Gut Niederbarkhausen
Aus der Geschichte eines Rittergutes
[Bild: Paula Lentzcke auf dem Pferdewagen, 1935.]
In der heutigen Zeit kann sich eine Region glücklich schätzen, wenn in ihr noch viele alte Bauern- und Gutshöfe aus weit zurückliegenden Gründungszeiten erhalten geblieben sind. Eine nicht mehr gegebene Rentabilität oder das Ausbleiben eines Nachfolgers hat in der letzten Zeit manche bäuerliche Stätte zur Aufgabe gezwungen. Nicht hierzu gehört das zwischen Oerlinghausen und Leopoldshöhe liegende ehemalige Rittergut Niederbarkhausen. „Barchusen“ wird erstmals im Jahre 1036 urkundlich erwähnt. Nach etwa 250jähriger Zughörigkeit zur Kirche in Paderborn schenkte Bischof Meinwerk den „Zehnt“ des Tafelgutes Barkhausen und den „Zehnt“ von fünf zugehörigen Vorwerken, darunter „Orlinchusen“, dem neu gegründeten Kloster Busdorf bei Paderborn. Die jährlichen Abgaben des Gutes an das Kloster betrugen über eine lange Zeitspanne 36 Scheffel Hafer, zwölf Scheffel Roggen und acht Scheffel Gerste, wobei ein Scheffel etwa 70 Pfund betrug. Zusammen mit dem Korn der anderen abgabepflichtigen Vorwerke wurde es auf einem gutseigenen Kornboden gelagert.
Neue Herrschaft
Mit dem Anstieg der Machtbefugnisse der Grafen zur Lippe in der Reformationszeit verringerte sich die Abhängigkeit von der Paderborner Diözese. 1607 kam der Amtsmeierhof Barkhausen endgültig zur lippischen Herrschaft. Viele Jahrhunderte wurde die Besitzfolge dieses Hofes so geregelt, dass ein von Paderborn eingesetzter Meier auch Besitzer des Hofes wurde. Nach dessen Ausscheiden trat ein Nachkomme oder Eingeheirateter die Nachfolge an. Einem Vortrag des ehemaligen Oerlinghauser Bürgermeisters August Reuter nachvollziehend, besaß Barkhausen schon im 11. Jahrhundert verschiedene Privilegien. So waren dem Gut außer einer günstigen Besteuerung auch die niedere Gerichtsbarkeit und Strafgewalt über die Untertanen ihrer zugehörigen Höfe überlassen. In dieser Zeit erstreckte sich der Einfluss des Gutes bis zum Hof Bielefeld, der damals zur Kirche Schildesche gehörte. Einen herben Rückschlag musste das Gut im Jahre 1605 hinnehmen, als bei einem verheerenden Brand das Hauptgebäude den Flammen zum Opfer fiel. Bis zum Wiederaufbau vergingen drei Jahre. Mit dem Aussterben der männlichen Linie der Meier zu Barkhausen im Jahre 1810 wurde der Amtsrat Rötteken aus Oerlinghausen durch die Heirat der Witwe des letzten Meiers neuer Gutsbesitzer.
Der große Turm
Als Zeuge vergangener Jahrhunderte befindet sich auf dem Gutshof ein mit Bruchsteinen errichteter Steinspeicher. Der Kern dieses auch Bauernburg genannten Gebäudes stammt aus dem 13. bis 15. Jahrhundert. Anfänglich soll sie mit einem Wassergraben umgeben gewesen sein. Noch im Dreißigjährigen Krieg soll der Steinbau als Wehrturm den Bewohnern des Gutes und der umliegenden Häuser Schutz und Sicherheit gewährt haben. 1870 wurde er umfassend renoviert und um ein Stockwerk erhöht. 1960 wurde das Dachwerk mit dem Uhrtürmchen vereinfachend erneuert, 2011 das Dach erneuert. Eine etwas marode Treppe im Innern des Turms sorgt dafür, dass heute dieser nicht mehr von größeren Gruppen bestiegen werden kann. Auch ein vor einigen Jahren vorgeschlagene Ausbau im Erdgeschoss konnte nicht verwirklicht werden.
Familie Tenge1814 erwarb die Familie Tenge aus Osnabrück das Gut Niederbarkhausen. Friedrich Ludwig Tenge errichtete hier seine Wohnung und den Verwaltungsmittelpunkt für seine zahlreichen Güter und Betriebe: die Dalbker Papiermühle und die Holter Eisenhütte. In der Nähe des Gutes errichtete er eine Essigsiederei und eine Töpferei. Von der fürstlichen Rentkammer in Detmold erwarb er 1816 die Windmühle auf dem Tönsberg. 1840 war das Gut Niederbarkhausen in den Kreis der Rittergüter aufgenommen worden und es war bis 1919 eine selbstständige Gemeinde. Im Jahre 1864 ließ Friedrich Ludwig Tenge etwa 600 Meter vom Ort entfernt für seine Familie ein Mausoleum errichten. In diesem wurden er und seine Ehefrau beigesetzt. Nach dem Tod von Friedrich Ludwig Tenge fielen das Gut und die Dalbker Papiermühle an Friedrichs jüngsten Sohn Alfred Tenge (1834-1924). Aus dessen Ehe gingen der 1900 verstorbene Sohn Benno Tenge sowie die 1968 verstorbene Erbin Paula Tenge hervor. Paula Tenges Ehe mit dem Major Siegfried von Lentzcke aus Berlin blieb kinderlos. 1949 adoptierte Paula Lentzcke ihren Verwandten Maximilian Albrecht von Daniels- Spangenberg. Er übernahm das Gut Niederbarkhausen. Heutiger Eigentümer ist Hubertus Tenge von Daniels-Spangenberg, ein Sohn des Vorgenannten. Werner Höltke.