Jahrmärkte

 

Seit alter Zeit wurde in Oerlinghausen auf Siebenbrüdertag - das ist der 10. Juli - ein Jahrmarkt abgehalten. Weil nun alle 7 Jahre dieser Tag auf einen Sonntag fällt, so wurde im Jahre 1718 verfügt, daß der Jahrmarkt in diesem Falle auf den nächsten Montag gelegt werden soll. Später hat sich die Sache dann so entwickelt, daß diese Kirmeß immer am Montag nach Siebenbrüdertag abgehalten wurde. Im Jahre 1794 beschwerte sich Pastor von Cölln darüber, daß am Siebenbrüdermarkt Buden auf dem Kirchhof aufgestellt seien, wodurch der Gottesdienst gestört werde. Er habe schon den Gottesdienst aussetzten müssen, und er bittet deshalb das Konsistorium, das Aufstellen von Buden an der Kirche zu verbieten. Der zum Bericht aufgeforderte Amtmann Rötteken und die Vorsteher Adolf Nagel und Jakob Berkemeier sprechen sich gegen ein Verbot aus, da ein anderer passender Platz nicht vorhanden sei. Während des Gottesdienstes dürfe im übrigen nicht gehandelt werden.

Seit langen Jahren wurde ferner auf Sonntag Palmarum ein Kram- und Viehmarkt abgehalten. Infolge der Verordnung vom 1. Februar 1763, die bestimmte, daß an Sonn- und Feiertagen aller Handel und Wandel unterbleiben soll, hat man diesen Frühjahrsmarkt dann auf einen der letzten Tage des Monats März verlegt. Heute findet er Anfang März statt, damit er nicht in die Charwoche fällt.

Im Jahre 1770 wurde ein Kram- und Viehmarkt eingeführt, der alljährlich am 17. und 18. Oktoberabgehalten werden sollte. Er ist später unter der Bezeichnung "Oerlinghauser Herbstkirmeß" in den Monat November verlegt worden, weil die Rückkehr der vielen Ziegler abgewartet werden sollte, denn gerade sie waren gern gesehene Besucher der Herbstkirmeß, hatten sie doch im Herbst die Tasche voll Geld. Hatte die Hausfrau eine neue Molle oder einen Korb, Schlef, Löffel oder eine Wanne nötig, so wurde mit der Beschaffung bis zur Oerlinghauser Kirmeß gewartet. Diese Herbstkirmeß hat sich zu dem bedeutendsten Oerlinghauser Jahrmarkt entwickelt. Er heißt seit einigen Jahren auch "Verlosungsmarkt", weil der hiesige Schutzverband für Handel und Gewerbe an diesem Tage eine Verlosung von Gebrauchgegenständen veranstaltet.

Bis zum Jahre 1896 fand der ganze Jahrmarktbetrieb in der Hauptstraße statt; die Kühe standen an Ketten festgebunden an der langen Mauer des Amtsgartens. Das war dann jedes Mal ein schöner Dreck auf der Straße. Gegenüber vor Asemissens Tür (Hauptstraße 24) standen die Schuhmacher, während die Küfer und Mollenhändler ihren Platz vor der Kantorschule (Hautstraße 36) hatten. Das Karussell stand auf dem Jägerplatze, die Honigkuchenbuden vor der Apotheke, vorm Amthause, am Gehrenberg und auf dem kleinen Platz vor der Kirche. Nach dem Tode des Tierarzts Tasche kaufte die Dorfschaft 1896 von seinen Erben die am Misttor gelegenen Grundstücke (Taschen Garten und Taschen Feld), legte dort den Marktplatz an, und nun wurde der Viehmarkt auf den neuen Platz verlegt. Damals erhielt der alte Hellweg den Namen "Marktstraße".

Seit dem Weltkriege geben wir uns Mühe, auch den Krammarkt und die Schaubuden auf dem Marktplatz unterzubringen. Man kann nicht behaupten, daß dieser Versuch gut gelungen ist. Dazu wären große Erdbewegungen und Pflasterungen vonnöten, die viel Geld kosten. Vorläufig haben wir 1927 ein Verkaufshäuschen auf dem Marktplatz errichtet und damit eine Stadtwaage und eine Bedürfnisanstalt verbunden. Und 1928 haben wir nach der Bahnhofstraße hin gärtnerische Anlagen und einen Kinderspielplatz hergerichtet.