Aus der Geschichte des Kreuzkruges

Fritz Hell

 

[Bild: Der Kreuzkrug am Fuße der Gauseköte hat eine wechselvolle Geschichte. Friedrich Copei hat sie aufgezeichnet und 1937 veröffentlicht. Die Arbeit Copeis wurde von Fritz Hell ergänzt und „fortgeschrieben". Der erste Standort des Kreuzkruges war am Alten Postweg. Unser Bild zeigt den Kreuzkrug im Herbst 1983. Foto: Wiemann]

[Bild: Der Kreuzkrug, wie er sich heute seinen zahlreichen Besuchern aus nah und fern präsentiert. Er steht auf der Liste der Gebäude, die in Schlangen unter Denkmalschutz stehen. Foto: Wiemann]

Die Ausführungen über diesen Krug beruhen in der Hauptsache auf den Angaben des Herrn Dr. Friedrich Copei in seinem Bericht über die Sennekrüge, ergänzt durch die Daten zu den einzelnen Pächtern und Besitzern im Schlangener Kirchenbuch und den persönlichen Erkundigungen.

Als der Finkenkrug im Dreißigjährigen Krieg vollständig zerstört war und der letzte Wirt in Schlangen neu aufgebaut hatte, hat es nicht an Bewerbern für einen Neuaufbau gefehlt, die aber alle abschlägig beschieden wurden, „maßen zu Schlangen Bier genug gebraut und des Orts zu zechen wenig anlangen werden”.

Als nach dem Ende des großen und langen Krieges eine allmähliche Belebung der vielen Handelsstraßen einsetzte, bauten die Lippischen Grafen eine Brücke über den Haustenbach und legten dort eine Mühle mit Gastwirtschaft und im Laufe der Zeit ein ganzes Dorf an. Hierdurch erfolgte eine Verlegung des alten Senneweges Bielefeld - Horn, der nun anstatt südlich von Oesterholz im Norden vorbeiführte. Er kreuzte sich am Waldrand mit der von Schlangen nach Detmold führenden Straße, gebildet von der Fürstenallee und dem „Alten Postweg”. Die Forstverwaltung erkannte die günstige Lage, legte hier 1706 eine Gastwirtschaft an, den sog. „Kreuzkrug”, und übertrug ihn ihrem Oberjäger Kruse, der ihn dann als Eigentum erwarb. Er ist durch mehrere Generationen im Besitz dieser Familie geblieben. Der alte Krug lag also am „Alten Postweg”, etwa wo heute das „Waldhaus” steht.

1706-33. Hermann Konrad Kruse, geb. 1665, gest. 19.5.1724, verh. um 1689 mit Barbara Barckhausen, geb. 1663, gest. 9.10.1742. Der Umsatz des Kruges wird stark beeinträchtigt durch die Glashütte im Nassensand und den Neuwohner Sünkler, die beide ebenfalls Schankgerechtigkeit haben. - Da der 1691 geborene älteste Sohn Johann Hermann die Stellung des Försters und Conductors in Oesterholz angetreten hat, führt die Witwe den Krug allein weiter bis zur Heirat des nächsten Sohnes und Erben.

1733-65. Arnold Friedrich Kruse, geb. 17.8.1701, gest. 8.4.1753, verh. 30.5.1733 mit Wtw. Friederike Amalie Höcker. Sie ist die Tochter eines Freundes des Onkels in Oesterholz. Nach dem Tode ihres Ehemannes heiratet sie am 27.9.1761 den späteren Vogt Conrad Henrich Baumgart. Bis zur Heirat ihres Sohnes und Erben führt sie den Krug zunächst allein, dann mit ihrem zweiten Ehemann weiter, um dann den Vogt-Krug in Schlangen zu übernehmen. Durch den Siebenjährigen Krieg wird dem Krug viel Schaden zugefügt, da große feindliche Heere in der Senne lagern, so dass es häufig zu Überfällen und Plünderungen kommt.

1765-82(88). Johann Hermann Kruse, geb. 21.7.1738, verh. 5.5.1765 mit Charlotte Sophie Wolf aus Böslngfeld. In dieser Ehe werden neben 2 Töchtern 5 Söhne geboren, die alle am Leben bleiben.

a) Wilhelm August, geb. 23.7.1766. Später Revierförster in Asemissen.

b) Hermann Friedrich, geb. 5.2.1770. Auswanderung 1788 Ostindien.

c) Christian Wilhelm, geb. 19.2.1772. Gastwirt in Höxter.

d) Friedrich Conrad, geb. 27.8.1775. Auswanderung 1802 Nordamerika.

e) Joh. Ernst Friedrich, geb. 22.4.1781. Auswanderung 1803 Nordamerika.

Nach dem Bericht über die Sennekrüge muss die Gastwirtschaft 1782 verkauft werden, um die Schulden eines Studiosus Kruse zu bezahlen. Vieles spricht dafür, dass dies der 2. Sohn Hermann Friedrich ist, der vor seinen Schulden nach Holland geflohen ist, auf einem Ostindienfahrer angeheuert hat, um sich in den holländischen Kolonien niederzulassen. Diese Auswanderung ist aber erst 1788 erfolgt. Es ist wohl anzunehmen, dass der Krug auch erst um diese Zeit verkauft worden ist, da dieser Sohn mit 12 Jahren 1782 noch nicht studiert haben kann, obgleich damals zum Besuch einer Universität noch kein Abitur verlangt wurde.

Da sich Delbrücker für den Kauf interessieren und die Forstverwaltung um ihren Wildbestand fürchtet, kauft sie den Krug an und setzt ihren Holzknecht (Förster) Limberg als Pächter ein.

1788-1811. Friedrich Wilhelm Limberg, geb. 28.6.1756, gest. 5.12.1812, verheiratet mit Amalie Klöpping aus Heiligenkirchen. In der Ehe werden 2 Söhne geboren. - Um 1800 wird die neue jetzige Kunststraße über die Gauseköte nach Berlebeck angelegt, die Verbindung zur Fürstenallee erfolgt im stumpfen Winkel. Man kann noch heute die ehemalige Führung an der Fortsetzung der vierfachen Baumreihen bis zum Postweg erkennen. Durch den Bau dieser neuen Straße wird der am Postweg gelegene Krug vollständig lahmgelegt. So schlägt Umberg einen Neubau an der Chaussee vor. Er wolle dies übernehmen, müsse aber den Krug in Erbpacht bekommen. Die Regierung geht auf seinen Vorschlag ein, und der Verkauf wird ausgeschrieben. Er selbst kann aber nicht mehr als Bieter auftreten, da er schwerkrank darniederliegt und bereits 1812 stirbt. Es ist nicht ersichtlich, warum kein Familienmitglied geboten hat.

1811-1816. Bei dem Verkauf 1811 bekommt der Glasermeister Uhden aus Kohlstädt für 400 Rtlr. den Zuschlag. Er soll nebenbei auf das Wild achten und das Chausseegeld erheben. Johann Wilhelm Anton Uhden, geb. 8.9.1774 als Sohn des Küsters Anton Henrich Uhden, Schlangen; gest. 1816 Sandfort, verheiratet um 1801 mit Friederike Magdalene Hausmann von der Papiermühle Hillentrup. Uhden war zunächst Glasfaktor, später Meister auf der Glashütte Flötte, Kohlstädt, dann Gutsbesitzer dort, nun Erbpächter des Kreuzkruges. Mit diesem neuen Besitz hat die Regierung aber einen schlechten Handel gemacht. Er baut wohl den neuen Krug, es ist dies das hinter dem heutigen Kreuzkrug liegende Scheunengebäude, das noch die Jahreszahl 1812 und die Anfangsbuchstaben seines Namens W. U. trägt; er kommt aber nicht dazu, ebensowenig den neuen Krug in Betrieb zu nehmen, noch die Kauf- und Pachtsumme zu bezahlen. Nach immerwährendem Drängen und vielen Ausflüchten flieht er schließlich nach Sandfort, wo er 1816 stirbt.

1816-1841. Neuer Erbpächter für 1600 Rtlr. wird Johann Henrich Christoph Junker, geb. 12.7.1786, gest. 29.11.1841, verheiratet 4.4.1813 in Lage mit Anne Amalie Wilhelmine Eikensträter, geb. 24.3.1789, gest. 29.4.1833. In der Ehe werden 3 Töchter geboren. - Er war vorher Pächter des Uhdeschen Gutes in Kohlstädt gewesen und tritt nun auch hier seine Nachfolge an. Zunächst ergeben sich viele Schwierigkeiten beim Abbruch des alten Kruges, da die dort wohnenden Einlieger protestieren. So wird der Abbruch immer wieder verzögert. Die Gastwirtschaft bringt bei dem immer mehr zurückgehenden Fuhrkarrenverkehr wenig ein, so ist er in der Hauptsache auf die Landwirtschaft angewiesen. Die Regierung räumt ihm daher erhebliche Huderechte in der Eckelau, Langelau und Königslau ein. Einen schweren Schlag erleidet er, als die neue Chaussee über Kohlstädt gebaut und die Erhebung des Wegegeldes am Kreuzkrug eingestellt wird. Das aus den Resten des alten Kreuzkruges erbaute Chausseehaus wird abgebrochen. Doch Junker ist ein guter Wirtschaftler, der trotz aller Schwierigkeiten seinen Betrieb auf die Höhe bringt. Wahrscheinlich ist in seiner Zeit auch das jetzige stattliche Gebäude an der Straße gebaut worden. Er stirbt 1841, nachdem seine Ehefrau schon 1833 gestorben war.

1841-1857. Nach dem Tode des Vaters übernimmt die zweite Tochter den Krug. Amalie Catharine Wilhelmine Junker, geb. 3.11.1815, verheiratet 5.5.1844 mit Simon August Gausmann aus dem Falkenkrug, geb. 14.4.1810 Detmold. Sein Tod soll bereits 1857 eingetreten sein, doch sind im Schlangener Kirchenbuch keine Angaben darüber zu finden, wahrscheinlich in Detmold verstorben.

1857-1859. 1859-1861. Nach dem Tode von Ehemann und Schwager Gausmann verkaufen die 3 Schwestern den Krug 1857 für 4250 Tlr. an einen Bürger Brokmann, über den alle Angaben fehlen. Es müssen aber irgendwelche baulichen Veränderungen vorgenommen worden sein, sonst lässt sich die gewaltige Preissteigerung nicht erklären. Für 7000 Rtlr. erwirbt 1859 den Krug ein Kolon Gröchtemeier. Wilhelm Ernst Gröchtemeier (Engelkenmeier), verheiratet 22.12.1858 in Lemgo mit Johanna Wilhelmine Henriette Starke, Brokhausen Nr. 2. Das erste Kind wird am 8.7.1859 noch in Lemgo geboren, das zweite: Anne Marie Karoline Mathilde am 16.11.1860 in Schlangen. Alle weiteren Angaben fehlen ebenfalls. - Das war wieder ein Missgriff, denn Gröchtemeier besitzt kein Geld. Um drohenden Schaden zu verhüten, kauft nun die Forstverwaltung den Krug von der Rentkammer und setzt ihren Förster hinein.

1861-1867. Inhaber der Försterstelle und des Kruges wird der bereits betagte Förster Karl Wilhelm Strafe, geb. 23.12.1796 in Augustdorf, gest. 24.9.1867 Kreuzkrug im Alter von 71 Jahren, verheiratet 17.3.1822 in Horn mit Sophie Marie Luise Busch von der Höckeringsmühle bei Horn. Was aus der bei seinem Tode noch lebenden Ehefrau und der Familie geworden ist, konnte nicht festgestellt werden.

1867-1875. Nachfolger im Kreuzkrug wird der erheblich jüngere Förster Simon Henrich Kanne, geb. 19.9.1832 in Kohlstädt, gest. 27.12.1875 Kreuzkrug, verheiratet 22.4.1863 in Heiligenkirchen mit Wilhelmine Luise Gärtner, Berlebeck. Auch hier ist nach dem frühen Tod des Ehemannes nichts über die Familie bekannt.

1875-1893. Der nächste Verwalter des Kreuzkruges ist wieder bedeutend älter. Förster Hermann Christian Räker, geb. 3.7.1828 in Brakeisiek, gest. 23.11.1893 Kreuzkrug, im Alter von 66 Jahren an einem Schlaganfall. Verheiratet 5.4.1858 in Detmold mit Wilh. Dorothee Marie Wellner aus Heiligenkirchen. Über die Familie ist nur bekannt, dass die Schwester der Ehefrau Sophie Fried. Wilh. Wellner, geb. 26.4.1833 in Heiligenkirchen, hier im Kreuzkrug am 18.3.1878 im Alter von 46 Jahren stirbt. - Seine Tätigkeit im Kreuzkrug deckt sich fast genau mit der Regierungszeit des lippischen Fürsten Woldemar (1875-95), der wenig menschenfreundlich war, keinen Fremden in seinen Wäldern dulden wollte und die Gaststätte schließen ließ, so dass der Inhaber nur seinen Beruf als Förster ausüben konnte.

1893-1922. Nachfolger wird der Förster Simon Heinrich August Möller, geb. 16.2.1847 in Heiligenkirchen, gest. 20.6.1922 Kreuzkrug, verheiratet mit ... Köllermeier aus Heiligenkirchen. Es ist wohl anzunehmen, dass während seiner Tätigkeit die Beschränkungen der Gastwirtschaft wieder aufgehoben worden sind, da auf den Fürst Woldemar sein Bruder Alexander, 1895-1905, und dann aus der Linie Biesterfeld, 1905-1918, Leopold IV. gefolgt sind. Nach dem Umsturz in Deutschland 1918 und der Absetzung aller Fürsten erfolgt eine Vermögensauseinandersetzung. Hierbei bleibt der Kreuzkrug im fürstlichen Privatbesitz und untersteht damit dem hierfür zuständigen Forstamt Berlebeck. - Die Nachkriegsinflation dürfte sich auch auf diesen Krugbetrieb hemmend ausgewirkt haben.

1922-1934. Es folgt nun im Kreuzkrug der fürstl. Revierförster Louis Holste, geb. 10.12.1878 in Haustenbeck, gest. 19.9.1934 Kreuzkrug, verheiratet 1907 mit Luise Böger (Vater: Bäcker und Gastwirt Böger, Horn.) - Auch in seiner Zeit kann noch keine wesentliche Besserung des Krugbetriebes eingetreten sein. Wohl nahm die Inflation 1923 mit der Ausgabe der Rentenmark ihr Ende, und das Geld behielt seinen Wert, aber infolge der immer mehr zunehmenden Arbeitslosigkeit wurde es sehr knapp, so dass es zum Gasthausbesuch nicht mehr reichte. - Um in dieser Zeit ein Doppelverdienen zu unterbinden und ein Durcheinander von Dienst- und Privatbetrieb zu verhindern, durften sich nach dem Willen der Forstverwaltung die Forstbeamten nicht aktiv in der Gastwirtschaft betätigen. Die Konzessionen werden daher nur auf den Namen der Ehefrau ausgestellt und enden mit dem Tode des Stelleninhabers. Da aber hier der Sohn Nachfolger wird und auch noch nicht verheiratet ist, führt die Mutter die Gastwirtschaft noch bis 1937 weiter.

1934-1969. Es folgt nun ab 1.10.1934 als Revierförster im Kreuzkrug der Sohn Ludwig Holste, geb. 19.3.1908 in Langenholzhausen, verheiratet 1937 mit Luise Steding (Vater: Landwirt Heinrich Steding, Ahe, Grafsch. Schaumburg-Lippe). - Nach der Heirat 1937 übernimmt die Ehefrau die Gastwirtschaft und führt sie vorbildlich durch die Kriegs- und Nachkriegszeit. Durch die nun einsetzende Motorisierung hat der Betrieb aber derart zugenommen, dass sie sich mit zunehmendem Alter den Anforderungen nicht mehr gewachsen fühlte und 1960 vorzeitig aufgibt. Der Kreuzkrug wird von der Forstverwaltung an ein Gastwirtsehepaar verpachtet; die Eheleute Holste ziehen in ihr in Oesterholz erbautes Haus, von wo die Geschäfte der Revierförsterei Kreuzkrug fortgesetzt werden bis 1973, um nun als Ruheständler nach Salzuflen zu ziehen.

1.12.1960 - 31.12.1967. Pächter des Kreuzkruges wird der Gastwirt Wilhelm Lange, geb. 17.5.1903 Dortmund, gest. 24.10.1968 Kreuzkrug, verheiratet 1.4.1926 in Dortmund mit Dorothea Werl, geb. 14.4.1906 in Dortmund. - Der Krug wird renoviert und modernisiert, zwischen Haus und Scheune ein Verbindungstrakt gebaut, der als Raum zum Kaffeetrinken für die zahlreichen Gäste dient. Parkplätze werden eingerichtet für die vielen Autofahrer, die besonders an den Wochenenden, wenn die Wege des Truppenübungsplatzes nicht gesperrt sind, in großen Scharen hierherkommen, besonders aus dem Ruhrgebiet als Tagesgäste.

Seit 1.1.1968. Da der Vater zu kränkeln beginnt, übernimmt die Gaststätte der Sohn Peter Lange, geb. 21.12.1940 in Minden, verheiratet 30.11.1963 mit Rosemi Evelyn Ludwig, geb. in Schlesien. - Die noch lebende Mutter hilft im Rahmen ihrer Kräfte noch im Betrieb. Es herrscht ein reger Verkehr, besonders in den Sommermonaten. Die Verschönerungen werden fortgesetzt; das ganze Anwesen strahlt Sauberkeit und Behaglichkeit aus. Gemälde und alte Bilder von Jagden der fürstlichen Zeit und zahlreiche Geweihe an den Wänden geben der Gaststube einen anheimelnden Charakter und erinnern an die alte Försterei.