Freiwillige Feuerwehr Oerlinghausen
Freiwillige Feuerwehr Oerlinghausen Schon im 18. Jahrhundert bestanden in Lippe Pflichtfeuerwehren, „Sprützengesellschaften“ genannt, hauptsächlich zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurden diese Pflichtfeuerwehren mit Spritzen ausgerüstet. Für damalige Zeit waren es sehr gute Geräte. Kleine Orte hatten eine Druckspritze (ohne Saugwerk), das Wasser mußte mit Eimern in die Bütte gefüllt werden. Größere Orte, auch Oerlinghausen, bekamen eine Druckspritze und eine Saug- und Druckspritze (Zubringer). Die Gewinde waren nicht gleich, an der Druckspritze waren enge Gewinde und enge Schläuche, am Zubringer weite Gewinde und weite Schläuche. Zubringerschläuche waren in Oerlinghausen 400 bis 500 Meter vorhanden, aber kein dazu passendes Strahlrohr. Wenn die Wasserbezugsquelle noch so nahe war, mußte das Wasser immer durch zwei Löschmaschinen gepumpt werden. An der Spritze befand sich ein Gewindestutzen für die Druckschläuche und auf der Spritze ein Wenderohr (Schwanenhals). Zu jedem Gerät war eine entsprechende Anzahl Leute eingeteilt, die Spritzenleute trugen rote, die Zubringerleute weiße Schilder aus Blech am Oberarm. Die regelmäßigen Spritzenproben wurden durch den Kupferschmied Trebbe aus Lemgo abgehalten, jedesmal ein großes Fest für die Jugend. In Oerlinghausen und auch in der Umgegend kamen verhältnismäßig wenig Brände vor. Die Art der Bekämpfung hatte viele Mängel. Da Übungen nicht abgehalten wurden, waren die Leute natürlich in der Handhabung der Geräte nicht geschult. Von einem ordnungsmäßig vorgetragenen Angriff konnte keine Rede sein, die Spritze wurde nahe an der Brandstelle aufgestellt, und wenn der Zubringer Wasser lieferte, wurde dahin gespritzt, wo die Flammen hochschlugen, manchmal aber auch dahin, wo gar kein Feuer war. Das brennende Gebäude war fast immer ganz verloren, stehengebliebene Gebäudeteile wurden nach Möglichkeit niedergelegt. Man war der Ansicht, der Abgebrannte würde bei der Abschätzung des Schadens arg geschädigt, wenn etwas stehenbliebe. Die Brände dauerten meist recht lange, was ja bei dieser Art Feuerbekämpfung verständlich ist. Die Pumpenmannschaft ermüdete, es mußten, da eine ordnungsmäßige Ablösung nicht vorgesehen war, Pausen gemacht werden. Bei diesen Pausen wurde dann in der Regel eine besondere Art von „Innenangriff“ angewendet, man gebrauchte dafür aber nur „gebranntes“ Wasser. Bei dem Brande des Pollmann-Kruges in Lipperreihe ist wohl ein ausgiebiger Gebrauch von diesem „Innenangriff“ gemacht, es war das mit ein Anstoß zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr. Die „Sprützengesellschaft“ wurde 1892 aufgelöst und der Gesamtfeuerlöschdienst der Freiwilligen Feuerwehr übertragen. Das Bessere war auch hier der Feind des Guten. Die Wehr hatte seit der Gründung 146 Brände zu löschen. Die Mehrzahl hiervon waren erfreulicherweise Kleinfeuer, und zwar insgesamt 78. Neben 42, Mittelbränden mußten aber noch 18 Großfeuer bekämpft werden. In 8 Fällen waren Schornsteine in Brand geraten. Zu Wald- und Heidebränden mußte die Wehr 14mal ausrücken. Auch hatte sie durch über Oerlinghausen niedergegangene Wolkenbrüche in mehreren Fällen einzugreifen.
Zum ersten Male trat die Wehr am 31. Dezember 1881 in Tätigkeit. Es brannte das Posthalter Brathuhnsche, jetzt Knörnagels Haus an der Detmolder Straße. Bei diesem Brande wurde die Arbeit der Wehr selbst von Leuten, die der Gründung nicht wohlwollend gegenüberstanden, lobend anerkannt. Das Musikkorps bildete sich im Jahre 1886. Es hat bei vielen Veranstaltungen in uneigennütziger Weise mitgewirkt.