Vom Martini-Singen
Alter Brauch im neuen Gewand
Schon mancher überlieferter guter Kinderbrauch ist zum Mißbrauch geworden, bis er endlich verboten wurde. Das Sünte-Märten-Singen ist von solchem Schicksal bewahrt geblieben: Man hat es neu belebt. In Oerlinghausen hatte die katholische Gemeinde im nunmehr fünften Jahr zum Martinszug aller Kinder aufgerufen; hatte man auf dem Marktplatz das Martinsspiel von der Mantelteilung aufgeführt. In Detmold (hotte) die lutherische Gemeinde zum zweiten Male einen großen Martinszug mit einem Singen vor dem Rathaus und vor den Altersheimen sowie einer anschließenden Bescherung veranstaltet. Auch der städtische Kindergarten hatte einen solchen Zug durchgeführt. In Lemgo hatte sich, nicht zuletzt auf Grund der Bemühungen von Bürgermeister Wippermann, ein gleicher Zug der Kinder verwirklichen lassen. In allen Fällen ist, wie berichtet wurde, die Belästigung der Geschäfte durch umherziehende Kindergruppen merklich zurückgegangen. Als Schönstes aber bleibt dieses zu berichten: die Oerlinghauser Jungen und Mädchen hatten, statt sich wie üblich beschenken zu lassen, während des Umzuges für notleidende Menschen in aller Welt gesammelt.