Sitten und Gebräuche und landesherrliche Edikte
Fastnachtssingen
Noch älterer Herkunft scheint mir das Singen zu Fastnacht zu sein. An diesem Tage ziehen die Kinder mit ihrem "Spett", einem degenartigem Holzstabe von Haus zu Haus und singen:
„Fast-, Fast-, Fastnacht!
Chiebt mui wat up muienen Spett!
Anner Johr Schwuine fett! [Fußnote: "wir wünschen euch, daß im anderen Jahr die Schweine fett werden."]
Unnern chreunen Eckernbume
Werd't de leuwe Chott belauhnen [Fußnote: D.h. "er wird viel Eicheln für die Schweinemast bescheren."].
Mömke chong up'n Wuimen,
Schnie'n langen Struibn,
Taucher met'n Kämmken voheer.
Mömke ßeh, de Kättke hät't dohn!
Kättke werd belogen,
Huismann werd bedrogen.
Heu! Mömme, heu!
Wat de cheoe Wille deu!“
Auf hochdeutsch etwa:
Fast-, Fast-, Fastnacht!
Gebt mir was auf meinen Spett!
Anderes Jahr die Schweine fett!
Unterm grünen Eichenbaume
Wird's der liebe Gott belohnen.
Mutter ging auf den Wiemen
Schnitt einen langen Streifen (d.h. Speck),
Zog damit dem Kämmchen vorher.
Mutter sagte, die Katze hätt's getan.
Die Katze wurde belogen,
Der Hausherr wurde betrogen,
Heu! Mutter, sieh!
Was der gute Wille tat!
Man sah früher an Fastnacht Kinder, die ihr Spett schön voll hatten. Auch Hedewigs wurden aufgespießt; es war dies ein einfaches, mit ein wenig Zucker bestreutes Hefegebäck, das den Namen von "Hede Wicken" gleich "Heißen Wecken" hat.