Gut Niederbarkhausen Amtsmeierhof - Bauernburg - Rittergut
Herbert Winkler: Baudenkmäler in Lippe
Südlich der Kreuzung der Bundesstraße B 66 - Bielefeld/Lage mit der Landstraße L 751 Leopoldshöhe/Oerlinghausen liegt am Fuße des Tönsberges bei Oerlinghausen am Nordhang des Teutoburger Waldes das Gut Niederbarkhausen. Der stattliche Gutshof gehört mit seiner Bauernburg zu den ältesten Höfen in Lippe. Mit rd. 220 ha bewirtschafteten Ackerland und etwa 120 ha Wald ist er heute noch eines der größten Güter in Lippe. Der Ursprung des Gutes liegt wahrscheinlich bereits in karolingischer bzw. germanischer Zeit. Urkundlich wird der ehemalige Amtsmeierhof, der zu den Tafelgütern
des Bischofs von Paderborn gehörte, erstmals im Jahre 1036 erwähnt. Als Bischof Meinwerk das Kloster Busdorf in Paderborn stiftete, schenkte er diesem den Hof als Lehnsgut. Barkhausen war mit dem Vorwerk Oerlinghausen einer von 17 Haupthöfen, zu denen auch Menkhausen, Heepen und Eckendorf gehörten. Ältester Zeuge des Hofes ist die mächtige Bauernburg; ein steinerner Flucht- und Wehrturm, der vermutlich im 14. Jahrhundert erbaut wurde. Ab dem 15. Jahrhundert lassen sich auf dem Hof die Familie der Meier zu Barkhausen nachweisen. Das Gut war seit 1753 „kanzleisässig“, d. h. vom Amt Oerlinghausen und seiner Gerichtsbarkeit befreit. Relativ spät - die meisten Rittergüter in Lippe entstanden im 17. Jahrhundert, so z. B. Gut Eckendorf 1632 - wurde Niederbarkhausen 1840 Rittergut. Das Gut ging um 1811 in den Besitz der Familie Tenge über. Über die frühesten Bauten im Bereich der Hofanlage ist nichts bekannt. Es wird angenommen, daß es sich im frühen Mittel- alter vorwiegend um Fachwerkbauten gehandelt hat. Das Gut umfaßt heute neben dem Herrenhaus und den Wirtschaftsgebäuden eine kleine Parkanlage und mitten auf dem Gutshof die Bauernburg. Die Anlage wird größtenteils noch von einer Mauer umgeben. Von der großen wehrhaften Mauer, die im 17. Jahrhundert die gesamte Hofanlage umgeben hatte, sind nur noch Reste vorhanden. Im Osten flankieren zwei Torhäuser, ehemals wohl mit Mansarddächern gedeckt, das Haupttor, das den Zugang von dem mit Pappeln bestandenen Weg von Leopoldshöhe her bildet. Während die Wirtschaftsgebäude, Scheunen und Stallgebäude baulich außer durch ihre funktionsbedingte Größe nicht hervortreten, weist das zweigeschossige langgestreckte Herrenhaus architektonisch und bauhistorisch wertvolle Bestandselemente auf. Das Herrenhaus wurde 1608 von Baumeister Johann Bierbaum nach dem Brand von 1607 wieder aufgebaut und im 19. Jahrhundert mehrfach verändert. Obgleich das Gebäude einen einheitlichen Baukörper und eine einheitliche Fassadengestaltung aufweist, lassen sich deutlich nach Grund- und Aufriß noch verschiedene Bauperioden ablesen. Der Baukörper ist auf eine gewisse Symmetrie angelegt. Kennzeichen dafür sind die beiden Querhäuser als Endpunkte der langgestreckten Anlage sowie die durch die zentrale Anordnung der auf Pfeilern ruhenden Altane fast in Gebäudemitte. Leider sind, nicht zuletzt durch die Modernisierungsmaßnahmen in den letzten Jahrzehnten, auch negative Überformungen festzustellen. Jedoch ist die Schaufassade, nach Westen zum Park in schlichten barock-klassizistischen Formen gestaltet, noch relativ gut erhalten. Zwei Allianzwappen der Familien Barkhausen-Ortgiese und Barkhausen-Marquardt schmücken den Südteil der schlichten Fassade. Neben dem Haupteingang auf der Westseite des Herrenhauses weist die Inschrift „1607“ BUSE HUSER GEBRAN(T) - 1608 WEDER GEWT- auf den Brand und Wiederaufbau hin. Hinzuweisen ist noch auf das eingeschossige kleine Fachwerkhaus an der Ostseite des Herrenhauses. Es ist das ehemalige Waschhaus, das heute bewohnt wird. Während auf der Ostseite des Herrenhauses, von woaus früher der Wirtschaftsteil und die Küche erschlossen wurden, wohl ein Bauemgarten angelegt war, befindet sich auf der Ost-West-Seite - dem herrschaftlichen Zugang - ein kleiner Landschaftspark mit Ausstattungselementen, Brunnen und Grotte (nur noch Reste), der mit unterschiedlichen Bäumen und Buschgruppen bepflanzt und gestaltet wurde. In der Mitte des Gutshofes gelegen, befindet sich das wohl älteste und bauhistorisch bedeutendste Gebäude, die wuchtige Bauernburg. Der Flucht- und Wehrturm beherrscht die gesamte Anlage. Der Grundriß des Turmes ist nahezu quadratisch 8,0 x 6,5 m, die Natursteinmauern sind ca. 1 in dick. Mit seiner Höhe von rd. 14 m überragt er deutlich die anderen Gebäude des Rittergutes. Der Turm hat an seiner Nordseite im Erdgeschoß eine rundbogige Eingangstür. Die vier Stockwerke im Innern sind durch Leitern und Falltüren miteinander verbunden. Im ersten und dritten Obergeschoß befinden sich rundbogige Fensteröffnungen. Neben der Eingangstür sowie in den oberen drei Stockwerken sind schmale Schießscharten vorhanden. Ein umlaufender Fries mit Zahnschnitt zwischen dem dritten und vierten Stock gliedert und schmückt den Turm. Aus dem Vergleich mit Fluchtburgen anderer Hofanlagen ist zu schließen, daß das Rundportal und das darüberliegende Fenster erst viel später eingebaut wurden. In der Regel war der Zugang in den Turm im zweiten Stock über eine Leiter, die bei Gefahr hochgezogen werden konnte. Die nach allen vier Seiten hervorstehenden Kragsteine sind Relikte eines hölzernen Umbaus mit Schießscharten, der bis zur Erneuerung des Turmes Mitte des 19. Jahrhunderts bestand. Das mit Schiefer gedeckte Zeltdach wird durch ein Glockentürmchen mit einer Uhr aus der jüngsten Zeit abgeschlossen. Das Gut wird heute noch bewohnt und intensiv bewirtschaftet. Im Wesentlichen wird Getreide- und Hackfruchtanbau betrieben. Die Tierhaltung wurde, bis auf die Pensionstierhaltung von Reitpferden, eingestellt. Das große Scheunengebäude wird dazu als Reithalle und Pferdestall genutzt. Die große Zehntscheuer, die der Bauernburg gegenüber lag. ist leider vor einigen Jahren abgebrannt. Das Gut verdeutlicht heute in seiner Gesamtheit den Typ einer Adelsanlage; es ist ein Zeugnis der Bauweise des westfälisch-lippischen Adels und ein Dokument seiner Wohnkultur und Lebensweise. Als eines der ältesten Güter ist Niederbarkhausen ebenso ein wichtiges Zeugnis der Geschichte der politischen Gemeinde Leopoldshöhe. Geistesgeschichtlich spielte es im 19. Jahrhundert, als das Gut den Ruf eines westfälischen „Hofes von Ferrara“ hatte, eine besondere Rolle in der Region. Als Schauplatz einer Einliegerrevolte im Amt Oerlinghausen - als der Gutsherr von Barkhausen und sein Sohn von aufständischen Heuerlingen und Landarbeitern aus der Senne verschleppt wurden - ist es mit der Revolution von 1848 in Lippe verknüpft. Es wurde deshalb aus kultur- und bauhistorischen Gründen in die Denkmalliste der Gemeinde Leopoldshöhe eingetragen.