Sitten und Gebräuche und landesherrliche Edikte
Zu Neujahr
Das Singen zu Neujahr war früher hier noch mehr zu Hause als Heuer, und doch bildet auch es einen Teil Oerlinghauser Geschichte, weshalb auch dieses Liedes gedacht werden soll. In Oerlinghausen werden zu Neujahr von den Bäckermeistern Krengel gebacken. Dieser Neujahrskrengel bildet in erster Linie das Symbol all der gehegten Wünsche für das neu Jahr, aber auch das Ziel der singenden Kinder. Das Lied, das in plattdeutscher Sprache gesungen wird, wünscht zunächst den Hausbewohnern ein frohes Jahr und ein langes Leben. Danach werden als Lohn für den Neujahrswunsch gefordert: ein Krengel, ein Apfel, eine Nuß. Die gespendeten Gaben werden auf einen Bindfaden gezogen und umgehängt. In dieser Weise geht es von Haus zu Haus, von Tür zu Tür, bis gegen Mittag. Das Neujahrslied lautet:
„Preost Nijohr, Gesundheut!
Langet Lieben!
Müt't us 'n düden Krenjel chieben.
Lot' us nich teolange stohn,
Wui müt nau 'n Huisken foider chon,
Van huier bet nau Köllen, Köllen es ne chraude Stadt,
Do chiwet us olle Lui wat.
Chiewet us eunen Appel,
Dann hä wui wat teo knapp'n, Chiewet us eune Nott, Dann hä wui wat in'n Pott. “
Einige Jungen singen zwar auch: in'n Erftepott. Was allerdings der Erbsentopf mit der Nuß und umgekehrt zu tun hat, weiß ich nicht.