Silvester steigt die letzte Party

Silvester steigt die letzte Party

 

[Bild: Eine Traditionsgaststätte schließt: Mit der Silvesterfeier verabschieden sich die Inhaberin des "Evenhauser Krugs", Simone Büttner, und ihr Mann Harry heute von ihren Gästen. Das Gebäude wird abgerissen für den Bau eines Wohnhauses. (© Gerstendorf-Welle)]

Leopoldshöhe. Simone und Harry Büttner lassen es zum Jahreswechsel noch einmal richtig krachen. Mit der Silvesterparty verabschieden sie sich von ihren Gästen. Danach drehen sie endgültig den Schlüssel um.

„Die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht“, sagt Inhaberin Simone Büttner. „Doch wir mussten eine Entscheidung treffen.“ Da der Sanierungsaufwand enorm gewesen wäre und keines ihrer drei Kinder den Betrieb weiterführen wollte, hätten sie und ihr Mann beschlossen, die Gaststätte zu schließen. Das Gebäude soll abgerissen werden. Auf dem Grundstück will das Ehepaar ein Wohnhaus für die eigene Familie bauen.

Viele Leopoldshöher bedauern, dass sie ihr Stammlokal und die letzte Kneipe im Gemeindesüden verlieren. Simone Büttner versteht den Verlust. „Die meisten

Stammgäste haben sich seit mehr als 30 Jahren bei uns getroffen“, berichtet die 53-jährige Inhaberin, die zwischen Küche, Tresen und Gästetischen groß geworden ist. Für eine Übernahme müsste aber so vieles im und am Gebäude instand gesetzt werden. „Das rentiert sich nicht.“

Ihre Urgroßeltern hätten den Krug um 1920 für ihre Großeltern Fritz und Erna Hollmann, geborene Hilgenstöhler, gekauft, erzählt Simone Büttner. „Sie haben den Betrieb 1925 übernommen und bis 1975 geleitet.“ Dann sei die Kneipe an ihre Eltern Magdalene und Friedrich-Wilhelm Hollmann übergeben worden, die bereits das dazu gehörige Lebensmittelgeschäft und die Bäckerei führten. Die beiden Wirtsleute bauten den „Evenhauser Krug“ weiter aus. So kam 1976 die Kegelbahn hinzu.

Für Übernachtungsgäste standen vier Zimmer bereit, und im großen Saal wurde manch rauschendes Fest gefeiert. 2003 übernahm ihre Tochter Simone Büttner mit ihrem Mann Harry (59) die Gaststätte, in der sie zuvor schon viele Jahre mitgearbeitet hatte. Auch die Kinder der beiden halfen kräftig im Familienbetrieb mit.

Irgendwann sei es aber genug, meint Simone Büttner. „Wir wollen dieses Kapitel jetzt abschließen und nach vorne schauen.“ Und wer könnte nicht nachvollziehen, dass sich das Ehepaar nach unermüdlichem Einsatz in seinem Gasthof nun auf freie Wochenenden, mehr Ruhe und ein echtes Familienleben freut.

Info: Ein Haus mit langer Geschichte

Der "Evenhauser Krug" gehört zu den ältesten Gasthöfen in Lippe. Im Mittelalter war er eine selbstständige Kottenstätte und wurde im Volksmund "Das Wibbenhaus" genannt. Wie alte Dokumente belegen, beantragte und erwarb Christopher Kamp 1663 die Brau- und Schankrechte ("Kruggerechtsame" hieß das damals). Hermann, Graf und Edler Herr zu Lippe, gestattete damit seinen Untertanen Christopher Kamp und dessen Sohn Johann Wilhelm, "inländisch" Bier herzustellen, wenn dafür die Brausteuer entrichtet wird. Die Wirte wechselten, doch die Gaststätte in Evenhausen blieb über die Jahrhunderte trotz schwieriger Zeiten erhalten. 1925 ging der "Evenhauser Krug" in den Besitz der Familie Hollmann über. Simone Büttner, geborene Hollmann, hat ihn mit ihrem Mann Harry in vierter Generation geführt. (mib)