1699 - Die schlimmste Brandnacht im Dorfe Oerlinghausen

 

Auf der Suche nach weiteren Feuersbrünsten im Dorfe Oerlinghausen stieß ich im Staatsarchiv Detmold auf eine Akte vom Jahre 1699.

Der Vogt Hermann Adolf Bracht (Sohn des Landvogtes Johann Bracht) berichtet nach Detmold über eine Feuersbrunst die in der Nacht vom 15.auf 16. Juli 1699 im Dorfe wütete. Ihr fielen 8 Wohnhäuser zum Opfer. Bei etwa 30 Häusern die im Dorfe standen, müssen 8 abgebrannte eine echte Katastrophe gewesen sein. Innerhalb einer Stunde lagen alle in Schutt und Asche. Kein Bewohner rettete mehr als sein nacktes Leben.

Der Bericht des Vogtes sagt weiter aus, daß alle abgebrannten Häuser auf dem Köttelbrink gelegen waren und das Wassermangel herrschte. Die Namen der Abgebrannten waren : Jonas Arper (Meier) - Cordt Stellbrink -Hermann Hölter - Hermann Tölke - Stoffel Ebbinghaus - Hans Henrich Möller - Casper Möller - Berndt Stratmann.

Wo lag der Köttelbrink? Da Baugrund damals kaum zu bekommen war, können wir annehmen das fast alle in etwa auf ihren Grund und Boden wiederaufbauten. Eine Einwohnerliste von 1727 gibt uns da Aufschluß, denn sie ist von August Reuter mit den heutigen Straßen und Hausnummern versehen. Hieraus kann man schließen das der Köttelbrink nordostwärts vom Simonsplatz lag. (Die abgebrannten Häuser standen also etwa von Bier-Kochsiek bis zum Gehrenberg. Jonas Arper bis Stratmann).

Alle abgebrannten Hausbesitzer schrieben Bittbriefe an den Grafen nach Detmold, ebenso auch die Mieter in den Häusern. Der Brief einer Mieterin soll hier folgen um aufzuzeigen, daß die einzigste Hoffnung beim Landesherrn lag.

(Hier folgt nun die beiliegende Übersetzung)

 

Hochgeborener Graf

Gnädigster Graf und Landesherr.

Zu Euer Hochgräflichen Gnade kann hiermit meine untertänigste Zuflucht mit Tränen zu nehmen nicht umhin, nachdem deroselber schon beweist, wie das leider, Gott erbarm es, als morgen Sonntag vor 14 Tagen durch eine unvermutete Feuersbrunst acht (8) Häuser zu Oerlinghausen fast in einer Stundenfrist erbärmlich in die Asche gelegt worden, wodurch diejenigen Leute, welche es getroffen, schleunig um das ihrige gekommen und in einen elenden Stand gesetzet worden sein.

Wenn ich dann als eine einsahme Person, jedoch ein eingeborenes Landeskind. bei Hermann Hölter daselbst, dieses Haus sobald das andere gewesen, welches das Feuer ergriffen, mich eingeheuert1 habe und mich mit würken2 sonst gesichert zu ernähren, aber indem man nichts retten konnte, weil das Feuer zu schnell überhand genommen, und es bei finsterer mitternächtlichen schlafenden Zeit gewesen, daher ich um meine Habseligkeiten und wovon ich sonsten meinen Lebensunterhalt hätte haben können, um so geschwind nie gekommen bin, und nun nicht weiss, woher ich Lebensmittel nehmen soll, bis ich wieder zum Stande komme und etwas wieder verdienen möchte.

So gelanget zu Euer Hochgräfliche Gnad meine untertänigste und demütigste Bitte, dieselbe wolle gnädigst geruhn, weil dieses Unglück mich mit getroffen, und ich nicht das geringste behalten habe, sich in aller Gnad über mich erbarmen; nachdero gnädigsten belieben mir eine Gabe oder Beisteuer mitzuteilen, damit bei diesen elenden und betrüblichen Zeiten mich noch erhalten und durchbringen möge; der grundgütige Gott wolle solches reichlich wieder ersetzen und Eure Hochgräfliche Gnaden vor allen Unfall gnädig bewahren, in dessen allwaltigen Schutz dieselbe zu allen Hochgräfliehen wohlwollen untertänigst empfehle.

Euer Hochgräflichen Gnade

demütigste

Cristine Ilsabein Cramer