Feuerwerkskörper unterm Bett machten sich selbständig

Fritz Soll blättert für die NW in alten Akten — Feuersbrünste in den Zeiten der alten „Sprützengesellschafft“

 

Oerlinghausen. Als im Jahre 1881 die Freiwillige Feuerwehr Oerlinghausen gegründet wurde, da war die Zeit der althergebrachten „Sprützengesellschaft“ vorbei, sie wurde 1892 aufgelöst. Welche Probleme die Sprützengesellschaft, deren Mitglieder ernannt wurden, bei den Bränden hatte, möchte ich an dieser Stelle aus alten Amtsakten doch aufzeichnen. Es handelt sich um die Zeit von 1802 bis 1878. Wassermangel, Strohdächer und die enge Bebauung hier oben am Berge machten aus jedem Brand ein Problem.

Am 27.6.1802 wird der Brachtsche Krug vom Blitz getroffen und brennt zum Teil ab. Wöstmann, der Wirt, hatte einen Schaden von 1 000 Rtl. Am 30. 8. 1803 brennt das Haus des Juden Adam Meyer (Hauptstraße 57) ab. Das Haus nebenan war noch strohgedeckt, konnte aber gerettet werden.

Die Aktenunterlagen machen nun einen großen Sprung und verzeichnen erst wieder am 6. 3. 1832 einen Brand des Hauses von Mellius (Hauptstraße 20/heute Anfang der Ravensberger Straße). Im dem Hause befand sich eine Räucherei für Speck und Schinken. Dieses war wohl ausschlaggebend, daß innerhalb von zehn Minuten alles in Flammen stand und die neun Bewohner des Hauses nur ihr nacktes Leben retten konnten. Im August desselben Jahres wurden bereits die Dielen im wiederaufgebauten Haus verlegt.

Am Abend des 13.12.1837 stand plötzlich das ganze Wohnhaus von Lillteich (Sültemeiers Hof) in hellen Flammen. Ehefrau und vier Kinder sowie Tagelöhner und Magd, die alle beim Spinnen gesessen hatten, konnten sich retten. Der Wert der geretteten Sachen betrug fünf Rtl.

Als am 13.1.1841 die Häuser vom Leinenhändler Düning und Glaser Gröppel abbrannten (Tönsbergstraße 12 und gegenüber), da bezog die Feuerspritze zum erstenmal ihr Wasser aus dem neuen Wasserbassin neben der Apotheke. Im selben Jahr, am 2.10.1841, brannte es auch in der Windmühle. Es ist aber nur ein geringer Schaden von 60 Rtl. zu verzeichnen.

Beim Kammacher Uppmann (Hauptstraße 72/früher Schlosser Moritz), brannte das Haus am 28.8.1844. Die Sprützengesellschaft und viele Bewohner löschten so aktiv, daß die Hälfte des strohgedeckten Hauses gerettet werden konnte. (Siehe unter 10.7.1861.)

Ein Großfeuer suchte am 15.7.1847 um Mitternacht die Dorfschaft heim, als die zwei eng nebeneinander liegenden Häuser vom Wegeaufseher Strohdeich (Detmolder Straße 29) und Tagelöhner Schling (Detmolder Straße 27) fast gänzlich vernichtet wurden.

Bei einem schweren Gewitter, das sich am 6.8.1850 über Oerlinghausen entlud, zündete ein Blitz gleichzeitig an mehreren Stellen im Hause des Colon Kux (Auf dem Berge 8). Das Protokoll vermerkt, daß alle Feuerstellen sofort gemerkt und gelöscht wurden.

Am Morgen des 9. Januar 1852. um vier Uhr, brannte das Haus von Schuhmacher Tölke (Hauptstraße 45). Das nebenstehende Gebäude des Bäckers Hachmeister (heute Kobusch, Hauptstraße 47) stand kurz darauf ebenfalls in hellen Flammen. Vier umliegende Häuser wurden durch das Feuer in Mitleidenschaft gezogen. Die Sprützengemeinschaften von Ubbedissen und Kachtenhausen waren bei diesem großen Brand auch nach hier gerufen worden. Der Wachdienst an der Brandstätte wurde drei Tage lang durch die gesetzlichen Reihedienste vollzogen.

Ein Topf mit glühenden Kohlen, der unters Bett geschoben war, sorgte am 28.2.1854 für ein kleines Schadenfeuer bei Lohmeier (Hauptstraße 52). Die Akte vermerkt: Es konnte gelöscht werden. Ebenso ging es mit einem Schornsteinbrand am 18.4.1861 bei Krome (Ullrich, Gehrenberg 1). Es entstand ein Schaden von 20 Rtl.

Im selben Jahr, am 10.7.1861 (Kirmestag seit alters her, die Marktbuden standen von der Apotheke bis zum Kirchplatz), brach morgens um neun Uhr ein Feuer im Hause des Wirtes und Bäckers Henning aus (Hauptstraße 70). Da das Haus mit dem Nachbarhaus Räker (später Moritz, Hauptstraße 72) eine gemeinsame Hauswand hatte, griff das Feuer über das Dach auch auf dieses über. Die großen Holz- und Strohvorräte auf den Böden beider Häuser machten alle Löscharbeiten zunichte. Übrigens war am Abend vorher „Markttag — Abend“, das heißt Tanz auf dem Saale bei Henning bis in die Morgenzeit. Beschädigt wurden die Häuser von Ww. Becker (Hauptstraße 68/nachher Erbracht), Tölke (Hauptstraße 74) und Paradies (Hauptstraße 53, gegenüber). Außerdem verlangt die Kirche neue Pfeiler und Tore als Abschluß ihres Kirchplatzes.

Das Haus des Tischlers Brinkmann (wahrscheinlich Heiterstraße 42, Kaserne) wurde am 24.9.1862 mittags um zwei Uhr ein Raub der Flammen. Es brannte gänzlich nieder, da wegen Wassermangels nicht gelöscht werden konnte. Ebenso geschah es mit dem Haus von Tischler Helmich (Detmolder Straße 13). Das Wohnhaus mit sämtlichen Nebengebäuden brannte in der Silvesternacht am 31.12.1868 vollständig nieder.

Am 13.5.1871, nachts um ein Uhr, fiel die Ullrichsche Stätte am Steinbült 3/5 einem Feuer zum Opfer und brannte vollständig nieder. Die Frau des Einliegers Blome, welcher sich auf Ziegelei befand, konnte mit ihren drei Kindern nur das nackte Leben retten. Da nichts versichert war, erbrachte eine Sammlung in Oerlinghausen die Summe von 68 Rtl., um die schwerste Not zu lindern.

Explosion in Oerlinghausen! Hier die Vorgeschichte dieses Ereignisses: Im Hause der Ww. Hinnenthal (Gasthaus, Hauptstraße 42) hatte ein Einwohner mit Namen Heinrich Wassermann ein Zimmer gemietet. Als am 15.6.1871 auch in Oerlinghausen eine Friedensfeier stattfand, bekam der Apotheker Melm den Auftrag, ein Feuerwerk zu liefern und durch seinen Knecht abbrennen zu lassen. Am Ende des Feuerwerks erbat sich Wassermann die Kiste mit den Resten der Feuerwerkskörper. Er nahm sie mit in sein Zimmer, schob sie unter das Bett und kümmerte sich nicht mehr darum. Am 10.8.1871 machten sich die Reste in der Kiste in Abwesenheit von Wassermann selbständig und explodierten. Fenster und Türen flogen aus ihren Angeln. Die Untersuchung ergab „Selbstzündung“. Der Schaden betrug 25 Reichstaler.

Am 19.4.1877 melden die Akten einen Waldbrand. Es heißt in dem Bericht: In der Mitte des Menkhauser Berges zur Senneseite hin entstand heute ein Waldbrand, der aber gelöscht werden konnte. Eine weitere Kurzmeldung vom 8.3.1878 betrifft die evangelische Kirche. Morgens um sechs Uhr wurde das Dach der Kirche beschädigt, als ein Blitz vom Blitzableiter auf das Dach übersprang. (Die Kirche hatte erst 1877 ihren hohen Turm erhalten.) Es entstand ein Schaden von 30 Mark. (Die Reichstalerwährung war abgelöst worden.)

Die Reihe der Feuersbrünste zwischen 1802 und 1880 schließt nun ab mit dem Brand des Hauses von Ziegelmeister Hollmann (Hermannstraße 20), das am 3.4.1878, einem Sonntagabend, den Flammen vollständig zum Opfer fiel.

Es war auch wohl der letzte Einsatz der Oerlinghauser Sprützengesellschaft, die über 100 Jahre mit der „eimerlangen Kette“ und in den letzten Jahren ihres Bestehens mit den ersten primitiven, aber für die damalige Zeit fortschrittlichen Handpumpen versucht hat, dem Feuer Einhalt zu gebieten. Wenn auch immer der gute Wille vorhanden war, so machte zu oft die Wasserknappheit allen Mühen ein Ende. Die 1881 gegründete freiwillige Feuerwehr trat dann dem Feuerteufel geschult entgegen Aber das ist die Chronik unserer freiwilligen Feuerwehr, und die hat sie selbst geschrieben.

Anmerkung: die in Klammern gesetzten Bemerkungen und Hinweise sind vom Verfasser. Quellen: St. A. Detmold — L 108 Oerlinghausen Nr. 2444-2450. Eigenarchiv — gesammelte Colonatsnummern.)