Meier zu Dahlhausen

 

Ich habe nicht besonders nach 'Geschichtsquellen' geforscht, aber bei dem, was mir zur Verfügung stand, fand ich den 'Meiger zu Dahlhausen' im Landschatzregister von 1590 - Der Landschatz ist ein Vorläufer unserer heutigen Grundsteuer.

Nachstehend folgt ein kleiner Auszug aus der Vogtei Oerlingh.: VII. Kerspell Örlinghausen

Meiger zu       Barckhausen               14        Florin

"          "          Menckhusen               11        "

"          "          Wistinghaußen           9          "

"          "          Dahlhusen                   6          "

Der Meiger zu Dahlhusen ist anscheinend deshalb mit dieser geringen Einschätzung davon gekommen, weil er sich (s. Seite 16 des Landschatzregisters) mit Johan von Struß von Hovedissen darauf beruft, daß er schatzfrei sei, weil er dem von Exterde zugehöre .

Zum Vergleich: Die höchste Einschätzung zum Landschatz im Dorf Orlinghusen selbst hatte

Herman. Radt mit       ½ Florin.

Der Florin entsprach dem Wert eines Gulden.

Im Landschatzregister von 1618 erscheint der Meiger zu Dahlhusen nicht mehr..

Vielleicht gibt dazu der ‚Anschlag vndt Verzeichnuß der adelichen Land saßen, item Sattelfreien Ambtmeieren vndt Höveners ca 1625' (Anhang III in den Lippischen Geschichtsquellen, Band 2) Aufklärung.

Dort erscheinen unter den Freien Ambtmeiers im Ambt 'Barckhausen' u.a. wieder die

zu Barckhausen

zu Mengkhausen

und zu Wistingkhausen.

Der zu Dahlhusen fehlt. Dagegen erscheint im gleichen Anhang als Rittergut unter 'Adeliche Landtsaßen' : 'Wittibe von Exter zue Herberhausen, item Dahlhausen’.

Wo wird der Meier geblieben sein?

Vielleicht findet man über den Grund Auskunft in dem Buch 'Geschichte des Landes Lippe' von Erich Kittel - Archiv für Deutsche Heimatpflege GmbH, Köln, 1957 –

Ein Auszug von Seite 80 soll hier folgen:

"Der ursprünglich auf und bei den landesherrlichen Burgen und in den Städten ansässige Adel ist im 16.Jahrhundert, nach dem Abklingen der mittelalterlichen Fehden auf das Land gezogen, wo es bis dahin nur die befestigten Adelssitze Iggenhausen und Braunenbruch gab. Es sind im Zusammenhang damit eine ganze Anzahl Meierhöfe 'gelegt' worden, d.h. der ritterbürtige Grundherr verdrängte mit mehr oder weniger Gewalt den Meier von seinem Bauernhöfe So verfuhren bereits vor 1544 die Torn zu Entrup, Offen zu Papenhausen, Pladiese zu Lappenhof (=Schackenburg), von der Lippe zu Wendlinghausen, Donop zu Maspe, Westphal zu Heidelbeck, Schwarz zu Fromhausen. Falkmann hat für das Ende des 16.Jahrh. neben 17 adligen Sitzen in den Städten bereits etwa 30 ländl. Adelssitze ermittelt, nämlich . . "

Jetzt erfolgt eine Aufzählung, darunter sind auch: Ahmsen (Exterde), Herberhausen (v. Exterde), Pottenhausen (v. Exter). Dahlhausen ist in dieser Aufstellung zwar nicht erwähnt, doch ist anzunehmen, daß kurze Zeit später auch dieses Gut von einer den? Familien von Exterde übernommen wurde.

Die Zehntpflicht der Bauern ging damit auch auf die von Exterde (Exter) zu Herberhausen ( item Dahlhusen) über.

Das Salbuch der Vogtei Oerlinghausen von 1616/1617 gibt Aufschluß über den ‚Zehenden‘, oft auch über den 'Fleischzehenden', der in der ZEHNTSCHEUNE zu Dahlhusen abzuliefern war.

Ein neues Zehnthaus wurde 1701 errichtet.

Beiliegende Fotokopie zeigt den Ziergiebel des Vierständer-Fachwerkhauses, das auch in der Liste der Lippischen Baudenkmale aufgeführt ist.

Der Landeskonservator von Westf.- von-Lippe bezeichnet die gesamte Hofgruppe als eine der schönsten hierzulande.

Die Inschrift über der großen Tür lautet:

"Herr Casimir Henrich von Exterde Fürstlige Hessischer wolbestalter Obristwachtmeister hot dieses Haus bauen lassen den 1. May 1701"

Obristwachtmeister entsprach dem Dienstrange eines Majors.

Eine Fotokopie des Ziergiebels füge ich zur Demonstration bei.

Die Antwort auf die Frage, was ein ‚Fürstliger Hessischer wolbestalter Obristwachtmeister' in Dahlhausen zu tun hat, ist nicht schwer.

Bei dem damaligen Landsknechtsleben kann gut ein lippischer Offizier im Dienst eines anderen Landesherrn gestanden haben. Zudem haben hessische Fürsten oft in Verbindung mit Lippe gestanden.

Die von Exterde (Exter) kommen ohnehin des öfteren in der Lippischen Geschichte vor, z.B. :

1. Konrad von Exter, Sohn des lippischen Drosten, kämpfte um 1504 bereits 12 Jahre in Livland gegen die 'Ungläubigen‘. Bei einer besonderen Gelegenheit hat er sich hervorgetan. ('Die Geschichte der Lipp. Landeskirche' von Butterweck, 1926, Seite 90).

2. Magister Johann, von Exter wurde 1566 zum Generalsuperintendenten für Lippe ernannt. Er war der erste Generalsuperindentend. Er starb 1599. Das Urteil über ihn lautet, daß er ein frommer, vielseitig gebildeter Mann gewesen ist (Butterweck, Seite 266).

Von der weiteren Geschichte Dahlhausens sollen nur einige markante Punkte aufgezählt werden:

Der letzte Besitzer aus der Familie von Exterde war ein Forstinspektor von Exterde. Das Gut mußte verkauft werden, da dieser' gestattet hatte, daß die Schulden seines Bruders auf dasselbe 'ingrossiert' wurden. Es ging in den Besitz der verwitweten Obersteuerrätin von Hoffmann für 56.000 Reichstaler in Gold über. Nach dem Tode der Frau von Hoffmann fiel das Gut Dahlhausen bei der Erbteilung an eine ihrer Töchter, die mit dem Fürstl.-Waldeckschen Forstmeister von Buttlar zu Arolsen verheiratet war. Die Eheleute von Buttlar verkauften das Gut im Laufe des Jahres 1845 an die Lipp. Fürstliche Kammer für 45.000 Taler in grobem Courant.

Die Übergabe des Gutes fand am 5. Januar 1841 statt.

(Der Verwalter Sepmeier verblieb in dem bestehenden Dienstverhältnis. Michaelis 1841 wurde mit ihm ein Pachtvertrag abgeschlossen, der später auch verlängert wurde.

Der Vertrag wurde von den Nachfahren, oftmals sicher auch unter veränderten Bedingungen, übernommen.

Am 1. Oktober 1958 ging die Pachtung von Herrn A. Sepmeier auf Herrn Erich Kerker, Leopoldshöhe, über.)

Ab 1919 war der Freistaat Lippe Besitzer des Gutes.

Nach dem 2. Weltkrieg übernahm es der Landesverband Lippe als Treuhänder des Vermögens des ehem. Freistaates Lippe. Am 5. Februar 1960 erwarben es meine Eltern.