Brandkatastrophe an der Hauptstraße

Heute vor hundert Jahren

 

Oerlinghausen. Die Chronik unserer Feuerwehr vermeldet unter dem 8. August 1887: Brand von 2 Wohnhäusern an der Hauptstraße/Gehrenberg. Was ist damals geschehen? In der Nacht zum 8. August zwischen 1 und 2 Uhr ertönte in Oerlinghausen das Feuerhorn, um die Wehrmänner zusammenzuholen Wo heute die Häuser Hauptstraße 60 und Gehrenberg 2 und 4 stehen, standen damals die 2 Häuser von Horst und Ullrich Viel konnte die Feuerwehr nicht ausrichten, denn es fehlte an Wasser. Das Bassin für Löschwasser muß wohl in diesen Sommertagen nicht allzu voll gewesen sein denn auch das Trinkwasser wurde mit einer Pumpe hieraus entnommen Der Zufluß war gering. denn es waren nur Holzröhren, in denen das Wasser von der Detmolder Straße bis zum heutigen Simonsplatz floß.

Das Schrecklichste aber stand der Feuerwehr noch bevor. Als man in das eine der Häuser eindringen wollte, das oben schon in hellen Flammen stand, fand man hinter der verschlossenen Haustür den Briefträger Friedrich Schütte bewußtlos liegend vor. Schütte war Witwer und lebte dort mit seinen vier unmündigen Kindern. Man konnte die Tragödie nur ahnen, die sich im Haus abgespielt hatte. Alle waren im Schlaf vom Feuer überrascht worden und konnten sich nicht mehr retten. Drei der Kinder holten die Feuerwehrmänner tot aus den Flammen, das vierte Kind wurde erst bei den Aufräumungsarbeiten gefunden Die Kinder hatten ein Alter von: Wilhelm sechs Jahre, Minna neun Jahre, Albert zehn Jahre und Emilie 14 Jahre. Friedrich Schütte starb drei Tage später im Landeskrankenhaus zu Detmold, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben Es war wohl eine der schwersten Brandkatastrophen in Oerlinghausen von der wir wissen.

Fritz Soll