15 Jahre Jugend- & Kulturzentrum Oerlinghausen e.V.
Original 1992 von
Carsten Oexmann - Überarbeitung 2000 von Arne
Scheffler / 1977-1992
Vorwort:
Diese Broschüre ist anläßlich der Sanierung des alten Loewe Druck- Gebäudes
entstanden, in dessen Räumen seit über zehn Jahren offene und selbstverwaltete
Jugendarbeit läuft. Sie ist für all die, die sich zutrauen, ein Meinungsbild
von einem, der auszog, zu verkaufen, ansatzweise zu verstehen. Ganz besonders
ist sie folgenden Leuten gewidmet:
PeterUlliRafaelMartinFraukeUhlePitHorstHottiPilleKlausDorotheeAnneNaffiHeikeJanThorstenErwinMoniFlairAstridRalfChristianStefanKaiMichiiAtzfratzJensonjaJostKaiFriedelMarcoOlafGritDidiNowieFrauTödtmannMondoSvenMarkusJensSandraHinzenBambiniClaudiaKatjaBjörnLarsBirgitFräuleinMdenhohenergenTriodenZwillingenMarklngoBeritJochenArneDoroAndreasYvonneDietrichAnjaUweSabineJanDanielRalfVanessaCarolinalrisSteffiVaikeUlliNinadenMütterndemWaldedenHaasenMichaelJuliaDanielaOlliverStefanChrisFrauKdemBrinkmannLarsHorstHerbertStelzkeBertJensUSybilleFalkSigridPeterToniGaffiBastiThomasAndiKassiJuttaTilliFischFroschFrischJuditMarionRobertMarc
und den anderen ganzen Leuten, die ich jetzt nicht mehr nennen will.
Nachwort zum Vorwort:
Ich habe mich dazu
entschlossen, dieses Buch nochmal zu veröffentlichen, da es einen wichtigen
geschichtlichen Aspekt des JZO beschreibt. Außerdem ist es so der Nachwelt
hoffentlich für lange Zeit zugänglich.
Arne Scheffler im März 2000
Inhalt
Seite 3 :
Vorwort
Seite 4: Inhalt
Seite 5 :
Jahre der Aufopferung
Wofür ?
Seite 6 :
15 Jahre Jugendzentrum Oerlinghausen e.V. - durch die grüne Brille
Seite 9 :
Die wahre Geschichte
Seite 14: Zur Arbeit selbst
Seite 16 :
Ausblick
Seite 17 :
Die Generationen
Seite 18 :
Nachwort
Jahre der Aufopferung
Wofür ?
Klar, Jugendzentrum, so was muß man schon mal mitgemacht haben. Das war 1986, das Jahr,
in dem das Oerlinghausen Jugendzentrum mein Verhängnis wurde. Doch ich will
mich sehr kurz fassen. Die erste Zeit war super, weil
die Leute gut drauf waren und viel getan haben. Dann kam die erste Flaute und
nichts wollte so recht laufen. Es wurde wieder gut, aber dann, dann kam der Stein
überhaupt nicht mehr ins Rollen. Es kam zwar die langersehnte
Nachwuchsgeneration, diese entwickelte sich jedoch zur totalen
Konsumgesellschaft, was sich momentan voll bemerkbar macht. Die Chemo-Keule muß her, um aktive von abhängenden Wesen zu unterscheiden.
Oexi
15 Jahre Jugendzentrum
Oerlinghausen e.V. durch die grüne Brille
Es trifft sich: 15 Jahre gibt
es dies Jahr das Jugendzentrum, 10 Jahre die Oerlinghauser Grünen. Wir Grünen
haben damit das JZ ein langes Stück des Weges begleitet. Für manch einen von
uns war das JZ sogar auslösender Faktor, in die Politik zu gehen. Im Jahre 1982
waren Förderer und Besucher des JZ und “grüne” Gründer und Sympathisanten
häufig noch identisch. Alter und Einstellung stimmten in höherem Maße überein.
Noch 1984 bei unserem 1. Wahlauftritt und Einzug ins Kommunalparlament war in
unserer starken Arbeitsgruppe “Jugend und Soziales” das JZ eine der
auffälligsten Gemeinsamkeiten. Ich war damals schon eher ein Oldie bei den
Grünen, hatte aber Privat (Fla-Fla, AJZ) und beruflich
(Heimleitung in einem Düsseldorfer Jugendzentrum) intensiven Kontakt zur
Jugendzentrumsbewegung. Diese Bewegung bekam Anfang der 80er noch einmal eine
Auffrischung durch die Friedensbewegung, als sie ihren Zenit schon
überschritten hatte. Gerade deswegen, weil es auch ein Stück meiner Geschichte
war, ist mir das autonome Jugendzentrum in Oerlinghausen ans Herz gewachsen. Es
wurde zu einem Relikt der Jugendzentrumsbewegung und einem Oerlinghauser
Spezifikum. Man wehrte sich mit Wattebäuschchen und schaffte das Kunststück,
eigentlich gegen den Willen der politischen Mehrheitsfraktion, zu überleben.
Anfänglich allein durch die FDP gestützt gab es 1984 durch unseren Einzug ins
Rathaus weitere Unterstützung. Das Zaudern und Zögern der SPD (ein Oerlinghauser
Markenzeichen) gestattete es letztlich, die endgültige Schließung des JZ zu
verhindern, bis jetzt endlich ein fachlich und wirtschaftlich sinnvoller
Vorschlag auf den Tisch gebracht wurde und nach einigem HickHack
auch verabschiedet wurde. Bis es soweit war, gab es für mich zwei
schicksalsträchtige Daten: Da war zunächst der 10.10.1985. An diesem Tag ließ
Bauamtsleiter F. Potthast, unterstützt durch SPD und Sozialamt, das JZ wegen
baulicher Mängel und dem sicherheitstechnischen Zustand schließen. Das war ein
ganz schlechter Witz, denn die sicherheitstechnischen Mängel hatten Sozialamt
und städtischer Bauhof z.T. selbst verursacht, und in den baulichen Mängeln
wurde (bei weiterem Verfall) noch 7 Jahre lang öffentliche Jugendarbeit
gefördert. Damals hielt auch das KJA-Lippe die Räumlichkeiten für ungeeignet
und den Verein als Träger überfordert. Es wurde verdammt eng und wir Grünen
versuchten mit einem Jugendforum im Jahr der Jugend die Stimmung für die offene
Jugendarbeit zu fördern. Der DPWV engagierte sich und irgendwie konnte das
Schlimmste abgewendet werden. Im Jahr 1986 ging es “provisorisch" weiter.
Nach der Wahl 1986 schien der Erhalt des JZ gesichert. Bis zum 19.12.1991: Mit
21:18 Stimmen wurde das Ende des JZ in Form eines “Kuhhandels" zwischen
SPD und CDU geschlossen. Diese völlig unfachliche und
letztendlich auch unwirtschaftliche Entscheidung entzürnte
nicht nur mich. Wir Grünen hatten inzwischen hinzugelernt, und nach
langwierigen und intensiven Verhandlungen scheint es nun endgültig gelaufen zu
sein. Nicht wegen der Grünen, aber doch mit ihnen. Das Verhältnis
“Grüne"-"JZ“ hat sich in den letzten Jahren verändert. Es fehlt die
selbstverständliche Übereinstimmung untereinander, bedingt durch einen weiteren
Generationswechsel beim JZ und der Etablierung der Grünen in der politischen
Landschaft. Im Gegensatz zum JZ altern unsere Mitglieder zusammen mit ihrem
Verein. Deshalb war für mich der gute Kontakt zu Herbert Sternitzke
wichtig. Die Zustimmung der Grünen in Oerlinghausen zum JZ beruht heute weniger
auf der persönlichen Betroffenheit sondern vielmehr
auf fachlichen/sozialpolitischen Überlegungen. Ich persönlich schätze den
Selbstverwaltungsansatz in der offenen Jugendarbeit. Er bietet Jugendlichen die
erste Gelegenheit, sich politisch zu betätigen, eigene Interessen zu vertreten,
Verantwortung zu übernehmen, sich an die komplizierten Regeln der Politik zu
gewöhnen und zu erfahren, daß man als politisch
aktiver Mensch auch etwas verändern kann. Die hauptamtlichen Mitarbeiter sind
in einem solchen JZ nicht in die behördlichen Hierarchien eingebunden, sie
müssen nicht aus Karrieregründen der vorherrschenden Meinung Rechnung tragen,
sondern sind den Benutzern {Jugendlichen) verpflichtet. Diesen Ansatz möchte
ich auch für die nächsten 15 Jahre unterstützen. Ich habe die Hoffnung, daß mit dem Erreichen eines wichtigen Zieles, nämlich der
Durchsanierung, der alte Elan nicht schwindet und einer
Konsumhaltung platz macht, wie man sie in vielen kommunalen und
Kommerziellen Freizeiteinrichtung rindet. Ich wünsche mir eine Öffnung des JZ,
hin zu einem Jugend- und Kulturzentrum für Jugendliche und jung Gebliebene.
Michael Walde
(Ortsverbandvorsitzender der Grünen Oerlinghausen)
Die wahre Geschichte oder
wieso Jugendzentrum Oerlinghausen e.V. ?
Es waren mehrere ältere
Jugendliche, die sich aus Mangel an Möglichkeiten mit dem Gedanken
beschäftigten, etwas anderes wie einen Schachclub oder einen Fußballverein
aufzuziehen. Sie trafen sich bei Gräber um neue Möglichkeiten der
Freizeitgestaltung zu entwickeln. Das ein oder andere Bier hat dabei natürlich
nicht gefehlt. Aus ihnen wurde die Initiative zur Gründung eines
selbstverwalteten Jugendzentrums. Zur selben Zeit (im Winter 1974/’75) drehte
der Abjahrgang des Oerlinghauser Gymnasiums einen
Film. In Anlehnung an das medienpädagogische Forum wurde im Rahmen des
Kunstunterrichtes ein Film über Oerlinghauser Jugendliche, deren Möglichkeiten
und Interessen gemacht. Im Mai 1975 wurde der Film ausgestrahlt und gab Anlaß zu einer Podiumsdiskussion. Politiker,
Kirchenvertreter und Jugendliche sprachen hier über Möglichkeiten der offenen
Jugendarbeit. Offene Jugendarbeit schien jedoch für Politiker und Kirchler ein Fremdwort zu sein. Aufgrund der Diskussion
bildete sich der Aktionskreis Jugendzentrum, indem sich auch viele Gräber-Leute
wiederfanden Sie trafen sich regelmäßig am Donnerstag mit der Zielsetzung ein
Jugendzentrum in Oerlinghausen durchzusetzen. Bevor sie konkret in die Arbeit
einstiegen, machten die eine Umfrage unter den Oerlinghauser Jugendlichen, um
zu erfahren, ob ein JZ in Oerlinghausen ankommen würde. Das fast
hundertprozentige Ergebnis sprach für sich. Nun mußte ein Konzept entwickelt
werden, wie offene Jugendarbeit aussehen soll. Da man keine Räumlichkeiten zur
Verfügung hatte, war das Ergebnis ein sehr vielseitiges Angebot von
Arbeitsgruppen, Seminaren und einer selbstgemachten Kneipe bis hin zu Konzert-
und Filmveranstaltungen. Die Leute, die in ein solches JZ gehen, sollten eben
selbst und verantwortlich alles machen. Informationen wurden zusammengetragen
und ausgewertet. Jetzt war es an der Zeit, sich zu überlegen, wie man auftritt.
Nachdem sich mit vielen Modellen auseinandergesetzt wurde, entschied man sich
für einen selbstverwalteten Verein. Mit viel Mut und Ehrgeiz wurde der Verein “Jugendzentrum
Oerlinghausen" (JZO) am 3. Februar 1977 aus der Taufe gehoben. Nun hieß es
Räume klar machen. Am 28.Juni 1977 wurde der Jugendzentrumsverein anerkannt und
ins Vereinsregister in Detmold eingetragen. Nach langen Verhandlungen bekam der
Verein auch endlich einen Raum. Der Raum unter der Hauptschulturnhalle konnte
vom JZ mitgenutzt werden. Teetrinken, Unterhalten, Spielen, ein Angebot, daß die Möglichkeiten wohl deutlich zeigt. Dann und wann
lief mal ‘ne Party. Trotz des geringfügigen Angebotes wurde der Raum jedoch
voller und voller, so daß höchste Zeit war, sich um
etwas größeres zu bemühen. Ideal erschien das alte Loewe Druck Gebäude in der
Hermannstraße. Vor der Firma Loewe Druck war die Möbeltischlerei Heißenberg dort drin. Jetzt stand es leer. Erkundigungen
ergaben, daß der Besitzer ein Herr Wehmeier war, der
sich letztendlich bereit erklärte dem Verein das 1. Obergeschoß zu überlassen.
Zwei Büroräume wurden vom Verein nutzbar gemacht. Es wurde nur für das
Allernötigste Geld locker gemacht, da alles aus dem Geldbeutel der Jugendlichen
selbst finanziert wurde. Sitzgelegenheiten wurden vom Sperrmüll besorgt,
Geschirr und eine Teekasse gekauft. Die große
Maschinenhalle sollte ein Raum für Veranstaltungen werden. So begann vor
vierzehn Jahren die offene Jugendarbeit in der Hermannstraße. Am 1. August 1978
stellte die Stadt Oerlinghausen eine Sozialpädagogin auf ABM-Basis für die
Betreuung der Jugendlichen ein. Sie sollte 20 Stunden in der Woche im JZ sein,
was jedoch selten gelang, da sie von der Stadt ständig für die Betreuung der
Jugendräume in Lipperreihe und Helpup abgezogen wurde. Im Winter, wo im JZ doch
nur mit einem Kachelofen und mehren Gasöfen geheizt wurde, mochte sie sich
darüber wahrscheinlich persönlich nicht zu ärgern. Der Verein schloß sich dem “Kreisfilmring" an, da sich so relativ
günstige Filmvorführungen machen ließen, die im ersten Jahr die fast ganze
Kulturarbeit ausmachten. Um die Finanzen etwas aufzufrischen wurde schon mal
zur Party geladen. 150.- DM Zuschuß reichen halt
nicht unbedingt lange. Um eventuelle anderweitige Zuschüsse zu bekommen,
wendete man sich an den “Jugendwohlfahrtsauschuß",
der am 12.Juni 1979 die Förderungswürdigkeit des Jugendzentrums als freier
Träger der offenen Jugendarbeit beschloß. Filme,
Partys und Konzerte sowie Tage der offenen Tür und Podiumsdiskussionen boten im
Veranstaltungsraum genügend Abwechslung, um sich in der Woche mit ernsteren
Dingen beschäftigen zu können. Es wurde gekocht, abends Getränke angeboten,
sowie Musik gehört und Veranstaltungen wurden vorbereitet.
Die Politik, der
immerwährende Gegner
1980 bekam die JZ-Geschichte
einen entscheidenden Schlag: CDU und SPD wollten den Verein aus der
Hermannstraße raushaben. Sie meinten, ein Neubau sei für die Arbeit des Vereins
besser. Der öffentliche Druck und die Höhe der Kosten sorgten dafür, daß es nicht soweit kommen
konnte. Die CDU, ohne Zweifel schon immer gegen die Arbeit des Vereins, schlug
weiter vor, das JZ ins Club Cherie, den Puff an der Holterstraße
zu packen. Da dies, sowie der weitere Vorschlag uns ins Amtsgerichtsgebäude zu
stecken auch negiert wurde, blieb das Provisorium Hermannstraße weiter
erhalten. Da die bauliche Situation im Haus aber sehr marode war, mußte schon
wieder (1979 wurde bereits die Veranstaltungshalle, die Küche und die
Teestubentheke gemacht) renoviert werden. Jetzt entschloß
man sich in der Halle eine Bühne zu bauen, das Büro wurde verlegt, sodaß ein neuer Gruppenraum entstand und die Küche wurde
mit einem Herd, einer Spüle und einem Kühlschrank versehen. An das neue Büro
wurde eine Werkstatt mit Rigipswänden angebaut und
insgesamt wurde alles neu gestrichen. Der kleine Raum neben dem Eingang dient
seither als Getränkelager. Ende April 1981 entschloß
sich die Stadt Oerlinghausen 50% der anfallenden Energiekosten zu übernehmen,
nachdem zuvor eine Ölheizung installiert worden war. Die Aktivitäten nahmen
mehr und mehr zu, sodaß sich das Angebot in den
Arbeitsgemeinschaften nun von Theater, Puppenspiel, Malen, Werken bis zur
Zeitungsgruppe, einer Frauengruppe und der Band, die 1982 sogar eine Platte
veröffentlichte, erstreckte. Am 2.Juni 1981 besichtigte der Ausschuß
Jugend-Soziales und Sport, der Bau- und der Stadtkernsanierungsausschuß
das JZ. Sie wollten versuchen das JZ statt dem Neubau wieder fit zu machen.
Nach der Besichtigung ergab sich eine Kostenrechnung von 40.000.- DM, die die
Stadt Oerlinghausen nicht bereit war zu zahlen. Es fühlte sich niemand veranstwortlich, außer dem, der dann die Baupolizei
verständigt hat. Nachdem sich am 22. Juli 1981 alle Besucher eines Jugendforums
für die Erhaltung der Hermannstraße als JZ-Standort ausgesprochen hatten, wird
seitens der SPD und CDU die Verlegung des JZs in die Müllerburg besprochen. Sie
können’s halt nicht lassen. Im November macht der Besitzer jedoch deutlich: Kein
JZ in der Müllerburg! Die ganze Geschichte könnte man beliebig in der
bisherigen Form weiterführen, da dies jedoch zu einseitig wird, nun nur noch
wichtige bzw. die wichtigste Geschichte zum Werdegang:
Sanierung Hermannstraße 12
- Ja oder Nein?
1989 ist das Jahr, seitdem
wir auf die Sanierung des Gebäudes Hermannstraße 10-12 warten. Es wurde davon
geredet, alles schien letztendlich klar zu sein, als immer wieder aufgeschoben
wurde. Architekten wurden beauftragt, Schallschutzbeauftragte wurden angehört und
wir machten Pläne, wie das JZ nach der Sanierung aussehen sollte. Irgendwie
kamen Termine rüber, wann wir ausziehen sollten, sodaß
wir die Krabbelgruppe, die von einer Elterninitiative geführt wurde,
rausgeschmissen haben, Inventar wurde aussortiert, aber die ganze Sache lief
nicht an. Der Regierungspräsident in Detmold hatte offenbar noch keine
schriftliche Mitteilung über die 80%ige Bezuschussung seitens des Landes
gemacht. So kam es nicht zum Auszug. Als der RP seine schriftliche Zusage für
die Förderung von Landesseite schließlich gab, stellten SPD und CDU fest, daß es auch anders, kostengünstiger gehen muß, weil scheinbar plötzlich kein Geld mehr vorhanden sein
soll. Mittlerweile steht nun aber fest: das Jugendzentrum wird saniert ! Nachdem der öffentliche Druck und die
Verständnisbereitschaft immer größer wurde hat der Rat seinen Beschluß vom 19.12.1991 rückgängig gemacht. Und so wird’s
dann wohl aussehen: Oben soll die VHS einziehen, das JZ behält die bisherigen
Räume fast vollständig und dort, wo der Bauhof bisher seinen Kram lagerte,
zieht das DRK ein, um zusammen mit unserem lieben Oberstudiendirektor Herrn
Mahlmann (dem DRK-Vorsitzenden) die Post abgehen zu lassen. Es wird eine Be-
und Entlüftungsanlage in der Halle installiert und im Keller ein Blockheizkraftwerk
integriert. Eine Behindertentoilette und ein kleiner Aufzug, sowie die
Schallisolierung und Bausubstanz werden aufgebaut. Die ganze Aktion geht im
Juli los und wird voraussichtlich in 2 Jahren beendet sein. Bis dahin ist der
Verein in der Haupstraße 32 (dem alten Amtsgericht)
zu finden, wo die Stadt uns freundlicherweise zwei Kellerräume zur Verfügung
gestellt hat. Eine echte Herausforderung für Teja, den neuen Sozialarbeiter.
Herbert, der nun seit 6 Jahren den Laden mitgemacht hat, will nicht mehr -
okay.
Zur Arbeit selbst
Grundsätzlich kann man sagen,
daß sämtliche Tätigkeiten von den Jugendlichen selbst
gemacht werden. Schwierig ist dies nur bei den Arbeiten, die über einen langen
Zeitraum gemacht werden müssen, um den Erhalt des Vereins zu sichern. So werden
ständig anfallende Arbeiten, wie die Buchhaltung oder die Zusammenarbeit mit
dem Stellvertreter des Kreisjugendamtes Lippe, Herrn Huneke, von dem
hauptamtlichen Sozialarbeiter erledigt. Dies muß auch
so sein, da immer ein Überblick und eine kontinuierliche Arbeit laufen muß. Unter den Besuchern und Nutzern eines Jugendzentrums
ist immer eine hohe Fluktuation, sodaß es ständig zu
neuen Besuchern kommt und ehemalige aufgrund ihres Alters verschwinden. Dinge,
wie organisieren von Veranstaltungen, dem täglichen Ablauf in dem Cross-Over-Cafe und den Arbeitsgemeinschaften übernehmen die
Jugendlichen jedoch selbst. Die Selbstverwaltung bringt natürlich auch negative
Dinge, wie die demokratische Art mit sich. Zwar hat jeder das Recht und die Möglichkeit,
neues vorzuschlagen, hierüber wird dann jedoch auf der wöchentlichen
Hausversammlung abgestimmt. Hierbei wird natürlich auch beachtet, was überhaupt
zu realisieren ist und in welchem Rahmen dies geschieht. Ein wichtiger neuer
Teil der Arbeit entstand Mitte der 80er Jahre. Es wurde der sogenannte Beirat
gegründet, der auf der einen Seite das Jugendzentrum, auf der anderen die
Ratsfraktionen sowie die Verwaltung hat. Hier werden größere JZ-Belange, wie
der Haushalt, Personalfragen und ähnliches besprochen. Bis auf die CDU ist der
Beirat auch verständnisbereit und kompetent. (Diese Meinung herrscht bei mir
vor, da meiner Meinung nach seitens der CDU nur “Neins ” und einmal sogar ein
Satz kam: “Herr Sternitzke, dies ist keine Art zu
diskutieren. Frau blablabla, wir gehen!“ Oexi) Von der genauen Arbeit hier nur ein Bericht der ab
1986 gilt 1986 war das Renovierjahr schlechthin. Wir
versuchten mal wieder Grund ins JZ zu kriegen und nahmen uns alles auf einmal
vor. Damit es auch glatt geht hatten wir extra einen festen Termin gemacht,
wann wir fertig sein müssen. Es sollte dann Alex Oriental spielen. Daß das Konzert verschoben werden mußte ist wohl jedem
Leser klar. 1988 kam unsere schlechteste Veranstaltungszeit. Aber auch alles,
außer den Zwillingen, im ersten Halbjahr wollte nicht gelingen. Die Besucher
blieben aus und uns verließ fast der Mut. Nach dem guten Raggae
Konzert lief alles aber wieder bedeutend besser. 1989 war das Jahr des Mülls.
Wir wurden mit einer wilden Horde von sogenannten Skatern konfrontiert. Für uns
waren sie Frech, laut, ließen ihren Müll gerade dort liegen, wo sie Bock
hatten. Exzessive Konzerte mit Rocko Schamoni oder
richtige Reißer wie Fury zeichneten dieses Jahr besonders mit aus.1990 war das
Jahr der großen Liebe. Deutschland wird Weltmeister und Anna verliebt sich in
... (na lassen wir das ...) Gabi wird eingestellt. Zwar gut drauf, aber
eventuell noch zu unerfahren für ein solches JZ. Sie übernimmt die Betreuung
der Kinder- und Mädchenarbeit. Sie machte dies auch anfangs gut, (alles ein
Ergebnis eines Erfahrungsprozesses, der natürlich auch nur ein totales
subjektives Bild wiedergeben kann!) kam aber nachher immer mehr ins Schleudern.
Sie war es übrigens auch, die die erste JZ-Fahrt organisierte, eine Radtour zum
Doktorsee. Zu bedauern ist natürlich auch, daß mit
Gabi auch Ende 1991 die Kinder- und Mädchenarbeit verschwand.
Informationshalber muß ich hier erwähnen, daß die Stadt sich nicht erklärt hat den ABM- Vertrag zu
verlängern. 1991 war das Jahr des Harten. Hardcore-Hardcore über alles, über
alles im JZ. Danach laßt uns alle streben, Straight-Edgerlich mit Crossing arms und
Mütze... und so weiter.1992 ist das Jahr der Faulheit und des Kaputtgehens.
Irgendwie klappt alles nicht mehr so recht. Die Leute kacken sich heftig an und
finden irgendwie nicht mehr zusammen, was an dem fehlenden Bezug zum Haus und
damit dem Verein selbst zu tun haben könnte. Früher jedenfalls konnte man sich
zeitweise tierisch ankacken, fand aber schnell wieder zusammen. Bedingt durch
die anstehende Sanierung und den Sozialarbeiterwechsel ist die Stimmung nicht
so tolle gewesen. Hauptfaktoren der Arbeit waren also die vielen
Veranstaltungen, sowie der Erhalt des täglichen Allerleis. Soviel zur Arbeit.
Hier natürlich meinerseits noch ein Dank an die trotzdem vielen Helfer und
Helferinnen, die sich doch über Jahre oder zumindest eine längere Zeit mit dem
JZ beschäftigt haben und damit für den Erhalt gekämpft haben.
Ausblick ... mit Weitblick ?
Da der Verein in der jetzigen
Lage keine großartigen Veranstaltungen im Haus machen kann, muß
er nach draußen gehen und Möglichkeiten in der Umgebung suchen. Ein im Grunde
unfairer Zug den die Sanierung mitbringt, da ja die Veranstaltungen auch dazu
beigetragen haben, daß neue Leute sich für den Verein
interessieren. Wichtig ist meiner Meinung nach, daß
der tägliche Ablauf stimmt. Dies könnte durch die Ausweitung der täglichen
Öffnungszeiten verbunden mit einem attraktiven Thekenprogramm geschehen. Zwar
stünden dann Dinge, wie Arbeitsgemeinschaften schlechter da, diese kann man
jedoch auf andere Räume verlegen. Bürgerhaus, Schule und OpenAir-mäßige
Aktionen wären etwas neues und könnten wiederum neue Leute anziehen. Wichtig
ist jedoch, daß nicht nach wie vor so eine
BLUBBERLUTSCHTHEKE abgezogen wird. Es könnte sogar überlegt werden, ob man
nicht drei/vier feste Leute engagiert, die dann die Sache in die Hand nehmen.
Damit die Leute, die jetzt da sind nicht den Mut verlieren (zwei Jahre sind
eine lange Zeit) sollte endlich mal was in puncto Mitgliedschaft getan werden. Mitgliedschaften
müssen interessant werden, sich irgendwie lohnen. Es kann nicht in den zwei
Jahren der einzige Vorteil von Mitgliedern sein, daß
sie auf Veranstaltungen einen Preisnachlaß bekommen,
da ohnehin weniger Veranstaltungen laufen werden.
Die Generationen - kleine
interne Geschichten für Herbert und seine Freunde !
Die erste und damit
Gründergeneration ist wohl ohne Zweifel die, die sich die Lorbeeren aufsetzen
kann. Sie haben vorbereitet und letztendlich auch das ganze durchgezogen.
Irgendwann jedoch wird jeder mal zu alt für einen solchen Laden. Die nächste
Generation, anfangs viel geleistet, entpuppte sich jedoch als eine Gruppe von
gelangweilten Abhängern, selten ohne Pilsbier in der Hand zu sehen. Diese Leute wurden dann von
unserem ach so liebenswerten Hörby rausgeschmiessen, sodaß neues
Blut und neuer Mut ins JZ kommen konnten. Wesentlich jüngere Leute, die sich
mit viel Freude an dem Laden beteiligten und sehr sehr
konstruktiv waren, was aber auch daran liegen könnte, daß
diese Generation die Sache verstanden hatte. Sie brauchten ein JZ und so taten
sie auch was dafür. Die Veranstaltungen waren anfangs gut besucht und auch
Dinge wie Putzen, allgemeines Saubermachen und so, liefen. Doch dann kamen die
Skater, furchtbar laute Leute die tierisch rumsifften.
Als nun aber die älteren sich aus dem Staub machten, waren sie es schließlich,
die den Laden aufrecht erhalten mußten. Ihnen wurde
erst natürlich nichts zugetraut, was sich als Trugschluß
erwies. Heute sind es die blöden widerlichen Skater, die zusammen mit anderen
das JZ inne haben und auch die Sanierung, die ja auf
der Kippe stand, durchgesetzt haben.
Nachwort
Ich habe das Buch textlichen
gesehen komplett übernommen, auch wenn die beiden letzten Abschnitte sowas von
subjektiv und veraltet sind, daß sie eigentlich
verdienen in der Versenkung zu verschwinden. Da ja nun schon das Jahr 2000 ist,
muß hier noch was zu der Zeit von 1992 bis jetzt
gesagt werden: Das JZO ist nicht wieder in die Hermannstaße
eingezogen. Dennoch existiert der Verein, und der Verein hat auch Räume, in
denen Veranstaltungen gemacht werden. Nun komplett selbstverwaltet, keine Zuschüße mehr, keine Sozialarbeiter mehr, scheint diese
alte Struktur des selbstverwalteten Jugendzentrums weiterhin zu funktionieren.
In einer Gesellschaft, in der die Konsumhaltung der Jugendlichen enorm hoch
geworden ist, finden sich immer noch genug Jugendliche einen solchen Laden
aufrechtzuerhalten. Es müßte eigentlich ein ganzes
Buch geschrieben werden für die Zeit von 1992 bis jetzt, vielleicht ist das
25-jährige Bestehen des Vereins im Jahre 2001 ja eine gute Gelegenheit
!
Arne Scheffler