Brief an das Amt für Denkmalpflege - Vorschlag zur Unterschutzstellung
Oerlinghausen den 18.2.1987.
An Westfälisches Amt für Denkmalspflege
z.H. Herrn Hauptkonservator Dr. Korn.
4400 Münster Salzstraße 38. Postfach 6125
Betrifft: Denkmalsliste der Stadt Oerlinghausen.
Sehr geehrter Herr Dr. Korn.
Mit großen Interesse habe ich bis jetzt die Bemühungen der Stadt Oerlinghausen und Ihrerseits verfolgt, um wirklich erhaltenswertes unter Schutz zu stellen.
Als interessierter Bürger bemühe ich mich seit Jahren ein weiteres Gebäude in die Denkmalsliste zu bekommen. Da meine Anregungen aber bis jetzt immer ohne Erfolg geblieben sind, wende ich mich hiermit an das Amt für Denkmalspflege.
Objekt und Begründung:
Es handelt sich um das s.g. "Landerhaus" südlich der Ev. Kirche im Tal gelegen, am Landerweg 2-4. (Eines der alten Siedlungsgebiete der "Dorfschaft Oerlinghausen")
Bei dem Landerhaus handelt es sich um ein Fachwerkhaus, weIches im Jahre 1827 an den heutigen Standort versetzt wurde. Bis dahin war es ein Pfarrhaus und stand unweit des jetzigen Pfarrhauses an der Kirche (früher Wehmhof). Ein Colon Berkemeier kaufte am 13.3.1827 das alte Pfarrhaus für 325 Rtl. und baute es in der Lander wieder auf - dort wo der s.g. Landerkotten gestanden hat. Diesen hatte Berkemeier im Jahre 1752 aus der Konkursmasse des ehemaligen Vogtes Bracht herausgekauft. (Wahrscheinlich wurde dieser Kotten in das Fachwerkhaus mit eingezogen.) Da der Vater des letzten Vogtes Bracht im Jahre 1657 vom alten Vogt Tofal den Besitz kaufte, ist anzunehmen das der s.g. Kotten uralt war. Das umgesetzte Pfarrhaus muß -so läßt sich vermuten- etwa um 1688 gebaut worden sein.
Die Familie Berkemeier bzw. Erben verkauften den Besitz in der Lander im Jahre 1921 an die damalige Dorfschaft Oerlinghausen, in dessen Besitz es noch heute ist.
Eine Kopie des Bauantrages von 1827 lege ich bei. (Diese, sowie andere Daten aus St. A. Detmold L108 Oerlinghausen) Es würde mich freuen wenn Sie diese Anregung aufgreifen würden. Für weitere Auskünfte die das Haus und seine Geschichte betreffen stehe ich gern zur Verfügung.
Fritz Soll - 4811 Oerlinghausen -
Landerweg 6. Tel 05202/1790
Vorschlag zur Unterschutzstellung des Hauses Landerweg 2.
Da meine Bemühungen das Haus Landerweg 2 unter Denkmalsschutz zu stellen bislang kein Gehör gefunden haben, möchte ich auf diesen öffentlichen Wege versuchen, das Augenmerk der hierfür zuständigen im Rat und der Verwaltung auf dieses Haus zu richten. Viele Oerlinghauser Bürger werden mir sicherlich beistehen.
Das Haus Landerweg 2 - genannt das Landerhaus stammt ursprünglich aus dem Nachlaß des früheren Vogtes Bracht. Es war damals ein kleiner Kotten. Da uns bis heute keinerlei Kaufunterlagen aus der "Brachtschen Regierungszeit vorliegen“ kann man annehmen das dieser Kotten schon in der Zeit von Vogt Tofall zur Vogtei gehörte. Er lag damals mit der dazugehörenden Länderei zwischen Menkhauser Besitz (Menkhauser Kötter Friedhof) und Kirchenland (Pfarrland eingebettet). Im Bahre 1752 wurde der gesamte Besitz des in Konkurs gegangenen Brachtschen Erben öffentlich versteigert. Für die 7 Käufer war der Besitz in sieben fast gleiche Teile zerlegt worden. Einer der Käufer in der Verkaufsurkunde unter Nr.5 war Jacob Grote - genannt Berkemeier. Zu dem Besitz den Berkemeier gekauft hatte gehörte außer dem Landerkotten, der Landerbusch - Teile der Langengrund (heute Gundlach) - Teile am Tönsberg und am Obernberge - insgesamt etwa 7 ha.
Nun hören wir 70 Jahre nichts mehr von dem Kotten, bis am 28.5. 1825 das alte Pfarrhaus verkauft wird und zwar an einen Berkemeier. Nach Einspruch des Consistoriums in Detmold erfolgt der entgültige Verkauf dann am 13.3.1827 - für 325 Thaler. Außerdem macht die Kirche zu Oerlinghausen beim Verkauf noch eine Auflage: Sämtliche Steine müssen beim Abbruch des alten Pfarrhauses Zurückbleiben und werden zur Reparatur der Mauern rund um die Kirche verwendet. (1) Dieses alte Pfarrhaus muß etwa um 1690 gebaut worden sein, denn ein neuer Pfarrer bekam eher einen Neubau, denn der Nachfolger vom Pastor Martheus welcher 1684 gestorben ist, war Pastor Plessmann. 1746 berichtet Kanzleirat Barkhausen von 2 Pfarrhäusern in Oerlinghausen. AIso hat man damals beim Neubau auch das alte nicht gleich abgerissen. (2)
Nachdem Berkemeier nun am 13.3.1827 das alte Pfarrhaus gekauft hat, läßt er es sofort abbrechen und zum Landerkotten transportieren. Zur selben Zeit hat er schon einen Bauantrag mit Zeichnung eingereicht, welcher am 8.6.1827 vom Fürstlich Lippischen Amt „hierselbst“ genehmigt wird. (3) Das neue Haus, in daß der alte Landerkotten mit eingezogen wird, bekommt eine Länge von 56 Fuß = 17,08 Meter und eine Breite von 36 Fuß = 10,98 Meter. Diese Maße sind etwas geringer als das alte Pfarrhaus - Länge = 68½ Fuß - Breite = 38½ Fuß. Denn man heute das alte Landerhaus umrundet sieht man das die Eichenbalken teilweise 2 mal bearbeitet werden sind, ebenso kann man an der Südwestseite noch die Größe des alten Landerkottens feststellen. Die nordöstliche Seite ist ganz unterkellert und die südöstliche Seite halb unterkellert. Ein kleiner Keller an der nordwestlichen Seite stammt sicherlich noch aus der Zeit des Landerkottens. Im Keller an der nordöstlichen Seite befand sich auch der Hausbrunnen, der aber schon seit 70 Jahren zugeschüttet ist. Die ganzen Grundmauern einschließlich der Keller bestehen aus Kalkstein, der zur damaligen Zeit wahrscheinlich in der Dorfsgerechtsame oberhalb des Schützenplatzes gebrochen worden ist. (4)