Der Bartelskrug

 

Es zeugt von der Vertrautheit der Lebensbeziehungen in alter Zeit, wenn die Krüge bisweilen den Vornamen ihrer Eigentümer trugen. Bartelskrug heißt nicht anders als Bartholds Krug, und sein Pate Barthold war jener Barthold Grote, der im Jahre 1713 hier in der Senne ein stattliches Haus erbaute und 1721 für seine Stätte die volle Kruggerechtigkeit bekam. Seine Nachkommen sitzen noch heute im Bartelskruge, und es ist eine Freude, den alten prächtigen Herrn Grote in seiner gemütlichen Gaststube von alten Zeiten erzählen zu hören.

Als der Krug entstand, war er nicht so abgelegen wie heute. Vielmehr führte der „Hellweg", die berühmte alte Sennestraße, an ihm vorbei, jene Straße, die schon im Jahre 1456 mit ihrer Zollstelle an der Dalbke erwähnt wird. Der Zoll wurde noch ums Jahr 1600 vom Menkhauser Müller erhoben, denn die Senne selbst war fast unbewohnt, nur das heute noch vorhandene Kolonat Kindsgrab wird 1558 einmal erwähnt. Die ersten planmäßig im Jahre 1668 angesetzten Kolonisten der Oerlinghauser Senne waren Hütten Adolf, Hütten Arend und der Jakobskrüger. Der nach dem Dreißigjährigen Kriege verstärkt einsetzende Karrenverkehr, vor allem auch der rege Pferdehandel die Sennestraße herauf und auf Enger zu, mußten wohl zur Anlage eines Kruges reizen. Sein Eigentümer war Jakob Waldeyer, der bis dahin Kötter auf dem Gute Menkhausen gewesen war. Er übernahm auch die Verwaltung der Zollstelle. Weshalb sie ihm mitsamt der Kruggerechtigkeit dann bei der Ansiedlung Grotes genommen und jenem übergeben wurde, ist nicht festzustellen.

Seine Wirtschaft scheint nicht in bester Ordnung gewesen zu sein. Vielleicht war auch von Bedeutung, daß der alte Barkhausen aus der Oerlinghauser Zöllnerfamilie Grotes Schwiegervater war. Jedenfalls lag seit den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts der Zoll in den Händen des Bartholdskrügers Grote, und das alte Zollbrett im Landesmuseum vom Jahre 1770 stammt vom Bartelskruge. Der neue Krug war sowohl dem benachbarten Jakobskrüger wie auch den braven Oerlinghauser Eingesessenen ein Dorn im Auge. So gab es immer wieder Hudestreitigkeiten und Kämpfe um die richtige Schnat. Daß der Bartelskrug in den Kriegswirren sein wohlgemessener Teil an Plünderungen, Brandlegungen und Totschlag abbekam, war nur zu selbstverständlich. Seine Glanzzeit hat er — merkwürdigerweise erlebt, als der Durchgangsverkehr auf dem Hellweg durch die scharfen Zollsperren des benachbarten Preußen gänzlich zum Erliegen kam. Denn nun wurde der Bartelskrug ein beliebtes Schmuggellager, von dem aus die Schmuggler die kostbaren Kolonialwaren bei Nacht und Nebel durch die einsame Senne ins Preußische brachten. Bürgermeister Reuter hat, nach den Forschungen von Professor Otto Weerth, das Andenken an die hübsche Begebenheit aus dem Jahre 1825 erneuert wie die preußischen Zollbeamten den ihnen Hochärgerlichen Bartelskrüger ins Preußische lockten, arretierten und nach Soest brachten, wo er wegen Schleichhandels 18 000 Rtlr. Strafe zahlen sollte. Der Bartelskrüger rückte ihnen jedoch bei günstiger Gelegenheit aus und lachte ihrer Drohungen hinter den lippischen Grenzsteinen.