. Die Masken hatten sic aus dicker Pappe selbst gefertigt und Augenöffnungen, Nase, Mund rot ummalt. Ihre Kleidung bestand aus Vaters durch gezogen em Rock, die Kehrseite von Mutters Schürze hing bis auf den Boden herab, ebenso die Hosen vom Vater. An der Seite baumelte ein Beutel für die geheischten Gaben. Einer dieser Dämonen trug in der Rechten eine Latsche, d. h. eine krumme Föhre, und in der Linken einen Stab. Der Text des eintönigen Liedes — sicherlich Entstellung einer ursprünglichen Fassung — lautete: „Wir sind von Adam die drei Commis, mit ihren Latschen, und das genügt. Mit ihren Moden und ihrem Schick haben wir bei Weibern wenig Glück. Das kann ja nicht malheurn, wenn man’s von hinten hört“. Die Singenden erhielten ihre Gabe und zogen dankend fort.

Zum Brauchtum der heiligen Nächte gehört in Oerlinghausen auch das Singen zu Neujahr. Zu diesem Feste werden von den Bäckermeistern Wasserkrengel gebacken, die möglichst groß sein müssen, aber wenig kosten dürfen. Diese Neujahrskrengel sind das Symbol aller gehegten Wünsche für das neue Jahr, aber auch das Ziel der singenden Kinder! Das Lied, in plattdeutscher Sprache gesungen, wünscht zunächst den Hausbewohnern ein frohes Jahr und ein langes Leben. Als Lohn für diesen Wunsch werden gefordert: ein Krengel, ein Apfel oder eine Nuß. Beim Metzger gibt es ein Stück Rinderwurst. Die gespendeten Gaben werden auf einen Bindfaden gezogen und dann um die Schulter gehängt. So geht es von Haus zu Haus, von Tür zu Tür. Das Lied aber lautet: „Preost Nijohr, Gesundheut! Langet Lieben! Müt‘ us‘n düden Krengel (hieben. Lot uns nich teo lange stohn, wui müt nau n' Huisken foider chon‘ van huier bet nau Köllen. Köllen es ne chraude Stadt, do chiwet us olle Luie wat. Chiwet us eunen Appel, dann hä wul wat teo knapp'n, chiwet us eune Nott, da hä wui wat in'n Pott!“.

H. Dkm.