Der „Stranghöners Hof“ in Oerlinghausen
Ortsteil Oetenhausen
Von Wilhelm-Friedrich Nedderhof
Das 1973 teilrestaurierte Gebäude ist seit über 50 Jahren als „Stranghöners Hof“ bekannt. Die Familie Wilhelm Stranghöner kaufte den Hof 1914 und bewirtschaftete ihn fast drei Jahrzehnte bis zum Jahre 1931 und verkaufte ihn an das Nachbargut Wistinghausen, um eine größere Staatsdomäne in Holstein zu übernehmen. Ich befragte den bekannten Altbauern Wilhelm Hanke, (73), Oetenhausen, mir doch aus seiner Erinnerung etwas über die Vorbesitzer des „Stranghöners Hof“ zu berichten. Wilhelm Hanke ist Nachbar, er berichtete:
„Der Stranghöners Hof“, mein rechter, tieferliegender Nachbar, gehörte vor 1914 der Familie Lehbrecht Nieder, meines Wissens und der Überlieferung nach damals ältester Mitbürger und Hofleuten, seit vielen Generationen der Familie Nieder. Dieser Hof hatte auch zu dieser Zeit den Namen „Niedernhof“ im Gegensatz zum nahegelegenen „Obernhof“, meinem linken, etwas höher liegenden Nachbarn, der seit dem 15. Jahrhundert nachweisbar (Ahnentafel) im Besitz der Familie Ober war. Mir ist z. B. aus der mündlichen Überlieferung bekannt, daß die Familie Ober vom „Obernhof“ vor Jahrhunderten ihren Besitz in eine Größe von ca. 136 ha. auf drei Kinder aufgeteilt hat und daß durch diese Maßnahme der „Obernhof“ in einer Größe von 52 ha, der „mittlere Hof“ (jetzt Hof Wilhelm Hanke) mit 46 ha und der „Niedernhof“ mit einer Größe von 38 ha gebildet wurden“.
Diese nachrichtliche Überlieferung bestätigt, daß die Hauptgebäude der Höfe nach den Erfordernissen baulich ergänzt wurden. Diese baulichen Ergänzungen sind deutlich an den Fachwerk-Haupthäusern durch Bruchstein-Anbauten zu erkennen und voll erhalten geblieben.
Altbauer Wilhelm Hanke berichtet weiter:
„Ich habe die Familie Nieder, damals mit fünf Kindern, noch gut in Erinnerung. Lehbrecht Nieder war ein tüchtiger Bauer, der es mit der Landwirtschaft nicht leicht hatte, da zum Hof auch „steinreiche“ Nordhangflächen gehörten, auf der zum Teil in den Jahren 1960 - 1970 die Wohnsiedlung „Querriegel“ entstand. Ich habe noch gut die Söhne vom Niedernhof in Erinnerung, die, nach beruflicher Ausbildung auf dem väterlichen Niedernhof als Verwalter auf größeren Höfen tätig, stolz mit weißen Stehkragen und „Krausen“ (weiße Stulpen) an den Händen im Winter zu Besuch kamen. Der väterliche Hof war ihnen wohl zu eng geworden, woraus zu erklären ist, daß der Hof verkauft und 1914 zum „Stranghöners Hof“ wurde.“
Die Oerlinghauser Familie Wiedemeier erwarb im Jahre 1972 einen kleinen Hofteil mit dem Haupthaus. Dieser Familie verdienet Anerkennung für ihren Mut, aus einem seit Jahren ungenutzten Gebäude, zum Teil verfallen, wieder das zu machen, was es war, ein erhaltenswertes schönes Fachwerkgebäude mit bestem Wohnwert. Dieses Gebäude liegt im landschaftlich schönsten Teil der Stadt Oerlinghausen, im Ortsteil Oetenhausen. Die Restaurierungsarbeiten waren ein berufliches Erlebnis. Vorgefunden wurde ein Fachwerkgebäude, baulich so fest und baulich so „gesund“, daß es z. B. größte Mühe machte, einen mindestens 200 bis 250 Jahre alten Eichenbalken zu begradigen oder höhenmäßig auszuwechseln. Selbst Motorsägen versagten . . .
Dank gebührt an dieser Stelle der Familie Wiedemeier und dem Kreisbauamt des damaligen Kreises Lemgo, die es ermöglichten und förderten, dieses Schmuckstück in der schönsten Landschaft der Stadt Oerlinghausen für weitere Generationen zu erhalten.
Der im harten Eichenholz eingeschnitzte Spruch ist ein Lebensspiegel der früheren Besitzer und möge nicht nur ein Wunsch für die jetzige und kommende Generation bleiben;
„WO LIEBE IST DA IST FRIEDE — WO FRIEDE IST DA IST FREUDE — WO FREUDE IST DA IST GOTT — WO GOTT IST DA IST KEINE NOT.“