Geschichte des Postamts Oerlinghausen

Neu aufgestellt 1935

Nach 1945 ergänzt.

Aller Wahrscheinlichkeit nach ist diese Chronik von Postmeister Holzkamp geschrieben worden. (Fritz Soll sen. 1984)

 

Bei der Lage Oerlinghausens zwischen der industriereichen preußischen Stadt Bielefeld (13 km) und der Landeshauptstadt Detmold (18 km) waren die Einwohner mit ihren lebhaften Handelsbeziehungen schon sehr früh auf die Benutzung der Posteinrichtungen jener beiden Städte angewiesen. Vor Einrichtung einer Postanstalt stellte der Einwohner August Kramer aus der Wehme, genannt "Posts-Jüsken", mit seinem Esel, den er mit zwei Tragkörben ausgerüstet hatte, eine wöchentlich mehrmalige Verbindung mit Detmold her. Soweit die Zollschranken nicht hemmend wirkten, wird jedoch die Post des näheren Bielefeld bevorzugt worden sein. - Beleg - Die Poststelle in Oerlinghausen war deshalb lange Jahre von Preußen und Thum und Taxis umstritten.

Als im Mai 1840 dem preußischen Generalpostamt bekannt wurde, daß Taxis beabsichtigte, in Lage und Oerlinghausen Postexpeditionen einzurichten, beschwerte es sich sich bei der Lippischen Regierung und machte geltend, daß die preußische Postverwaltung von 1774 bis 1806 und von 1814 bis 1840 ausschließlich den Postkurs Bielefeld - Detmold besessen und dessen Benutzung in allen inzwischen gepflogenen Verhandlungen ausdrücklich Vorbehalten habe. Taxis habe niemals Postanstalten auf diesem Kurse gehalten und die Genehmigung an Taxis zur Anlegung von Postanstalten in beiden Orten würde mithin "das preußische Postinteresse benachteiligen und die Verwickelungen vermehren, die schon ohnedem manche unangenehme Rückwirkungen auf das Postwesen in Lippe ausgeübt haben". (Ludolph, Postgeschichte des Landes Lippe) Taxis konnte Oerlinghausen nur von dem entfernten Detmold aus, oder anschließend an die Lage berührende Schnellpost Kassel - Minden erreichen. Die Lippische Regierung erkannte den Einspruch Preußens in Bezug auf Oerlinghausen an, weil dieser Ort seiner Lage nach als dem preußischen Kurse auf Bielefeld angehörig anzusehen sei.

(1840): Damit hatte Preußen gesiegt und errichtete am 1. Juni 1840 eine Postexpedition in dem Hause des Apothekers Melm, jetzt Adolf-Hitler-Straße 1, ein. Melm wurde Postexpeditor. Weil Preußen in Wahrnehmung des Postdienstes in Lippe seine Rechnung nicht fand, trat es am 1. Oktober 1845 vom Postvertrag zurück, nachdem es zuvor im März dem Postexpeditor und den Posthaltern Becker und Gröppel vorsorglich gekündigt hatte. Die Postanstalten wurden von Taxis übernommen und der Apotheker Melm als Postexpeditor bestätigt. Eine tägliche Personenpost zwischen Bielefeld und Detmold über Oerlinghausen wurde jedoch von Preußen und Taxis gemeinsam betrieben.

Am 1. Januar 1852 führte Thurn und Taxis Briefmarken ein, die mit einem besonderen ringförmigen Markenentwertungsstempel bedruckt wurden. In Oerlinghausen wurde ein Vierringstempel mit der Zahl 326 in der Ringmitte benutzt.

Melm führte zur Gewinnung eines "vortrefflichen, hellen und geräumigen Postlokals" 1857 mit erheblichen Kosten einen Anbau aus. - Beleg - Die Ortsbriefe wurden zunächst von dem in der Apotheke beschäftigten Hausburschen Löhr ausgetragen, während die Landbriefe in der Apotheke ausgegeben, in einem Schaufenster ausgestellt oder Sonntags nach dem Gottesdienst vor der Apotheke ausgerufen wurden. Am 17. August 1865 starb Melm. Als Vertreter des Postkommissars von Laßberg in Detmold, dem die lippischen Postanstalten unterstellt waren, übergab der Postamtssekretär Ernst (von 1871 bis 1892 Postdirektor in Detmold) die Postexpedition zunächst dem Postgehilfen Tausch. Außer diesem bewarben sich um die Stelle noch der Postexpeditor Friedrich Martheus und die Oerlinghauser Apotheker O. F. Melm - Sohn des verstorbenen Postexpeditors Melm - und der Kaufmann F. W. Ober (Detmolder Straße. Taxis entschied sich für Martheus, der bereits 10 ½ Jahre in Rischenau unter schwierigen Verhältnissen tätig gewesen war und damit Gelegenheit zur besseren Ausbildung seiner Kinder bekam. Die Oerlinghauser Mitbewerber schieden aus, weil der Dienst wegen der aufblühenden Leinenindustrie einen Fachmann vollständig beschäftigte und als Nebenberuf nicht mehr angesehen werden konnte, auch würden "Laienexpeaitoren" von ihren Einnahmen wenig erübrigt haben, weil sie sich für viel Geld einen gewandten Gehilfen hätten halten müssen.

In der Taxiszeit versah ein Ortszusteller den Dienst, für den er monatlich nur 5 Rth Lohn erhielt, weil er in der dienstfreien Zeit sicheren Verdienst in der Apotheke hatte. Bei der 1859 erfolgten Einführung der Landzustellung wurde diese dem Einwohner Fritz Bahle übertragen, der dafür jährlich 140 Rth erhielt. Der Dienst war schwierig und mühevoll. Bei dem großen Umfang des Zustellbereichs, zu dem damals das ganze Amt Oerlinghausen, also auch Asemissen, Helpup, Greste, Kachtenhausen, Leopoldshöhe und Heipke gehörte, kehrte der Zusteller häufig erst abends zwischen 9 und 10 Uhr von seinem um 11 Uhr angetretenen Zustellgang zurück. Nach 15 Jahren war Bahle den Anstrengungen in dem bergigen Gelände nicht mehr gewachsen, er gab 1874 seine Stelle freiwillig und ohne Pension auf.

Postexpeditor Hartheus verlegte den Betrieb in das 1.10.1865 Haus des Leinenhändlers F. Hölter, Detmolderstraße 6, dem er für den Dienstraum und seine Privatwohnung 90 Rth Miete bezahlte. Dies Haus wurde später von der Firma Carl Weber & Co angekauft und bildet nach einem 1925 erfolgten Umbau jetzt den westlichen Teil des Verwaltungsgebäudes dieser Firma.

(1.7.1867): Am 1. Juli 1867 ging die Ausübung des Postregals in Lippe an Preußen über, die Postexpedition in Oerlinghausen hat somit        seit 22 Jahren unter taxisscher Verwaltung gestanden.

(16.3.1868): Oerlinghausen wurde am 16.3.1868 an das Telegraphennetz angeschlossen und erhielt Verbindung mit Bielefeld und Detmold. Der Verkehr gestaltete sich besonders rege, weil alle Telegramme für Leopoldshöhe, Dalbke und Schloß Holte lange Jahre vermittelt werden mußten und gerade die Papierfabrik in Dalbke und die Eisenhütte in Schloß Holte lebhaften Verkehr hatten.

(1.4.1869): Wegen der unzulänglichen Verhältnisse erwarb Martheus von Fr. Festing das schräg gegenüberliegende Haus Detmolderstrasse 15 und übersiedelte mit der Post am 1. April 1869 dahin.

Der Postverkehr stieg inzwischen so bedeutend, daß ein Beamter nicht mehr genügte. Das "vorwiegend kaufmännische, durch große Reisen und Wohlhabenheit verwöhnte, anspruchsvolle Publikum" hielt nur durch das entgegenkommende Verhalten des Vorstehers mit Beschwerden zurück. 1868 genehmigte das General-Postamt 180 Rth für die Einstellung eines Privat-Postexpeditions-Gehilfen. Martheus bezog von Taxis zuletzt ein Jahreseinkommen von 230 Rth, das von Preußen auf 300 Rth erhöht wurde, wozu mit der Errichtung einer Telegraphenanstalt noch eine Nebeneinnahme von 100 Rth trat. Er trat 1888 in den Ruhestand, den er bis zu seinem Tode, 30. Juli 1896, in Oerlinghausen verlebte.

(1888): Sein Schwiegersohn, Postassistent Beckmann, wurde sein Nachfolger. Er errichtete an der Ostseite des Posthauses einen Anbau, in den die längst unzulänglich gewordenen Diensträume verlegt wurden. Die bisher auf Abfertigung im Flur angewiesene Kundschaft erhielt einen geräumigen Schaltervorraum, an den sich die Passagierstube schloß.

In der Taxiszeit verkehrten täglich zweimal in jeder Richtung Personenposten zwischen Bielefeld und Detmold, die Oerlinghausen morgens früh und spät abends berührten. Dies waren jahrzehntelang die einzigen Verbindungen, 1873 trat eine Botenpost nach und von Schloß Holte hinzu, die kurze Zeit durch eine Personenpost ersetzt wurde, im Anschluß an die Frühpost aus Bielefeld abging und abends den Anschluß an die Spätpost dahin wieder erreichte. 1874 wurde zur Herstellung einer lange gewünschten Tagesverbindung eine mittags abgehende Botenpost zwischen Oerlinghausen und Bielefeld eingerichtet. Nach Eröffnung der Eisenbahnstracke Herford-Detmold, 1. Januar 1881, erhielt Oerlinghausen eine täglich zweimalige Personenpost von und nach Bielefeld und eine einmalige nach und von Lage. Die Botenpost nach Bielefeld wurde aufgehoben.

(1874): Für den Innen- und Zustelldienst war als dritte Kraft der Ortseinwohner Friedrich Schütte eingestellt worden.

Er kam im August 1887 bei einer Feuersbrunst, die im Gehrenberg drei Häuser zerstörte, mit seinen 4 Kindern in schrecklicher Weise ums Lehen: Schütte wurde von der Feuerwehr noch lebend, aber bewußtlos aus dem brennenden Hause hinter der verschlossenen Haustür hervorgeholt, starb aber nach drei Tagen, ohne die Besinnung wiedererlangt zu haben, im Landkrankenhause zu Detmold. Drei seiner Kinder wurden als Leichen den Flammen entrissen, während die Überreste des vierten Kindes erst bei den Aufräumungsarbeiten aufgefunden werden konnten.

(1841): Oerlinghausen besaß seit 1841 eine preußische Posthalterei unter dem Posthalter Gröppel, der sie im Auggust 1874 an den Posthalter Brathuhn abgab. Brathuhn hatte außer einer Personenpost von und nach Bielefeld noch die Personenpost zwischen Oerlinghausen und Schloß Holte zu befördern, wozu er anfangs 9 Pferde und 3 Postillione hielt.

(1.10.1903): Mit der Eröffnung der Eisenbahn-Teilstrecke Lage- Oerlinghausen am 1. Oktober 1903 kamen die Personenpost Lage - Oerlinghausen und mit der Eröffnung der weiteren Teilstrecke Oerlinghausen - Bielefeld am 1. Oktober- 1904 die Personenposten und das Privatpersonenfuhrwerk nach Bielefeld in Wegfall. Die Verbindung nach dem 3 km entfernten Bahnhof wurde seit dieser Zeit durch Bahnhofsfahrten hergestellt, die seitdem die einzigen Leistungen der Posthalterei bildeten. Diese wurde am 31. August 1910 aufgelöst und die Leistungen von jetzt ab dem Fuhrunternehmer Friedrich Hellkamp, der ein Privatpersonenfuhrwerk zum Bahnhof unterhielt, übertragen.

Im Januar 1897 waren die Straßen so verschneit, daß die Personenposten von Bielefeld und Lage am 27. und 28. Januar - Kaisersgeburtstag - den Ort nicht erreichen konnten und in Rollkrug und Helpup liegen blieben. Die Briefpost wurde mit großer Verspätung durch die reitenden Postillione herangebracht, die Personenposten erreichten das Postamt erst wieder am nächsten Tage, nachdem die Einwohner durch Handdienste die teilweise noch als Hohlwege geführten Straßen von den Schneemassen befreit hatten.

Der Postverwalter Beckmann mußte 1901 wegen schwerer Erkrankung seinen Abschied nehmen. Ihn löste am 1. Oktober 1901 der Postverwalter Gehring ab. In seine Amtszeit fiel der Bau des neuen Posthauses in der Bahnhofstrasse, das 1905 nach den Plänen der Oberpostdirektion von dem Maurermeister Fritz Stücke mit einem Kostenaufwande von 52 000 Mark erbaut wurde. Die neuen Räume wurden am 1. April 1906 bezogen und das Postamt wegen des Verkehrsaufschwungs gleichzeitig in ein solches 2. Klasse verwandelt.

Die Leitung wurde dem Postmeister Weber, der  vorher das Postamt Bad Kösen verwaltet hatte, übertragen.

Am 1. August 1901 wurde in Oerlinghausen eine Stadtfernsprecheinrichtung in Betrieb genommen, die, nachdem im Laufe der Jahre die Teilnehmerzahl auf über 200 gestiegen war, am 27. März 1919 zum Vielfachbetrieb übergeleitet wurde.

Postmeister Weber wurde am 1. April 1908 nach Lychen (Uckermark) versetzt und vom Postmeister Schweers aus Kappeln (Schlei) abgelöst.

Als Schweers am 1. November 1912 das Postamt übernahm, wurde der Postmeister Lüdeking sein Nachfolger, der vorher in München-Gladbach beschäftigt gewesen war.

Während des Weltkrieges wurden von den vorhandenen 15 Beamten 8 (z.T. schon in den ersten Mobilmachungstagen) zum Heeresdienst eingezogen. Es waren dies: OPAss Holzkamp, Kuhlmann, Ruppe, PSch Huneke, Bftr Pehle, Sander, Bftr Böger und Heitmann. Der letztere fiel am 6. August 1916 im Westen auf dem Felde der Ehre. Als Ersatz für die abgegebenen Beamten wurden weibliche Kräfte aus dem Ort herangezogen, darunter die Helferinnen Elise Steuernagel, Hedwig Heißmann, Lilly Bremer, Hedwig Branding, Erna Kronshage. Am 1. Mai 1916 starb der PM Lüdeking und der Postmeister Dirks aus Detmold wurde am 1. September 1916 sein Nachfolger; er wurde 1924 zum Oberpostmeister befördert.

Infolge der Einwirkungen des Krieges stieß die Aufrechterhaltung der Postverbindungen zum Bahnhof in der Folgezeit häufig auf Schwierigkeiten. Das Privatpersonenfuhrwerk zum Bahnhof wurde von dem Unternehmer Hellkamp im Februar 1916 aufgegeben, die Verbindungen jedoch durch die die neu gegründete Kraftwagen G.m.b.H. Oerlinghausen bis November 1916 aufrechterhalten und von da bis März 1924 von der Witwe Kochsiek weitergeführt. Bann übernahm die Kraftverkehrsgesellschaft Niedersachsen in Detmold die Postsachenbeförderung zum Bahnhof. Die Linie Oerlinghausen Stadt-Bahnhof wurde am 9. Juli 1921 von der Deutschen Reichspost übernommen und dem Postamt Unterstellt. Am 2. Januar 1922 wurde der Kraftwagen in der von Stadt gemieteten Wagenhalle auf dem Marktplatz durch einen Vergaserbrand vernichtet.

(1927): Am 16. Dezember 1927 wurde das Postgebäude mit einer Warmwasserheizung versehen und 1928 auf dem Posthofe eine Kraftwagenhalle mit zwei Ständen und einem Kostenaufwande von 12 000 RM gebaut. Diesen Verbesserungen folgte der Bau einer Sicherheitstankanlage mit einer Fassung von 1500 Liter Treibstoff. Ferner wurden drei Diensträume mit Parkettfußböden versehen.

(1932): Der Oberpostmeister Dirks wurde am 20. Juli 1932 nach Lage (Lippe) versetzt und die Vorsteherstelle am 1. Sept. dem Postmeister Holzkamp übertragen.

Die Kraftpostlinie Bielefeld - Heepen wurde vom 1. Dez. 1932 ab mit einer werktäglich dreimaligen Verbindung über Hillegossen - Lämershagen nach Oerlinghausen durchgeführt.

(1933): Im ersten Halbjahr 1933 wurden die Fernsprecheinrichtungen für den Wählbetrieb umgebaut und der Fernsprechraum zu diesem Zweck durch einen Ausbau erweitert. Von dem im Briefträgerzimmer vorübergehend untergebrachten Notamt wurde der Betrieb am 1. Juli 1933 ohne Störungen übergeleitet.

Im September wurde der Postsportverein" Gut Schuß" (Kleinkaliberschießsport) gegründet, dem bald darauf sämtliche Gefolgschaftsmitglieder beitraten.

(1936): In den Festzügen zur 900-Jahrfeier der Stadt Oerlinghausen im Mai und Juni 1936 stellte die Reichspost die Gruppen:

1.         Musikzug (Fachschaftskapelle Münster)

2.         Postreiter während des 30-jährigen Krieges

3.         Erste Post nach Detmold (Posts-Jüsken mit Esel)

4.         Vierspännige Schnellpost aus der Thurn- und Taxiszeit mit Biedermeierinsassen

5.         Preußische Postboten

6.         Berittene Post aus der Vorkriegszeit

7.         Personenpost

8.         Neuzeitlicher Postkraftwagen mit Kraft-durch-Freude-Fahrern.

[Bild: Die Gruppen wurden von den Zuschauern lebhaft begrüßt; der Reichsstatthalter und Gauleiter Dr. Meyer sprach sich dem Bürgermeister gegenüber anerkennend über die von der Reichspost dargebrachten Leistungen aus.]

 

(1939): Schon vor Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die Kraftwagenführer Greitemeyer und Lücke zeitweise beim Bau des Westwalls im Saargebiet eingesetzt. Im Kriegsbeginn wurden die PSch Fillies und Brüntrup sowie PfArb Schmiedeskamp zur Lehrmannschaft eingezogen, sie nahmen schon am Feldzug in Polen teil. Fillies geriet später in russische Gefangenschaft, aus der er erst 1946 zurückkehrte. Schmiedeskamp kehrte nicht zurück, er galt als vermisst. Greitemeyer und Lücke wurden zur Wehrmacht und zur Postkraftwagenwerkstatt in Bad Arolsen abkommandiert. PSch besuchte die Luftschutzschule in Bad Lippspringe und Lücke die Luftschutzschule in Dortmund.

Der Kraftpostverkehr zum Bahnhof musste durch die Abgabe der Kraftwagen zunächst unterbrochen werden; er wurde zeitweise durch Kraftwagenunternehmer Rehm fortgeführt, bis die Kraftwagen zurückkehrten. 1944 wurde die Linie wegen Mangel an Fahrzeugen und Betriebsstoffen ganz stillgelegt; der Verkehr zum Bahnhof durch Boten und Pferdefuhrwerk aufrechterhalten. Als Ersatz für die eingezogenen Kraftfahrer wurden weibliche Hilfskräfte eingesetzt. Den Ortszustelldienst versahen Frau Hecker, Frau Heidsiek, Fräulein Klingenberg, Fräulein Reuter und Fräulein Zielke, einem Flüchtling aus dem Osten. Im Landzustelldienst waren Fräulein Grönewald und Fräulein Einecke beschäftigt. Den Dienst bei der PAg versah Frau Tölke. Am Postgebäude wurden als Luftschutz die Kellerfenster splitterschutzverglast und der Kellerraum unterhalb des Teichamts als Bunker ausgebaut.

Ende März erschien eines Abends auf einem Lastwagen 14 Personen vom PA, Münstereifel unter Führung des PM Eidens, darunter Frauen und Kinder, denen Oerlinghausen als Zufluchtsstätte zugelassen wurden. Sie wurden zu einem großen Teil im Postamt untergebracht.

(1945): Als in den letzten Märztagen der Eisenbahnverkehr ins Stocken geriet, wurde am Bahnhof ein abgestellter Wagen mit Raketen und Feldpost aufgefunden, dessen Tür schon erbrochen war. Am 30. März fuhr ein von Lippstadt kommender Postlastwagen vor, der sich bei Mastholte und Kaunitz unbetreut durch die feindliche Linie geschlichen hatte und nach Höxter weiterfahren sollte. Durch Nachfrage wurde festgestellt, dass der Weg dorthin nicht mehr frei war. Es wurde versucht, diesem LKW einen Teil der Ladung des Sackwagens mitzugeben und nach Bad Pyrmont umzuleiten. Da jedoch die Beschlagnahme der Lkw durch die Wehrmacht drohte, gelang das nicht mehr.

Am 31. März begannen die von der [unlesbar] vordringenden Amerikaner mit der Beschießung der Stadt, so wurden die im Postamt weilenden Beamten mit Angehörigen in den Luftschutzkeller gebannt, in dem sie 3 Tage und Nächte festgehalten wurden. In den übrigen Kellerräumen wurde zeitweise von den Vertretern Proviant und Munition gelagert, diese wurde jedoch auf Vorstelllungen des AV bei höheren Dienststellen wieder entfernt. Der Luftschutzkeller wurde als Bataillons-Gefechtsstand eingerichtet. Von 1. April ab hörte sich die Zahl der gestörten Fern- und Teilnehmerleitungen am 3. April bestand nur noch Verbindung mit Detmold. Der Trend der Häufung war häufig von den Sprechstellen in Stukenbrock und Dalbke an, woraus zu erkennen, wo er stand. Mehr als die Hälfte der Sprechstellen waren schließlich ausgefallen.

Als am 3. April abends gegen 20 Uhr die Amerikaner den größten Teil der Stadt besetzt und unsere Truppen geflüchtet waren, sprengten die letzten die Haustür und die Verbindungstür vom Schaltervorraum zum Dienstzimmer und besetzten das Postamt. Mit vorgehaltenen Maschinenpistolen wurde der AV durch sämtliche Räume geführt und dann in den Keller verbracht. In den folgenden Tagen öffneten und beraubten die amerikanischen Soldaten sämtliche Pakete und erbeuteten sich 1600 DM Bargeld, eine Mauserpistole und die Schreibmaschine. Der AV büßte eine Kamera, einen Feldstecher und eine Markensammlung im Werte von 2000 M ein.

Die Amerikaner wurden bald von englischen Truppen abgelöst, die die Kraftwagenroute benutzten und im Posthof für Wachmannschaften eine Baracke errichteten.

Die im Postlastwagen am Bahnhof vorgefundenen Pakete wurden in die weniger gefährdeten Posträume des Bahnhofsgebäudes geschafft. Als aber auch da die Tür eingeschlagen wurde und geplündert wurde, mussten die Pakete etwa 1200 unter schweren Umständen zum Postamt geschafft werden, wo sie in Packkammer und dem Briefträgerzimmer hoch aufgestapelt wurden. Unter der Hand benachrichtigten Absender von Paketen mit pharmazeutischen Artikeln, Zigarren, Tabak und Nahrungsmitteln konnten etwa 300 Pakete zurückgegeben werden. Da ein geregelter Postverkehr erst im Hochsommer wieder eingerichtet werden konnte, verdarben in der bald einsetzenden Wärme viele der in den Paketen enthaltenen Lebensmittel und verbreiteten einen unerträglichen Geruch. Die meisten Sendungen mussten deshalb geöffnet und die verdorbenen Lebensmittel vernichtet werden, soweit sie noch gut waren, wurden sie verkauft und der Erlös als aus Fundsachen herrührend zur Postkasse verrechnet.

Im Hochsommer wurden die Eingehenden des Postamts Münstereifel in die Heimat zurückgeführt, wo der herzleidende PM Eidens wenige Tage nach der Rückkehr verstarb. Nach Wiederherstellung des Postverkehrs gelang es jedoch nicht, den sehr einträglichen Postkraftwagenbetrieb zum Bahnhof und die bereits von der Besatzungsbehörde genehmigten Linien nach Bielefeld und Herford wegen Mangel an Wagen und Betriebsstoffen wieder einzurichten.

Der Paul Holzkamp trat am 31. Dezember 1945 wegen Überschreitung der Altersgrenze in den Ruhestand. Die Leitung des Postamts wurde zunächst dem apl PI Mecking übertragen, der in der Vorkriegszeit hier ein Vertreter war.

Am 1. April 1946 wurde OPS Dietrich, Leiter des Postamts, er wurde aber schon bald wieder zum Postamt Bielefeld zurückversetzt und PI Mecking nochmals mit der Übernahme der AV-Geschäfte betraut.