Das katholische St.-Hedwigs-Haus paßt sich dem Computerzeitalter an

,,Heimgarten : Neiße-Neuland" fand in Oerlinghausen seine Heimstatt Das katholische St.-Hedwigs-Hausoqp.ul„Heimgarten -Neiße-Neuland“ fand in Oerlinghausen seine Heimstatt

 

Oerlinghausen (hl). Der dreißigste Geburtstag der Heimvolkshochschule St.-Hedwigs-Haus steht vor der Tür. In der katholischen Bildungseinrichtung an der Hermannstraße laufen die Vorbereitungen schon jetzt auf Hochtouren. Höhepunkt der Feierlichkeiten wird ein Festakt am 6. September sein. Heinrich Windelen, Bundesminister für innerdeutsche Beziehungen und gleichzeitig Mitglied des Kuratoriums der Einrichtung, hält den Festvortrag: „Die Deutschlandpolitik der Bun­desregierung in der Bildungsarbeit“.

Katholische Bildungseinrichtungen wie das St.- Hedwigs-Haus blicken auf eine lange Tradition zurück. Sie sind ein Produkt des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Charakteristisch für die Heimvolkshochschule (HVHS) war ursprünglich, daß die Seminarteilnehmer während der damals dreimonatigen Teilnahme gemeinsam in der Schule wohnten. In Deutschland setzte sich die Idee der Heimvolkshochschulen nach dem 1. Weltkrieg durch. In diese Zeit fiel die Gründung des „Heimgarten — Neiße-Neuland“. Der Heimgarten war eine Einrichtung der schlesischen Kirche; diese HVHS verstand sich als Volksbildungshaus, Grenzland-, Bauern- und Arbeitervolkshochschule. Auf ihre Tradition beriefen sich die Gründungsmütter und Väter der Oerlinghauser Einrichtung. In der neuen Heimat ließen sie die Idee wieder aufleben. So entstand die „Heimstatt“ der katholischen Heimatvertriebenen in Oerlinghausen. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte im März 1953 ein Gesetz über die […..] von Volkshochschulen geschaffen. Für Pfarrer Karl Henke war dies der Startschuß zur Verwirklichung seines langgehegten Wunsches, eine katholische Bildungseinrichtung für die Heimatvertriebenen zu gründen. Am Rande der Bergstadt, direkt unterhalb des Teutoburger Waldes, stand die Gaststätte „Zum wilden Jäger“, über die Jahre sehr vernachlässigt und heruntergekommen. Es traf sich günstig, daß seinerzeit ein anderer Mann ebenfalls nach einem Gebäude für eine HVHS suchte,- Prälat Wilhelm Trennert. Der […..] wig-Werkes unterstütze Henke in seinem Bemühen. Nach intensiven Umbauarbeiten wurde im April 1955 das Haus durch den damaligen Weihbischof von Paderborn und jetzigen Bischof von Essen, Dr. Franz Hengsbach, eingeweiht. Ein Jahr später wurde das Hedwigs-Haus als Weiterbildungseinrichtung mit Internatsbetrieb anerkannt. Daher wird auch der 6. September als der eigent­liche Gründungstag gefeiert. Doch die alte Heimvolkshochschulidee hatte sich überlebt. Volkskundlich-kulturelle Veranstaltungen der Spätheimatvertriebenen waren die vorherrschenden Aktivitäten. Musik und Tanz unter Anleitung ehrenamtlicher Lehrer und Erzieher standen im Vordergrund der Aktivitäten in der HVHS. Ein Neuanfang wurde 1977 gewagt. Nicht nur räumliche Veränderungen waren notwendig geworden, die gesamte Seminarstruktur wurde verändert. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, mußte das St.-Hedwigs-Haus ganzjährig belegt, langfristige Seminare mußten konzipiert werden. Direktor der Bildungseinrichtung ist seit 1978 der Diplom-Soziologe Johannes […..] dung steht heute im Vordergrund des Lehrplans. Aber noch immer rekrutieren sich viele Seminarteilnehmer aus „Flüchtlingen“. Spätaussiedler aus Polen, Rumänien und der Sowjetunion werden in 14-tägigen Seminaren an die gesellschaftliche Wirklichkeit der Bundesrepublik herangeführt. Themen wie Konsumverhalten, Medien, Sozial­strukturen, Arbeitsmarkt und Situation der Familie stehen auf dem Seminarplan. Daß die Heimvolkshochschule St.-Hedwigs-Haus mit der Zeit gegangen ist, zeigt das erweiterte Bildungsangebot. Berufliche Aus- und Weiterbildung stellen heute ein neues Standbein der Bildungseinrichtung dar. Aber auch die Datenverarbeitung mit Hilfe von „Bruder Computer“ macht vor der katholischen Kirche nicht halt. Von der Gemeindever­waltung bis zur Lenkung von Krankenhäusern und Altersheimen, das Zeitalter der Microchips und -Prozessoren hält unaufhaltsam Einzug in die kirchlichen Einrichtun­gen. Das „Know-how“ wird im Oerlinghauser St.-Hed­wigs-Haus längst entwickelt. „CAN“ ist das Zauberwort: Computer Aided Nursing. Auch die Arbeit der Schwestern im katholischen Krankenhaus wird bald durch den Computer gestützt und organisiert werden können. Für Müller eine „unausweichliche Entwicklung“, der die Kirche bald ihre moraltheologische Richtung geben muß. Allein im Erzbistum Paderborn befinden sich 60 Krankenhäuser in Trägerschaft der katholischen Kirche.