Schlägerei mit den Schützen

Übersetzung

 

Alß hergebracht, daß am hiesigen marcktage einige Schützen bestellet werden, welche die Schläger und Tumultuanten aufeinander zu bringen, und in arrest zu ziehen haben, damit mordt und todtschlag, so viel möglich, vermieden bleiben möge, so hat man auch Schützen bestellen laßen, und dabey die unterbedienten als untervogt und Bauerrichter zur aufsicht gegeben, daß diese dehrohalb ein wachsahmes äuge mit haben möchten.

excelsus.

[…..] Schulte oder altknecht Philipsmann der bey dem meyer Stiejart in Heepen dienet, wird in arrest gezogen, weil er in Cramers hause auf der Cammer mit des Obermeyers Mühlen Knecht, haben Bernd Biomen und aus Heepen bürtig, sich geschlagen, und diesen geblutrunstet, bey dem examine alhiro im Amtshause, da man befunden, daß Johan Bernd Blome am Kopfe beulen, und an der Handt verwundet, hat sich von den Ravensberg: unterthanen und preusischen mousqnetiers ein großer tumult ereignet, weil diese beyderseits sich über 50 Personen mit gewalt durch anführung des mousqnetiers Frert von dohlen Hauptmann von Ostwaldts compagnie zu Bielefeld, nach außage des arretierten Johan Christophel Ramsel zu Hillegathen, in das Ambthauß gedrungen, und zugleich von der Ambtstube auß dem examine, wie diese Schlägerey zugegangen, nicht allein mit fluchen und schweren, deßgleichen drohworten und schimpfen, daß der den Beambten in die Haar, und des Amtshaus stürmen wolten, den erwehnten Schläger Philipsmann weggenommen sondern auch sobald, wie diese tätlichkeit vor sich gegangen, haben sie sich auß dem Amtshause mit großem geschrey nach des Wirths Nagels hause, um diesen menschen zu hauen und zu schlagen, gemacht, und, wie verlautet, so sollen zwey der Ravenb: alß ein mousqnetier Johan Jost Brune, und ein meyer Johan Christoph Ramsel, davon die Anführer gewesen seyen, ja sich vorlängst und nach des mittages auf dem marcktag in Brachts Kruge vernehmen laßen, und unter sich abgeredet haben, sie wollten des marckt vor sich nehmen, und solches ledig schlagen; wie sie besagten Nagel nicht im Hause angetroffen, sollen hero 30 Personen das haus durch und durch visitiert haben, in meinung, ob hätte sich der Wirth Nagel, darin verstecket wie sie nun alle schrenke, stuben, cammern, keller und boden aufgeschlagen und durchvisitieret, aber den Nagel nicht im hause gefunden so haben gedachte beyden anführer Brune und Ramsel sich auf den kirchhof begeben und den nagel zu seinem großesten Unglück alda aufgesucht und soll der mousqnetier brune den nagel so gleich mit seinem bloßen Pallas über den Kopf gehauen haben, daß er vulneratus darüber zur erden gefallen und immer mit schlagen und hauen continuiret, und wie dieser sich müde geschlagen, deßen Cameraden noch hinzugetreten, und den Nagel ferner erbärmlich tradieret haben; da nur der unglückliche Nagel vor Todt danidro gelegen, und deßen Ehefrau dahin gelaufen um ihren Mann zu sehen, soll der wütende Brune nach seinem Pallas gezogen und nach der betrübten frauen gehauen, des Brunen Camerade aber den hieb verhindert, und dieser sich gestellet haben, ob thute es ihm leyd, daß Nagel so erbärmlich zerhauen und geschlagen wäre, hätte darauf selbigen von der erde aufgeheben, in seinen arm genommen, und nach seinem des Nagels Hause geführet; kaum war dieser betrübte umstandt an das Amtshaus berichtet, daß die Ravensberg: unterthanen und preus: mousqnetiers den Nagel auf den Todt geschlagen, so kam

2)         das geschrey wieder; daß Schlichting alß des Nagels Bruder von den mousqnetiers der Kopf zerhauen und vor Todt darnieder läge, ferner

3)         hätten die besagte mousqnetiers Niebuhr zu Greste in Nagels Hause mit ihren Palläsen gehauen, umd von denselben, um ihn nicht ferner hauen und schlagen wollen, geld gefordert; ja

4)         die mousqnetiers mit den Ravensburg: unterthanen das marck von sich genommen, schlugen und haueten alles, was nur vorher kommen thäte, welche betrübte begebenheit den auch

5)         nicht allein der untervogt und Bauerrichter mit ach und weh nach dem Ambthauß überbracht, und um mehrere Schützen an suchten, oder sie und das ganze marckt mustern5es verlaufen, sondern auch dieses gehörte wurde bald darauf durch die That bekräftigt, weil Waldeker und andere mehr mit blutigen Köpfen nach dem Amtshause eileten, und über gewalt schrien, worauf man den auch dem Bauerrichter beordert, er solte mehr Schützen bestellen damit das Unglück nicht ferner allen marcktleuten und Einwohnern begegnen möchte; der obgedachte mousqnetiers mit einigen Ravensb: unterthanen aber haben sich

6)         denen bestellen Schützen mit ihren Pallässen und großen prügeln wiedersetzt, zu sammengerottet, und diese dermasen grausam angefallen, ob wolten die alles tödten wie sie den auch mit ihrem scharfen hauen und harten Schlägen viele Schützen. andere Leute, und Krämer verwundet, ja diesen die bontiqnen umgeworfen die darin befindliche waaren vernichtet und die stangen von den bontqnen gerißen, und damit nun sich geschlagen endlich aber, da alles, was auf dem marckte an menschen gewesen, sich denen mousqnetiers und anfallenden Ravensbergischen mit gesamter hand gleichsam wiedersezet, sie sind die mousqnetiere mit den übrigen gewichen, außer, daß der eine mousqnetier Brune und der meier Ramsel arretieret worden; wie nun das bevorstehende fernere unglück, durch die gnade gottes vermieden, und man sicher im Amtshause ein und außgehen dürfen, auch diese betrübte begebenheit genau untersuchen können, woher diese große gewaltätigkeit entstanden, und wer eigentlich davon der anfänger gewesen, so hat man nachfolgende nachricht davon eingezogen.

1)         Brachts, Krügersehe Simon Ebbinghaus Ehefrau vorgefordert, und befraget worden, ob am besagten marcktage in ihrem Kruge, um mittag, Preus: mousqnetiers und andere Ravensberg: unterthanen gewesen, und unter sich eine Schlägerey, alhiro in Oringhausen auf dem marcktage vorzunehmen, abgeordnet hätten!

resp: ja, es wäre ihr haus voll von erwohnten leuten gewesen, die branntwein und bier getrunken, und hätte sie unter anderen gehöret, daß die mousqnetiers und andere unter sich gesprochen, sie wolten nun das marckt ledig schlagen, wer aber dieses eigentliuch gesagt, den könte sie nicht nennen, dieses betrübte vernehmen aber wäre bald darauf erfolget, den da sie auß dem kruge gewesen, hätte es nicht lange gedauert, daß das unglück auf allen ecken von sich gegangen; diese ausage könte sie auch alle Zeit auf erfordern eydlich erhärten.

2) Der alte Vogt, sonst Grothe oder Wistinghausen genannt, deponit daß so von Sievekens Sohn gehöret, deßen Bruder ein Preußischer Soldate, daß dieser erzehlet, und solches in Bielefeld gehöret, es würde auf diesem marckte blutig hergehen, und von Ubbedisser Sohn des Laumeyers Sohn auß dem Ravensbergischen hätte herum sagen laßen daß ein jeder enrollirter und beurlaubter Soldate, solte am hisigen marcktage seine mondirung anziehen, und erscheinen;

2)         daß so deponente gesehen, daß der mousqnetier Brune dem ersten den Nagel beym Kopf gekriegt, und ihn mit dem Pallass so erbärmlich gehauen.

3)         daß gedachter Brune mit dem mousqnetier Sieveke, und andere mehr in sein Haus gekommen, und alles darin, was ihnen vorgekommen, mit ihren Pallässenn zerhauen, und zware auß keiner andere Ursache, um ihn in die haar zu wollen, er hätte aber stille geschwiegen, und alles geschehen laßen, damit sie ihn nicht zerhauen mögen, sondern sich dazu nach in seinem eigenem Hause retririert.

4)         wie gedachte Soldaten den ihn ihren muht nicht kühlen mögen, hätten sie einen Ravensberg: unterthanen Laif Budden von dem Heggebooke, in seinem Hause mit dem Pallass am Kopf und Händen erbärmlich gehauen, auch mit prügeln zu lezt geschlagen, dehrer den dieser unschuldige Mensch in seinem ganzen Hause keine andere erettung oder stelle, alß unter seinen eingemauerten Braukeßel, worunter er alß ein Hund gekrochen, zu suchen gewust.

5)         daß der mousqnetier und andere auß dem Ravensberg: wer ihnen nur entgegengekommen, den Pallass und prügel über den Kopf empfangen, daß er dieser außage allerzeit mit meinem Eyde bestätigen könne?

3)         Wellige im Dorfe Örlinghausen wohnende, und ein preusischer mousqnetier unter dem dessen Regiment des Prinzen Diedrich von Anhalt Hochfürstliche Durchlaucht , deponit, es wäre am Marcktage des morgens sein Camerade Sieveke, auß dem Lippischen und von Örlinghausen bürtig, alß ein preusischer mousqntetier in sein Haus gekommen, ihn ersuchet, ihm ein Haarschwanz zu machen, und hätte dieser zu ihm gesagt, Bruder' weist du was! Die Ravensberg: haben sich heute vorgenommen,f10daß sie die Orlinghausisehen wegschlagen wollen, er deponente aber hätte ihm darauf geantwortet, er solte sich davon halten.

6)         es wäre noch ein seiner Cameraden der mousqnetier Harden, nach der Schlägerey zu ihm in seine Wohnung gekommen, und sich von ihm verbinden laßen, und wie er deponent ihn gefraget, woher er zu diesem Unglück mit gekommen und ein so blutiges gefechte alhiro angefangen, hätte er ihm geantwortet, Bruder! ich bin von anderen auß dem Ravensbergischen zu diesem Unglück gekriegt; könte seine deposition auf erfordern mit seinem Eyde darthun.

4)         Bockenbrink gleichfalß von selbigem hochlöblichen Regiment ein mousqnetier, und in Oerlinghausen wohnhaft; deponit, daß er die gewaltä-tigkeit der Ravenberg: mit Verwunderung und erstaunen gesehen und gehöret, und dabey bemercket, daß diese ihr ganzes vernehmen auf lauter Unglück am marcktage gerichtet?

5)         Nagels Ehefrau vorgefordert und gefraget wordete;

1)         ob sie nicht wußte, wer ihren Mann so erbermlich zerhauen und geschlagen!

resp: es hätte Johan Jost Brune ein preusischer mousqnetier am ersten ihren Ehemann mit dem Pallass gehauen, darauf wäre der mousqnetier Sieveke und andere mehr noch dazu gekommen, und ihren Ehemann erbermlich tractieret, daß er nunmehro vor todt darnieder läge?

2)         ob sie keine mehrere zu nennen wüste, die ihren Mann gehauen und geschlagen?

resp: ja, es wäre noch einer, namentlich Johan Christoph Ramsel auß Hilligassen bärtig, dabey gewesen, und wie dieser gesehen, daß Brune et conse ihren Mann biß auf den todt geschlagen, so hätte besagter Ramsel den Brunen zugerufen, halt! laß Nagel zu frieden, dieser hat genug, sich dabey gestellet, ob es ihm leyd thäte, daß ihr Mann so grausahm tractieret wäre, er Ramsel hättet auch, quasi vero! ihren Mann in seinen armen genommen und ihn vertheidigen wollen damit Brune ihn gar nicht auf der Stelle todt machen solte!

3)         ob Brune auch nach deponentin gehauen?

resp: ja, und zwann mit seinem noch mit Blut angefärbten Pallass, Ramsel aber hätte dem qn: herb verachtet!

4)         was deponentin sonst noch gesehen und gehöret?

resp: Brune häte bey diesem Blutbade gesagt, daß der Camerad Culemann ihm Order erstellet, solches an ihrem Mann außzuführen; ferner es wäre ein preus: Soldate nahmentlich Michael, der zugleich ein musicante wäre, in ihr Haus am vergangenen mitwochen gekommen, und gefraget, wer hiro am marcktage spiehlen würde, worauf sie geantwortet, hiro in meinem Hause leyde ich keine music, in meinem anderen Hause aber, da kommen welche von der Lage, wowie der Michael der Soldate versetzet, daß am bevorstehenden Marcktage mord und todtschlag folgen solte? item

die mousqnetiere hätten alle die Leute in ihrem Hause mit bloßen Pallässenn attaquiret und gehauen, und wie sie ihrem Mann zu leibe gehen, und so mörderlich zu richten wollen, der ihnen nicht das allergeringste gethan,            aber nicht im Hause gefunden,

hätten sie ein vieles im Hause zernichtet, und das Bier und Branntwein, was sie mit gewalt erpreßet, nicht bezahlet, und andere Leute waren von Schrecken auch weggelaufen, so, daß sie zu ihrem Unglück viel Schaden gehabt!

5)         ob nicht ihr Schwager alß ihres Ehemanns Bruder auch von den preusischen Soldaten erbärmlich tractieret worden?

resp: ja, und wäre dieser am Kopf und am leibe so starck gehauen und geschlagen, daß er fast eine halbe stunde vor todt darnieder gelegen.

6)Schlichting von Mackenbruch deponit wie er seinen Bruder Nagel besuchet, und nachfragen wollen, wie es ihm ginge, wäre er von einem preusischen Soldaten mit einem bloßen Pallass überfallen, damit über den Kopf gehauen, daß er sogleich betudelt zur Erde gefallen und einen blutigen Kopf bekommen, dazu nach auf seinen Rücken und armen blau geschlagen, so, daß er nicht wüste vor Schmerzen zu bleiben, er hätte den mousqnetieren, worunter Brune nicht gewesen nichts zu gesagt, wodurch sie ihn nicht schlagen mögen; der besagte Brune aber hätte bey dem Übeln tractament gerufen, schlag die Canaille todt!

7)         Niebuhr zu Greste deponit, er wäre in Nagels Hauß am marcktage auf den nachmittag gekommen, um ein Krugbier zu trinken, er wäre aber so gleich von den preusischen Soldaten alß unter anderen von Harden trotzig gefraget, Kerl, was thust du hiro! wie er geantwortet, er wolte hiro ein Krug Bier trinken, hätte gedachter Harden seinen Pallass gezogen, und ihn mit der bloßen Klinge erbärmlich herum gehauen so, daß die Klinge zu letzt krumm geworden, die anderen Soldaten hätten zu gesehen, und über dieses grausahme Vornehmen gelächert, er Niebuhr aber hätte sich von der Dehl in die Stube referieret, worin ihn der mousqnetier mit seinem bloßen Pallass verfolget, ihn hinter den Tisch gestorben, und wie er sich nicht weiter retieren mögen den Pallass auf die Brust gesetzet, dabey ausgerufen, Bauer’ bezahlest du mir nicht einen halben Gulden, daß dadurch meine krumm geschlagene Klinge im Pallass kan wieder gut gemacht werden, so stoß ich dich daß du solst auf dem hinderen sitzen, worauf er dan den abgedrungenen halben Gulden, um sein leben zu conservieren, diesen gegeben, er hätte aber ex post durch die Hülfe der Schützen, wie die preus: Soldaten aus ein ander getrieben, 10 mgr wieder von dem obgedachten Harden wieder erhalten; addenro, daß er nicht vor Schmertzen wegen der Kopfdültze und am leibe zu bleiben muste, ja die Soldaten mit den aufgeworfenen Ravenberg: unterthanen hätten ihre gantzen Vornehmen auf todtschlagen gesetzet;

8)         Der Bauerrichter Tölke beklagt sich, und zeiget auch zu gleich sein Bein für, daß ihn die preus: Soldaten mit einem großen Prügel zerschmettert, auch wan von der hohen obrigkeit keine andere order alhiro gestellet wurde, damit er seines lebens sicher wäre, so verlangte er kein Bauerrichter zu bleiben, weil er vorher den todt vor äugen sehen müßen; desgleichen,

9)         daß meiner Frau auf dem marckte mit spitzen von einem preusischen mousqnetier ein Finger abgehauen, und diese ein vieles von ihrem Kram verloren hatte.

10)       Waldeker ein Schütze, ist von preus: Soldaten mit dem Pallass über den Kopf sehr vulneriert, auch zeigte derselbe auf dem Kopfe noch unterschiedene Klumpe vor, die ihm die Ravenberg: unterthanen mit den Knüppeln geschlagen item hätte er eonen Stoß mit einem bloßen Pallass vorn ein Schienbein erhalten, und könte kaum auf das Bein treten.

11)       Witteborn alß bestelter Schütze ist gleichfalß am Kopf vulneriert, und erbärmlich am leibe geschlagen.

12)       Rosenbaum alß bestelter Schütze ist mit des mousqnetiere Sievebras, Pallass vor dem leibe hergehenen oder gestoßen, daß ihm der Ring am leibe in Stücken gegangen, ohne die Stock Schläge zu erwehren.

13)       Kindesgrab oder Brinktöns erbärmlich, von den Ravenberg: am Kopf gehauen, dergestalt, daß ihn vor den Kopf beulen alß hühnereyer gelegen, am Munde blessiert, und am leibe schwarz geschlagen.

14i Johan Henrich Grothe alß bestelter Schütze ist von dem mousqnetier Vogt am Gesichte erbärmlich gehauen.

15)       Blome bestelter Schütze wäre, hart mit einem dicken Prügel über den arm geschlagen, und könnte selbigen nicht mehr anheben.

16)       Lulf Budde auß dem Heggeboocke in Ravenberg: belegen, klagt, daß ihn der mousqnetier Brune und Sieveke am Kopfe, arm und Händen mit ihren Pallässenn in alten Vogts Hause gehauen und zu letzt braun und blau geprügelt, ohne daß er so besagte aggressoren das geringste zu gesprochen.

17)       Der Kramer Jost Herman Wellens ein Bürger auß Lemgo beschweret sich, daß die preus: mousqnetiers ihn alles in seiner boutique mit ihren Pallässenn ruinieret, und hätte er großen Schaden erlitten, ja dabey noch lebens gefahr außstehen müßen, alz er nicht dazu zerhauen und zertreten worden.

resulutat

Ist arrestatus Brune, nachdem der sergant Helmerding unter des Lücks Major Lücks compagnie zu Bielefeld anhero gekommen, und von seinem hochlöblichen Major beordert-gewesen, nach dieser betrübten begehendeit sich zu erkundigen in gegenwart des Sergeanten Vernommen, und wie er über in diesem protocolle ihm concernirende Umstände befraget worden, so hat er nichts an sich wollen kommen laßen, sondern alles vor der Haus abgeleugnet , außer, daß er zu letzt verneinen mögen, den Nagel mit Faustschlägen etwas gereichet zu haben; wie man ihn hierzu verhörtet, ob er nicht seinen Pallass auf den Nagel gezogen, und diesen damit über den Kopf gehauen, item deßen Frau noch hauen wollen, wofür Ramsel gesprochen, wie auch den Budden und andere mehr so erbärmlich zerhauen, so hat er von nichts wißen wollen; der Sergeante hat hierauf nun relaxation des arrests nachgesuchet, und versprochen, daß zu Bielefeld diese strafbare That näher schon solte heraußgebracht worden, auch sein hochlöblicher Major den Brunen auf ansuchen wurde erscheinen laßen, so ist auf diesen Vortrag der mousqnetier da man verhaftet, daß Nagel nicht an seinen Wunden sterben werde, dimittiert.

Ramsel oder Guse zu Hilligathen der noch mit Schützen bewachet werde, und der ext Urheber von diesem Unglück, vorgenommen, und befraget worden

1)         ob er nicht dieses mit seinen Cameraden auß dem Ravenberg: verabredet, und einige mousqnetiers daher tractieret, gestalten sie alhiro am marcktage alles zerschlagen wolten

resp: nein- desgleichen

2)         ob er nicht mit 50 und mehr Personen in hiesiges Amtshause gedrungen um mit gewalt den Schläger Philipsmann auß dem Verhör genommen und auf den Cammerrath Culemann hart gesprochen, was will der Kerl, laßet uns auf die Stube gehen, resp: Er wäre zware, wie gedachter Philipsmann alhiro auf der Ambtstube in Verhör gewesen, mit vor der Stuben thun mit vielen persohnen gewesen; daß er aber der anfänger von dem Unglück seyn solte, oder auf die Ambtstube gedrungen, und mit gewalt den arrestaten Philipsmann weggenommen, das hätte er nicht, sondern vielmehr der preus: mousqnetier Frert von dessen Hauptmann Ostwalds compagnie gethan, wäre der Anführer. Von alleine schlagen mit gewesen, und mit gewalt den Philipsmann von der Ambtstube geholet, Brune, Harten, Sieveke, Vogt, alß, mousqnetiers waren auch mit dabey gewesen;

3)         ob er Ramsel nicht, wie arrestate Philipsmann auß dem Amtshause mit gewalt loßgemacht, mit anderen mousqnetiers, und in spezie mit Brunen sich nach des Nagels Hause mit großem geschrey begeben, und zware bloß um den Nagel zu prügeln?

resp: es wären viel leute dahin gelaufen, worunter er auch mit gewesen, vor seine person aber hätte er Nagel nicht geschlagen, sonder viel mehr gerettet!

4)         ob er Ramsel nicht wüste, wer in Nagels Hause die Stuben und Cammern mit gewalt aufgebrochen?

resp: nein

5)         ob er auch nicht wüste wer Nagel mit dem bloßen Pallass so erbärmlich gehauen, und mit prügeln auf der Boden noch geschlagen.

resp: nein

6)         ob er Ramsel dabey gewesen.

resp: ja

7)         ob nicht der mousqnetier Brune mit seinem Pallass so grausahm den Nagel zu gerichtet.

resp: daß der mousqnetier Brune seinen bloßen Pallass gezogen, und zu letzt des Nagels Frauen damit hauen wollen das wäre wahr, er hätte aber dieses noch verhindert, und den Brunen in den Pallass gefallen, das hauen, das Brune dem Nagel gethan habend solte, das könte wohl seyn, wüste er jedoch nicht gewiß addendo, er hätte sich des Nagels nach angenommen, damit dieser nicht wäre todt geschlagen worden, weil er selbigen im Arm genommen, und nach seinen des Nagels Hause gebracht.

den 13. Juli 1746

Producieret Laumeyer ein von edlen Amtsrath Meyer zu Heepen abgelaßenes schreiben ad instartiam des arretierten Ramsel; und da derselbe vor diesen intercedieret, gestalten sich gedachter Ramsel ersonderen alhiro, biß ausgemachte Sache, sistieren solte; so hat man Ramsel an die Ambtstube gefordert, ihm dieses erufert da er dan gleichfalß stipulieret, sich allerzeit alhiro zu stellen, und sich zu den zu verstehen, was nötig und recht mitbringt hierauf ist arrestat des Arrest verlassen.

den 13. Juli 1746

der Chirurgus Lypolla übergibt ein attestatum wie er den vulnerieten Nagel befindet, und wie dieser verwundet.

P.P

Da auf Befehl euer hochlöblichen Cammer-Raths Culemann wegen der Schläge-rey so vor kurzen auf dem Oerlinghausen jahrmarckt mein chyrurgisches Attestat belegen sollen wegen Johan Jobst Nagel, ihrgestalt befunden, daß die

1)         Wunden alß an den cieciput ober der Tempora eine starke Fleischwunde.

2)         noch an den occiput welches eine längliche Wunde und bis auf das cranium gehet, und zu presumiere durch einen Hieb geschehen worden.

3)         auch gleichfalls noch am Hinterhaupte eine große Beule welche sehr geschlagen, daß davon das gesuchte geschwolen und wol dieser Schmerzen verursachen Thut.

4)         im Gesichte unter dem rechten Auge mit blut beioffen die äugen leider

gantz schwartz und sehr dick geschwollen.

5)         die Schultern und der gantze rücken, gantz braun und blau, weilen das Diaphragma an dem rückgrade sehr rot ist, welches verursachet daß blut aus seinen und anjetzo mit starke wundfieber darnieder liegt, wenn nicht dagegen defendieret würde, welches geschiehet Örlinghausen

den 13. July 1746

Sypolla

Chyrurg:

 

Es folgt eine KI (Monica)- Übersetzung in hochdeutsche Neusprache:

 

Es wurde berichtet, dass an den Markttagen hier einige Schützen bestellt wurden, die dafür sorgen sollten, dass Schlägereien und Tumulte unter den Menschen vermieden werden, um Mord und Totschlag so weit wie möglich zu verhindern. Daher wurden auch tatsächlich Schützen bestellt, und die zuständigen Unterbeamten, wie der Untervogt und der Bauerrichter, wurden beauftragt, darauf zu achten, dass sie ein wachsames Auge auf die Situation haben.

Vorfall:

Philipsmann, ein Schulte oder Altknecht, der beim Meyer Stiejart in Heepen arbeitet, wurde verhaftet, weil er im Haus von Cramer mit dem Knecht des Obermeyers, Bernd Biomen aus Heepen, eine Schlägerei hatte und diesen blutig geschlagen hat. Bei der Untersuchung im Amtshaus stellte man fest, dass Johan Bernd Blome am Kopf und an der Hand verletzt war. Es kam zu einem großen Tumult, als die Ravensberger Untertanen und preußischen Musketiere, insgesamt über 50 Personen, unter der Führung des Musketiers Frert von Dahlen, Hauptmann von Ostwalds Kompanie aus Bielefeld, ins Amtshaus eindrangen. Diese drangen nicht nur in das Amtshaus ein, sondern schimpften auch und drohten den Beamten, sie wollten das Amtshaus stürmen. Sie nahmen Philipsmann, den Schläger, fest und als die Schlägerei stattfand, rannten sie mit lautem Geschrei zum Haus des Wirts Nagel, um ihn zu schlagen. Es wird berichtet, dass zwei der Ravensberger, ein Musketier namens Johan Jost Brune und ein Meyer namens Johan Christoph Ramsel, die Anführer waren. Sie hatten sich bereits vorher am Markttag im Brachts Krug getroffen und beschlossen, den Markt zu übernehmen und ihn gewaltsam zu räumen. Da sie Nagel nicht im Haus fanden, sollen diese 30 Personen das Haus durchsucht haben, um zu sehen, ob der Wirt Nagel sich versteckt hielt. Sie durchsuchten Schränke, Stuben, Kammern, Keller und Böden, fanden ihn jedoch nicht. Daraufhin begaben sich die beiden Anführer Brune und Ramsel zum Kirchhof, wo sie Nagel fanden. Musketier Brune schlug ihn sofort mit seinem blanken Pallas über den Kopf, sodass er verletzt zu Boden fiel und weiterhin geschlagen wurde. Während Brune ihn schlug, kamen seine Kameraden hinzu und traten Nagel weiter brutal zu. Der unglückliche Nagel lag schließlich vor Schmerzen am Boden, während seine Frau herbeilief, um ihren Mann zu sehen. Brune zog daraufhin sein Pallas und schlug nach der verzweifelten Frau, doch ein Kamerad von Brune verhinderte den Schlag und zeigte Bedauern darüber, dass Nagel so brutal verletzt wurde. Er hob Nagel von der Erde auf, nahm ihn in die Arme und brachte ihn nach Hause. Kaum war dieser bedauerliche Vorfall im Amtshaus gemeldet worden, dass die Ravensberger Untertanen und preußischen Musketiere Nagel zu Tode geschlagen hatten, kam das Geschrei zurück, dass Schlichting, Nagels Bruder, von den Musketieren erschlagen und tot am Boden lag.

Darüber hinaus berichteten die Musketiere Niebuhr zu Greste, dass sie in Nagels Haus mit ihren Pallas geschlagen hatten und Geld forderten, um nicht weiter zuschlagen zu müssen. Die Musketiere und die Ravensberger Untertanen hatten den Markt übernommen und schlugen alles, was ihnen in den Weg kam. Diese bedauerliche Situation wurde nicht nur vom Untervogt und Bauerrichter mit Bedauern ins Amtshaus gebracht, um mehr Schützen zu suchen oder sie und den gesamten Markt zu mustern, sondern auch die Situation wurde bald durch die Tat bestätigt, als Waldeker und andere mit blutigen Köpfen ins Amtshaus eilten und um Hilfe riefen. Daraufhin wurde der Bauerrichter beauftragt, mehr Schützen zu bestellen, damit das Unglück nicht weiteren Marktleuten und Einwohnern widerfahren konnte. Die erwähnten Musketiere und einige Ravensberger Untertanen setzten sich jedoch den bestellten Schützen mit ihren Pallas und großen Prügeln entgegen, sammelten sich und griffen diese brutal an, als wollten sie sie töten. Dabei wurden viele Schützen, andere Leute und Händler verwundet, und sie zerstörten die Waren in den Läden. Schließlich, als alle Menschen auf dem Markt sich den Musketieren und den angriffslustigen Ravensbergern mit aller Kraft widersetzten, zogen sich die Musketiere und die übrigen zurück, außer dass der Musketier Brune und der Meyer Ramsel verhaftet wurden.

Das bevorstehende weitere Unglück wurde durch die Gnade Gottes abgewendet, und man konnte sicher ins Amtshaus ein- und ausgehen sowie diesen bedauerlichen Vorfall genau untersuchen, um herauszufinden, woher diese große Gewalt kam und wer der eigentliche Anführer war.

Zeugenaussagen:

Simon Ebbinghaus, Krüger, wurde vorgeladen und befragt, ob am besagten Markttage in seinem Krug zur Mittagszeit preußische Musketiere und andere Ravensberger Untertanen gewesen seien, die eine Schlägerei in Oerlinghausen geplant hätten.

Antwort: Ja, ihr Haus sei voll von Leuten gewesen, die Branntwein und Bier getrunken hätten, und sie hätten gehört, dass die Musketiere und andere untereinander gesprochen hätten, sie wollten den Markt gewaltsam räumen. Wer das gesagt habe, könne sie jedoch nicht nennen. Diese bedauerlichen Ereignisse hätten nicht lange auf sich warten lassen, nachdem sie den Krug verlassen hatten.

Der alte Vogt, auch Grothe oder Wistinghausen genannt, berichtete, dass er von Sievekens Sohn gehört habe, dessen Bruder ein preußischer Soldat sei. Dieser habe erzählt, dass in Bielefeld gesagt wurde, es würde auf diesem Markt blutig zugehen, und dass jeder rekrutierte und beurlaubte Soldat am Markttag seine Uniform anziehen und erscheinen solle.

Er habe gesehen, dass Musketier Brune Nagel als Erster am Kopf getroffen habe und ihn brutal mit dem Pallas geschlagen habe.

Musketier Brune sei zusammen mit Musketier Sieveke und anderen in Nagels Haus gekommen und habe alles, was ihnen in den Weg kam, mit ihren Pallas zertrümmert, und zwar ohne einen anderen Grund, als ihn zu verletzen. Er habe jedoch geschwiegen und alles geschehen lassen, um nicht selbst verletzt zu werden, und sich in seinem eigenen Haus zurückgezogen.

Die Soldaten, die sich nicht beruhigen konnten, hätten einen Ravensberger Untertanen namens Laif Budden in seinem Haus mit dem Pallas am Kopf und an den Händen brutal geschlagen. Der arme Mensch habe in seinem eigenen Haus keinen anderen Ort zur Rettung gefunden, als unter seinem gemauerten Braukessel, wo er wie ein Hund gekrochen sei.

Musketiere und andere aus Ravensberg hätten jeden, der ihnen entgegenkam, mit Pallas und Prügeln über den Kopf geschlagen.

Eine Frau aus dem Dorf Oerlinghausen, die mit einem preußischen Musketier unter dem Regiment des Prinzen Diedrich von Anhalt diente, berichtete, dass am Markttage morgens ihr Kamerad Sieveke, ein preußischer Musketier, in ihr Haus gekommen sei und sie gebeten habe, ihm einen Haarschwanz zu machen. Er habe ihr gesagt, dass die Ravensberger sich vorgenommen hätten, die Oerlinghausen zu schlagen. Sie habe ihm daraufhin geraten, sich davon fernzuhalten.

Ein weiterer Kamerad, Musketier Harden, sei nach der Schlägerei zu ihm in die Wohnung gekommen und habe sich mit ihm verbunden. Als er ihn gefragt habe, wie er zu diesem Unglück gekommen sei, habe Harden geantwortet, dass er von anderen aus Ravensberg zu diesem Unglück gekommen sei.

Bockenbrink, ebenfalls Musketier und wohnhaft in Oerlinghausen, berichtete, dass er die Gewalt der Ravensberger mit Verwunderung und Erstaunen gesehen und gehört habe und bemerkt habe, dass ihr ganzes Verhalten auf das Unglück am Markttage gerichtet sei.

 

Nagels Frau wurde vorgeladen und gefragt:

Wusste sie nicht, wer ihren Mann so brutal verletzt habe?

Antwort: Johan Jost Brune, ein preußischer Musketier, habe als Erster ihren Ehemann mit dem Pallas geschlagen. Danach seien Musketier Sieveke und andere hinzugekommen und hätten ihren Ehemann brutal behandelt, sodass er nun tot am Boden liege.

Wusste sie keine weiteren Namen zu nennen, die ihren Mann geschlagen hätten?

Antwort: Ja, es war auch ein weiterer, nämlich Johan Christoph Ramsel aus Hillegossen, bärtig, dabei. Als er sah, dass Brune und seine Leute ihren Mann bis zum Tod schlugen, rief Ramsel den Brunen zu: „Halt! Lass Nagel in Ruhe, er hat genug!“ Er stellte sich dabei so hin, als ob es ihm leid täte, dass ihr Mann so grausam behandelt wurde. Ramsel hätte auch, gewissermaßen, ihren Mann in seine Arme genommen und ihn verteidigen wollen, damit Brune ihn nicht sofort töten konnte.

Frage: Hat Brune auch nach der Zeugin geschlagen?

Antwort: Ja, und zwar mit seinem noch blutverschmierten Schwert. Ramsel aber hätte ihn verachtet!

Frage: Was hat die Zeugin sonst noch gesehen und gehört?

Antwort: Brune sagte während dieses Blutbades, dass der Kamerad Culemann ihm den Befehl gegeben habe, das an ihrem Mann auszuführen. Außerdem sei ein preußischer Soldat, namentlich Michael, der gleichzeitig Musiker war, am vergangenen Mittwoch in ihr Haus gekommen und fragte, wer am Markttag spielen würde. Darauf antwortete sie, dass sie in ihrem Haus keine Musik dulde, in ihrem anderen Haus jedoch, wo welche von der Lage kämen. Michael, der Soldat, sagte, dass am bevorstehenden Markttag Mord und Totschlag folgen sollte.

Zudem hätten die Musketiere alle Leute in ihrem Haus mit bloßen Schwertern angegriffen und geschlagen. Als sie ihrem Mann zu Leibe gingen und ihn mörderisch behandeln wollten, obwohl er ihnen nichts getan hatte, fanden sie ihn nicht im Haus. Sie hätten viel im Haus verwüstet, das Bier und den Branntwein, den sie gewaltsam erpresst hatten, nicht bezahlt, und andere Leute wären aus Angst geflohen, sodass sie viel Schaden erlitten hätten.

Frage: Wurde nicht auch ihr Schwager, als Bruder ihres Ehemanns, von den preußischen Soldaten erbärmlich behandelt?

Antwort: Ja, er wurde am Kopf und am Körper so stark geschlagen, dass er fast eine halbe Stunde tot dalag.

Frage: Schlichting von Mackenbruch erklärt, dass er seinen Bruder Nagel besuchen wollte und nachfragte, wie es ihm ginge. Wurde er von einem preußischen Soldaten mit einem bloßen Schwert überfallen?

Antwort: Ja, er wurde über den Kopf geschlagen, sodass er sofort bewusstlos zu Boden fiel und eine blutige Kopfverletzung erlitt. Außerdem wurde er am Rücken und an den Armen blau geschlagen, sodass er nicht wusste, wie er den Schmerzen entkommen sollte. Er hatte den Musketieren, unter denen Brune nicht war, nichts gesagt, wodurch sie ihn nicht schlagen konnten. Der besagte Brune rief jedoch während dieser grausamen Behandlung: „Schlagt die Canaille tot!“

Frage: Niebuhr zu Greste erklärt, dass er am Markttag nachmittags in Nagels Haus gekommen sei, um ein Krug Bier zu trinken. Wurde er sofort von den preußischen Soldaten, unter anderem von Harden, gefragt: „Kerl, was machst du hier?“

Antwort: Als er antwortete, dass er ein Krug Bier trinken wolle, zog Harden sein Schwert und schlug ihn erbärmlich, sodass die Klinge schließlich krumm wurde. Die anderen Soldaten sahen zu und lachten über dieses grausame Vorgehen. Niebuhr jedoch zog sich in die Stube zurück, wo ihn der Musketier mit seinem bloßen Schwert verfolgte, ihn hinter dem Tisch stellte und ihm, als er sich nicht weiter zurückziehen konnte, das Schwert auf die Brust setzte. Dabei rief er: „Bauer, bezahlst du mir nicht einen halben Gulden, damit ich meine krumm geschlagene Klinge reparieren kann, so stoße ich dich, dass du auf dem Hinteren sitzen bleibst.“ Daraufhin gab Niebuhr ihm den geforderten halben Gulden, um sein Leben zu retten. Später erhielt er durch die Hilfe der Schützen, die die preußischen Soldaten vertrieben, 10 Groschen von dem oben genannten Harden zurück; zudem musste er wegen der Schmerzen durch die Kopfverletzung und am Körper leiden. Ja, die Soldaten hatten mit den aufgebrachten Ravenberger Untertanen ihre ganzen Vorhaben auf Totschlag gesetzt.

Der Bauerrichter Tölke beklagt sich und zeigt auch sein Bein, dass ihn die preußischen Soldaten mit einem großen Prügel zerschmettert haben. Auch wenn von der hohen Obrigkeit keine andere Anordnung gegeben wurde, damit er seines Lebens sicher wäre, verlangte er, kein Bauerrichter mehr zu bleiben, weil er zuvor den Tod vor Augen sehen musste.

Außerdem, dass meiner Frau auf dem Markt von einem preußischen Musketier ein Finger abgehauen wurde, und sie viel von ihrem Kram verloren hat.

Waldeker, ein Schütze, wurde von preußischen Soldaten mit dem Schwert am Kopf schwer verletzt und zeigte, dass er noch verschiedene Beulen am Kopf hatte, die ihm die Ravenberger Untertanen mit Knüppeln geschlagen hatten. Außerdem erhielt er einen Schlag mit einem bloßen Schwert an einem Schienbein und konnte kaum auf das Bein treten.

Witteborn, als bestellter Schütze, ist ebenfalls am Kopf verletzt und erbärmlich am Körper geschlagen worden.

Rosenbaum, als bestellter Schütze, wurde mit dem Schwert des Musketiers so heftig geschlagen, dass ihm der Ring am Körper in Stücke ging, ohne dass er sich gegen die Stockschläge wehren konnte.

Kindesgrab oder Brinktöns wurde erbärmlich am Kopf von den Ravenbergern geschlagen, sodass er vor den Beulen am Kopf wie Hühnereier lag, am Mund verletzt und am Körper schwarz geschlagen.

Johan Henrich Grothe, als bestellter Schütze, wurde vom Musketier Vogt im Gesicht erbärmlich geschlagen.

Blome, bestellter Schütze, wurde hart mit einem dicken Prügel über den Arm geschlagen und konnte ihn nicht mehr heben.

Lulf Budde aus dem Heggeboock in Ravenberg klagt, dass ihn der Musketier Brune und Sieveke am Kopf, Arm und Händen mit ihren Schwertern in altem Vogtshaus geschlagen und zuletzt braun und blau geprügelt haben, ohne dass er den genannten Angreifern das geringste gesagt hätte.

Der Kramer Jost Herman Wellens, ein Bürger aus Lemgo, beschwert sich, dass die preußischen Musketiere alles in seiner Boutique mit ihren Schwertern ruiniert haben und er großen Schaden erlitten hat, ja dabei noch in Lebensgefahr war, als er nicht zerschlagen und zertreten wurde.

Ergebnis

Brune wurde festgenommen, nachdem Sergeant Helmerding unter Major Lücks Kompanie in Bielefeld angekommen war und von seinem hochlöblichen Major beauftragt wurde, sich nach diesem betrüblichen Vorfall zu erkundigen. In Anwesenheit des Sergeanten wurde er zu den ihm betreffenden Umständen befragt. Dabei wollte er nichts an sich kommen lassen, sondern alles vor dem Haus abstreiten, außer dass er zuletzt zugeben musste, Nagel mit Faustschlägen etwas verletzt zu haben. Als man ihn dazu verhörte, ob er nicht sein Schwert gegen Nagel gezogen und ihn damit über den Kopf geschlagen habe, und ob er nicht auch dessen Frau schlagen wollte, wofür Ramsel sprach, und auch andere so erbärmlich verletzt wurden, wollte er von nichts wissen. Der Sergeant beantragte daraufhin die Aufhebung des Arrests und versprach, dass diese strafbare Tat in Bielefeld näher untersucht werden würde. Auch würde sein hochlöblicher Major Brune auf Antrag erscheinen lassen. Aufgrund dieses Vortrags wurde der Musketier, der verhaftet wurde, entlassen, da Nagel nicht an seinen Wunden sterben würde.

Ramsel oder Guse aus Hillegassen, der noch mit Schützen bewacht wird und der eigentliche Urheber dieses Unglücks, wurde ebenfalls befragt:

Ob er nicht mit seinen Kameraden aus dem Ravenberg verabredet war und einige Musketiere dazu gebracht hatte, alles am Markttag zu zerschlagen?

Antwort: Nein.

Ob er nicht mit 50 oder mehr Personen in das hiesige Amtshaus gedrungen ist, um gewaltsam den Schläger Philipsmann aus dem Verhör zu nehmen und den Camerad Culemann hart ansprach: „Was will der Kerl, lasst uns in die Stube gehen?“

Antwort: Er war zwar, wie gesagt, Philipsmann im Amtshaus beim Verhör, aber er war nicht der Anführer des Unglücks oder hat gewaltsam Philipsmann aus dem Amtshaus geholt. Das tat vielmehr der preußische Musketier Frert von Hauptmann Ostwalds Kompanie, der der Anführer war. Er war dabei, aber nicht gewaltsam.

Ob er Ramsel nicht, wie den verhafteten Philipsmann, gewaltsam aus dem Amtshaus losgemacht hat, und mit anderen Musketieren, insbesondere mit Brune, sich nach Nagels Haus mit großem Geschrei begeben hat, um Nagel zu prügeln?

Antwort: Viele Leute liefen dahin, darunter war er auch, aber er selbst hat Nagel nicht geschlagen, sondern vielmehr gerettet!

Ob er Ramsel nicht wüsste, wer in Nagels Haus die Stuben und Kammern gewaltsam aufgebrochen hat?

Antwort: Nein.

Ob er auch nicht wüsste, wer Nagel mit dem bloßen Schwert so erbärmlich geschlagen hat und mit Prügeln auf den Boden geschlagen hat?

Antwort: Nein.

Ob er Ramsel dabei gewesen sei.

Antwort: Ja.

Ob nicht der Musketier Brune mit seinem Schwert so grausam Nagel zugefügt hat.

Antwort: Dass der Musketier Brune sein Schwert gezogen hat und zuletzt Nagels Frau schlagen wollte, das ist wahr. Er hätte aber dies noch verhindert und Brune am Schwert aufgehalten, sodass Nagel nicht totgeschlagen wurde, weil er ihn in den Arm genommen und zu Nagels Haus gebracht hat.

Datum: 13. Juli 1746

Am 13. Juli 1746 wurde ein Schreiben von Amtsrat Meyer zu Heepen verfasst, um die Angelegenheit des festgenommenen Ramsel zu klären. Da Ramsel vor diesem Gremium erschien und darum bat, die Sache bis zur Klärung auszusetzen, wurde er zur Amtsstube gerufen. Er erklärte sich bereit, jederzeit zur Verfügung zu stehen und sich mit den notwendigen und rechtlichen Aspekten auseinanderzusetzen. Daraufhin wurde die Festnahme von Ramsel aufgehoben.

Der Chirurg Lypolla übergibt ein Attest, in dem er den verletzten Nagel untersucht hat und beschreibt, wie dieser verwundet wurde.

Auf Befehl des ehrwürdigen Kammerrates Culemann, bezüglich der Schlägerei, die kürzlich auf dem Jahrmarkt in Oerlinghausen stattfand, soll mein chirurgisches Attest für Johan Jobst Nagel vorgelegt werden. Ich habe Folgendes festgestellt:

An der Kopfoberfläche, über den Schläfen, befindet sich eine starke Fleischwunde.

Am Hinterkopf gibt es eine längliche Wunde, die bis auf den Schädel reicht, vermutlich durch einen Schlag verursacht.

Am Hinterkopf ist eine große Beule zu sehen, die stark geschlagen wurde, was zu Schwellungen und Schmerzen führt.

Im Gesicht, unter dem rechten Auge, ist die Haut blutig und die Augen sind stark geschwollen und dunkel.

Die Schultern und der gesamte Rücken sind blau und braun gefärbt, während das Zwerchfell entlang der Wirbelsäule sehr rot ist. Dies führt dazu, dass Blut aus dem Körper austritt und der Patient gegenwärtig mit starkem Fieber im Bett liegt, es sei denn, es wird dagegen angekämpft.

Oerlinghausen, den 13. Juli 1746

 

Sypolla, Chirurg