Die Beckersche Bierbrauerei - Tönsbergstraße 3
Im
August 1986 (aufgestellt v. Fritz Soll)
n.
Unterlagen St. A. D. L 108 Oerl. Nr. 1068
Das heute noch stehende Gebäude Tönsbergstraße 3 hat seine eigene, für uns ganz interessante Geschichte. In Oerlinghausen ist das Gebäude auch unter dem Namen "Beckers Keller" bekannt. Wer war dieser Becker?
Bis zum Jahre 1800 war einer der reichsten Männer im Dorfe, der Linnenhändler Tölke. Danach machte ihm der Linnenhändler Friedrich Becker das Monopol mit einer langjährigen Antragsstellung für eine eigene Konzession streitig und hatte zuletzt bei der Rentkammer in Detmold auch Erfolg. 1804 bekam Friedrich Becker seine Konzession. Er muss im Leinenhandel große Geschäfte und einen guten Verdienst gehabt haben, denn der Aufstieg der Familie Becker in Oerlinghausen begann. Schon 1771 hatte ein Bernd Hinrich Becker unerlaubt mit Linnen gehandelt und wurde von Detmold bestraft. (Vater?)
Im Jahre 1814 kauften die Gebrüder Becker (Friedrich und Franz) von der Gemeinde einen Bauplatz für eine Mangel, die 1818 in Betrieb genommen wurde (1906 abgebrannt). In diese Zeit fiel auch die Errichtung der Bleiche auf dem späteren Sültemeierschen Hof durch Lillteich. (J. B. Tölke besaß die Bleiche zwischenzeitlich).
Das alles aber geschah, bevor etwa um 1830 der Niedergang der Leinenindustrie und damit der Hausweberei einsetzte. Ob die Familie Becker etwas gemerkt hatte, denn ein Sohn war Wirt geworden und hatte vorübergehend die Wirtschaft Nagel gepachtet (Colonats Nr. 5, d.h. früher Ehlebracht). Dieser Sohn, August Becker, stellte nun am 30.11.1838 den Antrag auf Kauf eines Geländes an der Tönsbergstraße zur Anlage eines Bierfelsenkellers. Die Dorfdeputierten stimmen zu, verweisen Becker aber an Barkhausen, da diese noch Besitzer sind. Es kommt am 8.12.1838 ein Vertrag zustande. Becker muss für den Platz 75 Rht. in preußischer Münze bezahlen!!! In dem Vertrag steht weiterhin, dass er nur zur Anlage eines Bierkellers gilt. Unterzeichnet ist dieser Vertrag von A. Becker modo Nagel und von J. Schütz - Rentmeister zu Barkhausen - wohnhaft Hauptstraße 3.
Interessant ist die amtliche Bestätigung dieses Kaufes. Da wird der Käufer plötzlich August Becker modo Menke Nr. 24 genannt. Das Amt schreibt dazu, man solle diesen kleinen Platz im Kataster einfach dem Colonat Nr. 24 zuschreiben, und bei Barkhausen brauchte man wegen Geringfügigkeit überhaupt nichts abschreiben. Das Colonat Nr. 24 aber gehörte schon dem August Becker und dies war Jägermann, das heutige Jägerhaus (Es findet doch alles seinen Zusammenhang).
Schon am 26.10.1842 schließen die Vertragsparteien (vom 8.12.1838) einen neuen weiteren Vertrag. Becker hatte seine Bierkeller fertig und wollte nun über diesen sein Wohnhaus bauen (im ersten Vertrag war das extra ausgenommen) mit Brauerei, aber der Platz war zu klein. Barkhausen verkaufte nochmals, wie es im Vertrag heißt, im Süden, Westen und Nordwesten mit den großen Buchen beim früheren Spritzenhause. Aber das war auch noch zu wenig und die Dorfschaft verkaufte auch noch Gelände, mit der Auflage, dass der Fußweg (Twete) erhalten bleiben müsste. Im Osten rückte Beckers Grundstück nun direkt an das Weberhaus (Moritzsche Haus).
Dieser Vertrag wurde am 5.8.1843 vom Amt beglaubigt.
Das ist die vorläufige Geschichte von Beckers Bierkeller - aber zu Ende ist die Geschichte der Familie Becker noch nicht. Sie haben ihren Grundbesitz in Oerlinghausen derartig vermehrt, dass sie Jahre später, als es zur Teilung des Tönsberges und der Senne kam, auch hier den Hauptteil für sich in Anspruch nahmen.