Kegelclub ist 110 Jahre alt

Oerlinghausen 06: Alle 14 Tage rollen die Kugeln im Kastanienkrug

 

Oerlinghausen. Als der zweitälteste Kegelclub der Bergstadt im Jahr 1906 gegründet wurde, war Oerlinghausen noch ein Dorf mit 3.000 Einwohnern. Jeder kannte jeden und die Herren des "KC Oerlinghausen 06" sich sowieso. Im Hotel Mügge haben die verbliebenen zehn Aktiven mit ihren Frauen jetzt auf die vergangenen 110 Jahre zurückgeblickt.

"Kegeln aus Leidenschaft" steht auf einer Chronik, die Lothar Zadow, Uwe Meiser und Hans Janeczek "in gar nicht so einfacher Arbeit" zum 110-Jährigen erstellt haben. Und sie haben noch mehr als das getan. Passend zu den in der Chronik abgedruckten Fotos, auf denen die "Kegel-Jongleure" aus den Jahren 1907,1926, 1956,1981,2006 und 2016 zu sehen sind, haben sie den jeweils passenden Schlager-Hit herausgesucht. Und so erklingt das legendäre "Marmor, Stein und Eisen bricht", ein keckes "Wo sind Deine Haare, August?", Abbas "Super Trouper" oder das Zelte füllende "Ein Stern, der Deinen Namen trägt".

Fröhliche Geselligkeit und gemütliche Gemeinschaft, beides habe auch über elf Jahrzehnte hinweg im Vordergrund der Kegel-Treffen gestanden, erzählen die Organisatoren. Obwohl die lustige Truppe die Kegel-Statuten nicht hundertprozentig ernst nehme, sei sie dennoch wacker bemüht, "Kranz" oder "Alle Neune" zu erreichen. Die aktuelle Mannschaft besteht mit Lothar Zadow, Peter Natermann, Manfred Wischke, Dieter Kothe, Uwe Meiser, Jochen Meyer, Hans Janeczek, Werner Wittler, Heinz Brügemann und Günter Armatage aus zehn Keglern.

"Viel mehr waren es eigentlich nie." Allerdings sei der Altersschnitt mittlerweile doch ziemlich hoch. "Deshalb", sagen die Mitglieder, "brauchen wir dringend Nachwuchs." Auch, "weil wir gegen den Trend zum Nicht-Kegeln kämpfen wollen". Die Kugeln rollen alle 14 Tage mittwochs ab 19 Uhr im Kastanienkrug.

Leider seien durch die beiden Weltkriege sämtliche Protokollbücher der Jahre bis 1945 verloren gegangen, sagt Hans Janeczek.

Zu Kaisers Zeiten wurde der Verein gegründet

Bekannt ist aber, dass es Fritz Blume Senior und andere junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren waren, die den "Kegel-Club Oerlinghausen" zu Kaisers Zeiten gründeten. Zu ihnen gehörten der Steuererheber Friedrich, Elektromeister Hornschuh, Max Lindemeyer, Carl Bobe, der Erfinder des modernen Postleitzahlensystems, Adolf Büker, Rudolf Oberdiek, Adolf Reineke und Richard Sprenger.

Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg rief Fritz Blume Senior seine ehemaligen Mitkegler wieder zusammen. Adolf Reineke, Richard Sprenger, Ernst Reuter, Carl Plaßmeyer, Ernst Heißenberg, Adolf und Richard Moritz waren sofort mit dabei. Sie und nach und nach mehr Kegelbrüder kamen im Sternenkrug zusammen, um alle Neune zu treffen, danach wechselweise in der Stadtschänke, im Kastanienkrug und auf der Bahn von Helmut Ruhnau in der Südstadt.