Gut Menkhausen
Nordwestlich unserer Bergstadt liegt an den Schopkequellen das ansehnliche Gut Menkhausen. Auch seine Geschichte ist mit der Oerlinghausens eng verbunden. Schon um 4000 Jahre vor Christi Geburt wohnten an den Quellen, auf dem fruchtbaren Lößlehmboden, die ersten Ackerbauer unserer Gegend. Die ganze Gegend auf „dem Rott“ ist in einer Ausdehnung von 150 Meter besiedelt gewesen (Menkhausen I). Weitere Spuren jenes Menschen finden wird nördlich vom heutigen Gutshofe (Menkhausen II). Das 1036 erwähnte Menkhausen muß nach den von mir aufgelesenen Topfscherben aus jener Zeit dort gelegen haben, wo der Weg nach der Hannegge abzweigt. Der ganze heutige Ackerboden zeigt an dieser Stelle im zeitigen Frühjahr von dem von den Häusern abgefallenen lehmigen Bewurf eine rötliche Färbung. Ob Menkhausen eine Anlage oder Gründung Karls des Franken ist, kann durchaus möglich sein. Nicht anders hat Karl die Sachsen, trotz verzweifelter Gegenwehr, gebändigt. An den Fuß der alten Volksburgen (Oerlingsburg; der Verfasser) hat er seine curtes oder Burgen gesetzt; unter die Sigiburg den Reichshof Westhofen, unter die Eresburg Herohusen, unter die Brunsburg Höxter, unter die Skidroburg Schieder, unter den Tönsberg bei Oerlinghausen Mönkhausen (Meginchuson) und Oettinghausen (vielleicht oder sicher auch Barkhausen; der Verfasser). (Mitteilungen der Altertumskommission für Westfalen nach Professor Dr. Rübel, Dortmund.) Meine persönliche Auffassung neigt allerdings dahin, Haß Karl die beiden oben genannten Gutshöfe Barkhausen und Menkhausen schon antraf, die Besitzer, das heißt die Führer unserer Bauern, gefangennahm und sie in dem schrecklichen Blutbad zu Verden enthaupten ließ. Ich habe ja oben bereits schon nachgewiesen, daß schon am Ende der mittleren Steinzeit und zur Bronzezeit die heutigen Siedlungsstellen besiedelt waren. Aus jenen steinzeitlichen Siedlungen haben sich die späteren entwickelt.
1596. In einer alten Urkunde von jenem Jahre lesen wir: Der alte Meier zu Menkhausen will seinem Sohn den Hof übertragen, aber das Leibzuchthaus soll vorher „reparirt“ werden. Die Eltern erhalten an Leibzuchtländerei das Rott, 3 Stücke von den 8 Stücken, das Korte Feld (wohl kurze Feld), ferner 6 Kühe, 6 Rinder, 12 Schweine, 40 Schafe und einen Teich. Der Anerbe soll seinen Stiefbruder mit 500 Talern aussteuern.
Vorstehendes Leibzuchthaus diente vor etwa 40 Jahren als Schafstall; an seiner Ostseite war unter der Einfahrt ein eichener Balken eingelassen, dessen Inschrift noch sehr gut erhalten war. Als das gänzlich baufällige Haus abgerissen wurde, bewahrte man den Balken auf, um ihn später wieder beim Eingang eines Neubaues einzumauern. Die Inschrift dieses Balkens lalltet: „Hinrich Nigbuer (Neubauer; der Verfasser) Meiier to Meinckhuse heft mi gebouwet Anno D. 1596 D 30. Julii J D.“ Ein anderer wertvoller Balken vom Türsturz befindet sich im Heimatmuseum am Kamin. Der jetzige Besitzer hat ihn mir freundlich überlassen.
Interessant ist es, zu erfahren, daß auch der heute zu Asemissen gehörende Brunsberg damals noch zu Menkhausen gehörte. „Der Meigger to Asemissen“ hatte die Berechtigung, in den „Menkerberge“ Vieh zu treiben. Es entstanden hierdurch fortlaufend Streitigkeiten, die schließlich dadurch geschlichtet wurden, daß unter Vorsitz von „mynen Christoffe von Donope, drosten to Dethmolde“ am 12. Juli 1544 die Menkerberge geteilt wurden. Der Brunsberg fiel an Asemissen, das Hüterecht in den übrigen Menkerbergen fiel aber fort. Bis dahin gehörte also zu Menkhausen an der Bergkette alles Gelände bis an die Westgrenze des Brunsberges. — Auch der gesamte Gehrenkamp gehörte damals zu Menkhausen (siehe unter: „Schlagbäume“). Nur vorübergehend war er verkauft worden. Heute ist er wieder Eigentum von Menkhausen. Ähnlich wie das Barkhauser, so weist auch das Menkhauser Gebiet eine Fülle von vorgeschichtlichen und geschichtlichen Denkmälern auf. Ich erinnere nur an die oben erwähnten Steinzeitsiedlungen, an die bronzezeitlichen Gräber (in den Asemisser Tannen), an die Landwehren am Wartebrink, im Schopketal und in der Nähe des Schützenplatzes. Die Schafherden Menkhausens gaben unserm Schopketal (Schop = Schaf; ke ist entstanden aus „beke“ = Bach) den Namen, und in den Fluten des Baches baute einstmals der Biber seine Burgen. Der oberhalb des Mühlenteiches in den neunziger Jahren gefundene Biberschädel wurde über 40 Jahre von dem jetzigen Besitzer, Herrn Steinmeister, behutsam aufgehoben. Aus Liebe zur Bergstadt Oerlinghausen überreichte er diesen wertvollen Fund dem hiesigen Heimatmuseum. — Möge das gute Verhältnis, ähnlich wie es zwischen Barkhausen und Oerlinghausen besteht, auch zwischen der Bergstadt und dem Gutshofe Menkhausen und seinen Bewohnern auch für die Zukunft ungetrübt bleiben! Das sei mein Wunsch zur 900-Iahr-Feier beider!