Sitten und Gebräuche in Oerlinghausen

Das Hufeisen

 

Eine andere Sitte, die sich bei uns, namentlich bei der Landbevölkerung, erhalten hat, ist das Anheften von Hufeisen an die Stalltüren. Woher kommt dieser Brauch und was soll er bezwecken?

Bei Beantwortung dieser Frage muß ich einmal auf meine Ausgrabungen zurückgehen, die sich mit germanischen Häusern und solchen aus der Zeit des Frankenkaisers beschäftigen. Auffallend war bei sämtlichen Häusergrundrissen, daß in dem starken Lehmfußboden immer Pferdeschädel oder Teile von ihm gefunden wurden. Ich habe dafür nur eine Erklärung, und die lautet: Das Pferd war unsern Vorfahren ein heiliges Tier. Die vergrabenen Pferdeköpfe haben sicher dieselbe Bestimmung gehabt, welche die hölzernen Pferdeköpfe über den Giebeln unserer Bauernhäuser hatten. Ursprünglich saßen an den Giebeln natürliche Pferdeköpfe. Erst dann, als das Schlachten und Verzehren der Pferde von der christlichen Kirche verboten wurde, mag man allmählich zu Nachbildungen in Holz gegriffen haben. Des Pferdes Kopf auf dem Hausgiebel wird als Segenbringendes, Unheilabwehrendes angesehen worden sein. Dieselbe Bedeutung hatten auch die im Fußboden vergrabenen Schädel und ….. auch die an den Türen befestigten Hufeisen. Das Hufeisen bringt Glück. Wir finden es daher nicht nur in manchen Häusern schön bronziert und mit Schleifen versehen über der Stubentür, sondern auch auf Neujahrs- und Geburtstagskarten. — Die Hufeisen an den Stalltüren sollen das Böse fernhalten!