Auszug aus dem Kataster der Gemeinde Oerlinghausen

 

Das Landerhaus liegt an der Wegabzweigung Steinbült - Landerweg, Und trägt die Straßenbezeichnung Landerweg 2 ( +Landerweg 4). Es hatte früher die Colonatsbezeichnung 121. Diese hohe Colonatsnummer gibt keinerlei Aufschluß über das Alter des Gebäudes, da dieses Gebäude ursprünglich "Landerkotten" genannt, zu den Brachtschen Gütern gehörte, und so ursprünglich Vogteibesitz war. Bei der Versteigerung des Brachtschen Besitzes im Jahre 1752 ging der "Landerkotten" mit der Langengrund in den Besitz von Jakob Grote, alias Berkemeier über.

Der Landerkotten bestand zu der Zeit aus einen kleinen Winkel-bau, dessen Größe heute noch an der südwestlichen Ecke erkennbar ist. Die Berkemeiers wohnten hier in mehreren Generationen über 150 Jahre, In dieser Zeit wurde das Gartenland hinter den jetzigen Häusern, Landerweg 2 - 4 - 6 zu einen parkähnlichen Garten angelegt. Da zu dem Besitz die gesamte Lander zählte, baute ein Karl Berkemeier etwa um das Bahr 1820 den Landerkotten in der Größe auf wie wir ihn heute als Landerhaus kennen. Der Bau des Landerhauses wurde ermöglicht durch den Abbruch des alten Pfarrhauses, welches man 1688 dort gebaut hatte wo heute die Weerthlinde steht. Dieses Gebäude war nie als Pfarrhaus benutzt worden und mußte abgebrochen werden als man 1823 das heutige Pfarrhaus baute. Die uralten Eichenständer beim Landerhaus zeugen noch heute davon das sie ehemals zu einen anderen Bau gehört haben. Der Unterbau des Landerhauses einschließlich der Keller sind aus Kalkstein gefertigt, der zu damaliger Zeit wahrscheinlich in der Dorfsgerechtsamen oberhalb des Schützenplatzes gebrochen wurde. Zwischen 1820 und 1840 liegt auch der Bau der Brauerei, bestehend aus Wohnhaus und Felsenkeller in der Lander. Bevor diese zwischen 1955 und 1965 mit Müll angefüllt wurde, waren die Hausfundamente noch zu sehen. Der Felsenkeller wurde mit Müll zugekippt, und wird heute noch unter diesen vorhanden sein. Um 1880 wurde der Stallanbau vom Landerhaus abgetrennt und zu einen Wohnhaus umgebaut - heute Landerweg 4.

Als die Berkemeier-Linie nach 1900 ausstarb ging der gesamte Besitz in die Hände von Frau Limberg - einer Nichte - in Detmold über und von dieser erwarb die Gemeinde Oerlinghausen am 1.7.1921 die gesamte Lander, Tönsbergteile und Senneteile zum Preise von 50 000 Mark!

[Stimmt nicht – es stand oberhalb des jetzigen Pfarrhauses hart an der Mauer – d. Verf.]

Quellen: Reuter - Geschichte Oerlinghausen - Urschrift. Reuter - Das Landerhaus 1931.

Julie Weerth: Oerlinghausen in der Mitte des vorigen Jahrhunderts . Lipp.Landeszeitung 1926.

Januar 1984 Fritz Soll

 

Nachtrag zur Beschreibung LANDERHAUS

Das Haus war zur Süd - Ost - Seite (Eingangsfront) ganz mit Efeu bezogen.

An der Giebelseite zur Kirche hin, hing ein großer 8-teiliger Nistkasten. Weitere offene Nistkästen (Fliegenschnäpper usw.) hingen weiter unten.

Das gesamte Landergelände, soweit es beackert wurde, war mit einer hohen Hecke umgeben, wo nur das Haupthaus und die Nebengebäude ausgespart waren. Der weitere Teil des Besitzes nach Nordwesten war eine Schlucht mit mehreren Quellen. (Siehe beiliegende Katasterkarte). Im Sprachgebrauch nannte man dieses Gebiet "Landerbusch". Nach dem ersten Weltkrieg wurde dieser sog. Landerbusch zum Vogelschutzgebiet erklärt und später unter Naturschutz gestellt.

Etwa 3000 m2 waren etwa in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in einen Parkähnlichen Zustand versetzt worden. Die Wege waren geebnet und mit einer dicken Schicht Mergel abgedeckt. Das gesamte Gelände einschließlich der Böschung in der Hauptsache mit Bäumen bepflanzt.

Ich will versuchen aus eigener Erinnerung und aus Überlieferung - Großeltern - eine Aufstellung der Bepflanzung zu geben.

Auf dem Grundstück Landerweg 6 - welches 1939 von meinen Vater erworben wurde, befand sich eine hölzerne Wagenremise welche damals abgebrochen wurde. Diese Remise hatte Platz für 2 Kutschen und Stallung für 2 Pferde.

Als nach dem ersten Weltkrieg die Gemeinde Oerlinghausen die ersten Grundstücke auf Rentenpacht abgab (ab Landerweg 8) verblieben beim alten Landerhaus 5 Ackerstücke wovon meine Eltern 2 Stücke beackerten, meine Großmutter 1 Stück, Schneider Moritz 1 Stück und Wilhelm Hofbüker 1 Stück. Die Obstpacht auf dem um das Haus gelegenen Gelände hatte mein Vater bis 1939.

 

Aufstellung der ursprünglich beim Landerhaus vorhandenen Bäume.

Apfelbäume                            10        1 noch vorhanden

Birnenbäume                          8

Kirschenbäume                       3

Pflaumenbäume                     ca. 20

Wallnußbäume                       4          wurden im 1.Weltkrieg gefällt 1916

Haselnüsse                              2          Büsche

Flieder                                     2          Büsche Persischer Flieder - kl. Teil noch vorh.

Fichten                                    8-10

Linden                                     7          3 noch vorhanden

Kastanie                                  1

Eiche                                       1

Jasmin                                     1          Heckenbusch, kleiner Rest noch vorhanden

Rotbuche                                1

Ilex                                          1          heute noch vorhanden

Hainbuchen                            14        bildeten einen geschlossenen Hain

Rotdorn                                   2

Goldregen                               2

Die Obstsorten waren alle verschieden, es war nicht eine Sorte 2x vorhanden.