Das waren die ersten Hermannsläufer

Stadtgeschichte: Oerlinghauser Turner beteiligten 1925 sich in großer Zahl am Vorgänger des legendären Laufes. Damals war es noch kein Wettkampf.

 

[Bild: Erster Hermann 1972: Die Gründer des modernen Hermannslaufes Wolfgang Schlüter (links) und Peter Gehrmann beim Aufbau der Startlinie am Denkmal für den ersten Lauf zur Sparrenburg. (© Repro: Horst Biere / Quelle: „Abenteuer Hermannslauf“)]

[Bild: Sternläufer: Mit einer großen Gruppe beteiligten sich die Oerlinghauser Turner am „Ur-Hermannslauf" im Jahre 1925. Einige bekannte Teilnehmer waren dabei: Herta Köster, geb. Korte (Mitte 6. v. I.), Elisabeth Dreier (Mitte 4. v. I.), Heinrich Koch „Jonn" (vorn, 4. v. r.), Mathilde Unterkötter, geb. Hellkamp (vorn 1. v. I.), Elfriede Brüntrup, geb. Schipper (vorn 2. v. I.), Werner Spilker (vorn 4. v. I.). (© Repro: Horst Biere / Quelle: Archiv Inge Berghoff)]

Oerlinghausen Ein Hermannslauf bereits im Jahre 1925? Kaum vorstellbar, doch das Sportereignis fand tatsächlich statt. Der Lauf-Vorgänger des heutigen 31-Kilometer-Rennens vom Hermannsdenkmal zur Bielefelder Sparrenburg war aber kein Wettkampf, wie in unseren Tagen: Es war ein Jubiläumslauf zum 50. Geburtstag des Hermannsdenkmals.

Tausende von Sportlern aus ganz Deutschland nahmen teil. Auch viele Oerlinghauser Läufer waren dabei - vor allem die Turner. Turnen besaß im Bergdorf bereits eine lange Tradition, als der Deutsche Turnerbund alle Sportler des Reiches zu dem besagten Hermannslauf aufrief. Schon seit 1863 gab es am Tönsberg eine aktive Turnergruppe. Es waren vor allem die Zigarrenmacher, die seinerzeit einen Sportverein gründeten, den Vorläufer des heutigen TSV Oerlinghausen. Geturnt wurde auf einem Gelände am Steinbült, dort wo heute der Schützenplatz liegt. Bereits im Jahre 1895 hatte sich ein weiterer Turnverein in Oerlinghausen gegründet, der Arbeiter-Turn- und Sportverein „Einigkeit".

Und da Ballspiele, vor allem Fußball, immer beliebter wurden, hob man 1913 auch noch einen Verein für Bewegungsspiele, den VfB Oerlinghausen, aus der Taufe. Doch der Kriegsausbruch 1914 veränderte die Situation grundlegend, denn Turnen und Sport kamen völlig zum Erliegen. Auch weil alle Säle und Plätze durch das Militär belegt waren. Wie sah die Situation im Oerlinghauser Turnsport nun in den 1920er Jahren aus? Der damalige Vereinswart Karl Hölter beschreibt in seinen Aufzeichnungen einige Episoden und Vergnügungen, die im heutigen Vereinsleben schwer vorstellbar wären. Er berichtet von „einer Unzahl von Veranstaltungen, die den Teilnehmern Gesundheit, Frohsinn und Freude bereiteten".

So unternahmen die Turner Spaziergänge am Sonntagmorgen, Schnitzeljagden und das traditionelle Ostereiersuchen am Ostermontag. Mit Klampfe und Gesang zogen die Turner häufig durch die heimischen Wälder. Man war es gewohnt, selbst längere Entfernungen zu Fuß zurückzulegen. Deshalb bildete ein Lauf zum Hermannsdenkmal im Jahre 1925 für die Oerlinghauser Turner keine große Schwierigkeit. Hölter schreibt: „Wir wanderten gelegentlich über den Tönsberg zum Donoper Teich, nach Lopshorn, Hartröhren, Hermannsdenkmal, Externsteine oder gar über die Egge bis Altenbeken." Liebenswert nostalgisch fasst Turnwart Hölter die Grundstimmung im Verein zusammen. „Schön war es immer, und es bleibt dabei: Zum Turnen gehören Wandern und Singen".

Aus allen deutschen Gauen

Für Turnvater Jahn gehörte „Hermann der Cherusker" zu den Lieblingsnationalhelden. Der 50. Geburtstag des 1875 eröffneten Hermannsdenkmals wurde deshalb schon früh von der deutschen Turnerschaft für deutschnationale Zwecke erkannt. Bereits im Jahre 1924 veröffentlichte die Deutsche Turnerzeitung einen ersten Plan für einen Sternlauf aus „allen deutschen Gauen" nach Detmold. Im Sommer 1925 war es dann so weit: Auf 16 Haupt- und vielen Nebenstrecken wurden symbolisch die Läufe der Turner Richtung Hermannsdenkmal organisiert. Wie viele Kilometer die Teilnehmer zurücklegten und auf welchen Wegen sie liefen, das blieb den jeweiligen Turngauen überlassen. Auch ob sie als Staffel oder als Mannschaft liefen und wie viele Straßendistanzen mit einem Fahrzeug überbrückt wurden.

Alle Läufer sollten jedenfalls am 16. August in Detmold eintreffen, um dann von verschiedenen Punkten der Iippischen Landeshauptstadt in Form eines „Miniatur-Sternlaufs dem Hermannsdenkmal entgegenzustreben". Die Geburtsstunde unseres bekannten Hermannslaufs, der am kommenden Wochenende wieder stattfindet, schlug am 20. April 1972. Wolfgang Schlüter, der gemeinsam mit Peter Gehrmann den Lauf vom Hermannsdenkmal zur Bielefelder Sparrenburg ins Leben gerufen hatte, gab den Startschuss um 11 Uhr am Denkmal. 600 Teilnehmer hatten sich vor 46 Jahren zum ersten Hermannslauf angemeldet. Und nur wenige Sonntagsspaziergänger nahmen überhaupt Notiz von den Laufbegeisterten, die sich an die etwa 30 Kilometer lange Strecke über Berg und Tal bis nach Bielefeld wagten.