Das Landerhaus
Eines der ältesten Häuser in Oerlinghausen ist das Landerhaus.Es befindet sich fast noch im Originalzustand. (Landerweg 2+4 Ursprünglich als Pfarrhaus gebaut, stand es bis zu seiner Umsetzung im Bahre 1827, etwa 20 Meter oberhalb des jetzigen, im Jahre 1823, gebauten Pfarrhauses.
Als im Bahre 1752 die damaligen Güter des ehemaligen Vogtes Bracht wegen Konkurses versteigert wurden, teiIte man den gesamten Besitz in etwa 7 gleiche Teile und versteigerte ihn öffentlich. Einen Teil erwarb ein Jacop Grote alias Berkemeier. Zu diesen Teil gehörte der Landerkotten mit der gesamten Lander, welche bis zum Schopkebach reichte. Auch die Landergrund mit einen Kotten der lange Jahre "Der Lupinenkrug" genannt wurde gehörte dazu. Der ursprüngliche Landerkotten war also früher ein Teil der Vogtei Oerlinghausen.
Die Berkemeiers blieben aber in ihrem Haus an der Hauptstraße 47 (heute Kobusch) wohnen. Der Landerkotten wurde von Einliegern (Mietern) bewohnt. Als dann im Jahre 1823 das neue Pfarrhaus erbaut war, stand 1825 das alte Pfarrhaus zum Verkauf. Als einzigster Käufer trat Colon Berkemeier auf (ein Enkel des Erwerbers des Landerkottens von 1752. Der Verf.) und bot 255 Rtl. Dieses war dem Consistorium in Detmold aber zu wenig, sodaß am 13.3.1827 dann entgültig für 325 Rtl. der Kaufvertrag unterschrieben wurde Berkemeier durfte von dem alten Haus aber keine Steine mitnehmen. Diese hatte sich die Kirche zur Reparatur der Mauern rund um die Kirche vorbehalten. Alles andere wurde abgebaut und unten am Steinbült wiederaufgebaut zum heutigen Landerhaus. Der alte Landerkotten wurde in den Neubau mit einbezogen, so daß das Landerhaus nun eine Länge von 16,77 Meter hatte, gegenüber vorher von 20,88 Meter und eine Breite von 10,87 - vorher 11,87 Meter. Das halbe Haus war unterkellert mit einem Brunnen darin. Keller und Grundmauern sind aus Kalkstein. Der Bauherr Berkemeier ist bald darauf gestorben und sein Sohn Karl übernahm die Stätte (Kolonats Nr. 121). Am großen Haus war noch ein Anbau worin sich die Pferdeställe befanden (heute Landerweg 4). Im Anschluß daran war eine Wagenremise, denn Karl Berkemeier muß sich finanziell sehr gut gestanden haben. Er unterhielt 2 Kutschwagen und einen großen Pferdeschlitten. Um 1840 baute er sich im tiefen Teil der Lander dort wo die Quellen lagen eine Brauerei. (Das Haus der Brauerei wurde 1900 abgebrochen, der Bierkeller ist heute noch vorhanden, aber durch die Müllkippe der 60er Jahre zugeschüttet worden). Der Bruder von Karl Berkemeier - Fritz Berkemeier kehrte um 1860 aus Amerika zurück, gerade noch rechtszeitig um seine Bruder Karl vor dem Konkurs zu retten, welcher als "Leichtfuß" über seine Verhältnisse gelebt hatte. Fritz Berkemeier brachte viel Geld mit aus der neuen Welt und übernahm den ganzen Besitz. (Die Überlieferung berichtet das Fritz Berkemeier in Amerika sein Geld beim Sklavenhandel verdient hätte. Der Verf.) Er ließ sich nun einen großen Obstpark, sowie Nadel- und Laubbäume ums Haus, errichten. Die 3 Linden vor dem Landerhaus sind noch aus dieser Zeit. Als 1872 der Nachbar Christoph Seppe mit seiner Hausweberei (5 Handwebstühle) in Konkurs geriet und sein Haus räumen mußte erbot sich Fritz Berkemeier einen Teil seines Pferdestalles abzubrechen und dafür ein kleines Häuschen zu bauen, worin Seppe unterkam. Das Haus, heute Landerweg 4, diente der Familie Seppe 75 Jahre als Wohnung. 1881 zog Fritz und Karl Berkemeier zur Hauptstraße 34. Kurz danach erwarb Fritz Berkemeier das in Konkurs gegangene Anwesen des Tischlermeisters Kerkhoff Tönsbergstraße 10. Ins Landerhaus zogen zum erstenmal Mieter ein. Auch ein Kaufmann, WiIheIm Drexshage, der dort 18 Jahre lang einen kleinen Kolonialwarenladen betrieb. Als die Brüder Berkemeier gestorben waren, ging der Besitz welcher mit der Lander zusammenhing auf den Kaufmann Louis Limberg in Detmold über. Aber viele Ländereien waren schon vorher verkauft, u.a. auch der Kotten in der Langen Grund, weIcher 1893 abgebrannt war und 1896 an den Handelsmann Wilhelm Kopp verkauft wurde. Kopp der Erbauer des "Lupinenkruges" ist sicherlich als Altmaterialhändler noch vielen Oerlinghausern in Erinnerung. Um seine Person ranken sich viele Erlebnisse und Anektoden. Das Erbe dar Berkemeiers wurde von Frau Limberg 1921 an die Dorfsgemeinde Oerlinghausen verkauft. Das Landerhaus, ein Teil dieser Erwerbung ist noch heute im Besitz der Stadt Oerlinghausen.
4/89 Fritz Soll
[Bild: Grundriss des Landerhauses]
Quellen : Stadt Archiv Oerlinghausen
St. A. Detmold
Eigene Aufzeichnungen
Nachschrift : Trotz jahrelanger Bemühungen ist es mir bis heute nicht gelungen, die zuständigen Stellen für einen Denkmalsschutz für dieses Haus zu interessieren. Ich bitte deshalb alle Leser und Freunde mich hierbei zu unterstützen.
Bilder hierzu: Bild vom Landerhaus
evtl. Bild von Tönsbergstraße 10 (Kopie liegt bei), evtl. alte Postkarte vom Landerhaus (liegt bei)
evtl. Bauantrag von 1827. (Kopie mit Übersetzung liegt bei)