Branntwein trinken beim Brand des Pollmannskruges
Lippische Landeszeitung Nr. 44 vom 21. Februar 1880
Oerlinghausen, 19. Februar. In der Nacht vom 14., 15. d. M. brannte in der Senne in der Nähe der Dalbke die Pollmannsche Wirthschaft nieder. Die herbeigeströmte Menschenmenge soll mit großem Eifer Löschversuche angestellt haben; allein nur Versuche den Durst zu löschen!
Den Branntwein soll man aus Feuereimern und dergleichen Gefäßen getrunken haben. Von Steinhägerkrügen (Kruken) soll man nach echter Zecher Weise die Hälfe geschlagen, um möglichst rasch zu dem köstlichen Naß zu gelangen. Aber wie, wird wohl mancher fragen, war denn Niemand da, der auf Ordnung sah? —Der Besitzer des Hauses soll augenblicklich am Nervenfieber im Krankenhause darniederliegen. Als gegen Morgen der Herr Amtsrath v. Meien auf der Brandstätte anlangte, hat derselbe erst Mannschaften aus Oerlinghausen requiriert, welche das Feuer völlig gelöscht haben. Wäre der Herr Amtsrath oder auch nur der Gendarm von Oerlinghausen früher dagewesen, so wäre dem wüsten Treiben bei Zeiten ein Ziel gesetzt worden; allein Schötmar ist 3 - 4 Stunden von der Brandstätte entfernt und Letzterer, der Gendarm, hat von dem Brande erst durch den Befehl des Herrn Verwaltungsbeamten, auf der Brandstätte zu erscheinen, Nachricht erhalten.
Leider ist bei solchen Unglücksfällen das Branntweintrinken ja das „Entwenden“ von Sachen die Hauptbeschäftigung vieler Menschen. Diesem Treiben ist jetzt Thür und Thor geöffnet Die Verwaltungsdistrikte sind groß und die Beamten können also auch nicht sobald zur Stelle sein. Hoffentlich wird es mit Einführung der neuen Gemeindeordnung besser!