Sitten und Gebräuche in Oerlinghausen
Das Betteln in Oerlinghausen
Ich denke nicht an das Betteln von feiten der Vagabunden, sondern an das, welches hier seit alters her zu Hause war und — auch gestattet war. Dahin gehören das Betteln am Niklastage (6. Dezember), das Singen zu Neujahr und am Fastnachttage. — Das sogenannte Klöskensingen vor Weihnachten war vor dem Kriege noch sehr in Übung bei der Kinderwelt. Nicht, wie in anderen Orten des Lipperlandes, erschienen die kleinen Buben und Mädel in allen möglichen Aufzügen, mit Masken versehen, vor den Häusern, um als Niklas zu erscheinen und den artigen Kindern Gaben zu verabfolgen, sondern als regelrechte Bettler. Dabei sangen sie noch vor der Jahrhundertwende ein nicht schönes, auch nicht geistreiches Lied. Einen Sinn zeigte dieses „holde“ Lied, wie es mir noch in Erinnerung ist, überhaupt nicht. Heute ist es ganz und gar in Vergessenheit geraten, auch bei der Jugend. — Vielleicht war es einem „Gassenhauer“ entlehnt. Das „Lied“ begann so:
„Wir sind von Adam, die drei Commis,
Mit ihren Latschen (Holzschuhen!),
Und das genügt.
Mit ihren Moden
Und ihrem Schick.
Hab'n wir bei Weibern wenig Glück,
Das kann ja nicht malheurn,
Wenn man's von hinten hört.“
Mit dem leierhaften, monotonen Absingen dieses „Liedes“ schindeten die Kinder wenig Eindruck, so daß es ja zu oft vorkam, sie ohne eine verabfolgte Gabe von der Tür zu weisen. Freche Burschen riefen dann zum Verdruß des Hauseigentümers wohl noch die abscheulichen Worte:
„Rüh hät upp'n Pohl sch…..!“