Zusammenfassung Kohlebergbau in Lippe
(Oerlinghausen betreffend)
Die Niederschrift dieser
Bergbaugeschichte erfolgte auf Anregung von Herrn Archivdirektor Dr. Kittel,
dem Vorsitzenden des Naturwissenschaftlichen und Historischen Vereins für das
Land Lippe. Von einem eigentlichen Bergbau kann man in Lippe kaum reden. Es ist
überall bei Versuchen geblieben.
Bodenschätze, auf denen der
Reichtum eines Landes beruht, fehlen.
Ob der Bergbau auf
Lias-Schwefelkies bei Falkenhagen oder auf Lias -Ölschiefer bei Oerlinghausen
nochmals aufgenommen wird, ob der Toneisenstein im Keuper, Lias und Dogger oder
der Roteisenstein im Keuper später einmal abbauwürdig erscheinen, wird die
Zukunft zeigen.
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Im Jahre 1797 beauftragte die
Regierung den kurhannoverschen Bergkommissar Johann Friedrich Westrumb in Hameln und den Bergfaktor E. Rettberg in Flegessen mit der Untersuchung der im Lande befindlichen
Fossilien oder Mineralien, besonders auf die bei Oerlinghausen vorkommenden
Steinkohlen sollten sie achten. Sie bereisten im Juni und August das Land. Die
2. Reise wurde durch eine Bekanntmachung im Lipp. Intelligenzblatt vorbereitet.
Eine Belohnung von 10-20 Talern für das Auffinden eines bauwürdigen Steinkohlen
- oder sonstigen Flözes von Fossilien, 16 - 28 Zoll mächtig; wurde versprochen.
Bei Oerlinghausen schürfte der Bergmann Uhlendorf,
bei Hörste und Berentrup wurden kleine
Versuchsschächte geschlagen.
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Das Mutungsregister enthält
vom 14.3.1851 bis 9.4.1927 141 Eintragungen. Die Ingenieure zu Hörde: Gottlieb
Schwarz und Hüttendirektor Rainer Daelen erhielten am
23. 5. 1854 eine Konzession zum Schürfen und zum Bergbau auf Kohlen und Erze in
den Ämtern Oerlinghausen, Lage, Brake, Sternberg, Horn und Detmold, sowie in
den Stadtbezirken Detmold, Lemgo und Horn mit Ausschluß
der dem Tenge zu Niederbarkhausen und Simmersbach zu
Altenbeken angewiesenen Distrikte des Amts Oerlinghausen bzw. des Amts- und
Stadtbezirks Horn. Wegen dieser Einschränkung wiesen Schwarz und Daelen die Konzession zurück. Versehentlich wurde dies von
der Re gierung der Kammer nicht mitgeteilt. Erst als
nach 5 Jahren (1860) noch keine Abgaben bezahlt waren, merkte man die
Unterlassung.
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Auf Grund des § 3 Abs. 2 Satz
3 der Bergordnung von 1857 konnte sich die Landesregierung bestimmte Distrikte
zur eigenen Benutzung oder zu ihrer Verfügung vorbehalten. Dieser Vorbehalt des
Bergwerkseigentums wurde ausgesprochen
1. am 13. 10. 1857 für das
Amt Schieder und den Gebirgszug von Horn nach Oerlinghausen, soweit nicht
frühere Verleihungen bestanden (Fürstl. Lipp. Regierungs - und Anzeige Blatt Nr.42 von 1857).
2. am 9.12. 1873 für die
Umgebung des Bades Meinberg innerhalb einer Entfernung von 5 km vom
Brunnenplatze aus (Regierungs - und Anzeige Blatt
1873 Nr.292). Durch Bekanntmachung vom 13.3.1877 wurden die Grenzen des
Schutzbezirks für die Gasquellen genau festgelegt (Regierungs
- und Anzeige Blatt 1877 Nr.65).
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Ämter Oerlinghausen, Lage und
Schötmar. „An der Basis des Osningsandsteins (Untere
Kreide) liegen in dem Übergang vom Schieferton zum Sandstein mehrere
Eisenerzflöze, die früher stellenweise bergmännisch gewonnen und in der Holter
Hütte verhüttet wurden. Am bekanntesten ist wohl die Eisensteingrube
„Eintracht“ bei Gräfinghagen geworden, von der mehrere
Stollenmundlöcher noch gut zu erkennen sind. Außer Toneisenstein finden
sich hier Flöze von oolithischem Bohnerz“ (Mestwerdt, Erläut. BI. Brackwede).
Gutsbesitzer Tenge zu Niederbarkhausen erhielt am 4.2.1845 für Teile des Amtes
Oerlinghausen eine Konzession auf 25 Jahre zur Gewinnung von Eisenerz, die
später nicht erneuert wurde und daher 1870 erlosch. Es erfolgte für die Holter
Eisenhütte 1845 eine Förderung durch einen Stollen der Grube „Eintracht“ bei
Gräfinghagen (Preußen, Blatt Brackwede)'der unter lippisches Gebiet ging, von
832 Tonnen = 3.328 Berliner Scheffel. Die Landrentei (Detmold) erhielt von
jedem Scheffel 1 ½ Silber Pfen., zusammen 13 Taler 26
Sgr. Der Steiger hieß Grone. Zwei Stollen, die 1847
am Tönsberg (Blatt Brackwede und Lage) angelegt wurden, trafen kein bauwürdiges
Eisensteinlager an.
Eine geringe Förderung
erfolgte 1847 und 1848 aus einem Versuchsschacht am Menkhauser Berg (Blatt
Brackwede). Der Gräfinghagener Stollen wurde seit
1846 nicht unter lippischem Gebiet weitergeführt, später scheinbar wieder, denn
nach Bescheinigungen des Obersteigers Pepper in Lämershagen wurden 1854 in
Lippe 3.829 Berliner Scheffel (95.714 Tonnen) und 1855 4 268 Berliner Scheffel
(1.067 Tonnen) Eisenstein gewonnen. 1856 und 1857 erfolgte keine Förderung.
Revierförster Wagener untersuchte 1858 den Grubenbetrieb. Tenge sollte gemäß §
79 der B. 0. bei Strafe des Rückfalls ins Bergfreie den Bergbau innerhalb 8
Wochen wieder in Betrieb setzen.
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Um silberhaltiges Bleierz aus
den Trochitenschichten wird es sich wahrscheinlich
auch gehandelt haben, das man 1605 bei Oerlinghausen
entdeckte. Am Tönsberg bei Oerlinghausen kommen auch Bleiglanzkristalle im
Mittleren Lias vor (Erläut. Blatt Lage).
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Bleiglanzkristalle im
Muschelkalk -Steinbruch des Kolon Niemann bei Währentrup (Amt Oerlinghausen,
Blatt Lage) erregten 1784 und 1786 Aufsehen.
Mutungen auf Bleierz
erfolgten zwischen 1854 -1857 für die Ämter Hohenhausen, Oerlinghausen, Lage
und Schötmar, 1891 für den Hiddeserberg (Muschelkalk)
bei Detmold. Konzessionen für die Gewinnung von Bleierz auf 25 Jahre erhielten
1854 für das Amt Varenholz die Kaufleute Hoening und
Schöning zu Vlotho, und für die Ämter Sternberg und Hohenhausen der Kaufmann A.
Hildebrandt und Genossen zu Vlotho. Beide Verleihungen erloschen 1860.
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Assessor von Hüllesheim ließ 1788 alte Halden, die vom Steinkohlenbergbau
am Stemberg bei Berlebeck
herrühren sollten, untersuchen. Nach den Erläut. zu
Blatt Horn-Sandebeck stehen die alten Schürfe auf
Steinkohle am Nordosthang des Stemberges im
Steinmergelkeuper. Obersteiger Gebhard zu Bölhorst
schickte 1788 drei Bergleute aus Minden, die Bohrungen ausführen sollten. Sie
begannen am 16. Juni. Im Juli wurde u. a. bei Dannhäuser's
Hof in schwärzlichen Kalken und Mergeln, ferner in bläulichem Kalkgestein bis
27 Fuß tief gebohrt. Auch an der Straße nach Fromhausen fanden Bohrungen statt. Kohlenspuren fanden sich
nicht.
Der Bergmann Gottlieb Netto
(bisher Oerlinghausen) erhielt 1829 gegen Tagelohn von der Rentkammer die
Erlaubnis an 3 Stellen am Stemberg nach Stein kohlen
zu bohren, und zwar unter dem Steinbruch in der Nähe der Wohnung des
Steinhauers Lörsen und von da nach dein Dorfe Holzhausen
hin an 2 Stellen. Das herrschaftliche Bohrgestänge wurde von Oerlinghausen
geholt.
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Amt Oerlinghausen. Schon seit
dem 16. Jahrhundert sind Versuche zur Auffindung eines abbauwürdigen
Steinkohlenflözes im Wealden (Untere Kreide, cu 2) in
und bei Oerlinghausen (Blatt Brackwede und Lage) bekannt. Bei Ausschachtungen
wurden wiederholt dünne Flöze angetroffen.
Rembert Köller, gebürtig aus
Jülich, erhielt am 22.8.1592 vom Grafen Simo n VI. die Erlaubnis auf 1 Jahr,
bei Oerlinghausen auf eigene Kosten mit 3 getreuen Gesellen nach Kohlen zu
suchen.
Nach der Bergwerksrenovation
1605 fing Simon VI. auf eigene Kosten ein Bergwerk bei Oerlinghausen an, das
den Namen „Simon“ erhielt. Nach dem Anschnittzettel
vom 17. ll.-8. 12. 1605 (3 Wochen) waren außer dem Bergmeister Jörgen Starcke und dem Steiger (1607 Balthasar Starcke)
7 Bergleute beschäftigt: Starcke, Saurbreyg,
Schlaumhoff, Schelem,
Moller, Paul aus Zellerfeld und Niemann. Der Bergmeister erhielt für die 3
Wochen 6 Taler, der Steiger 3 Tal. 24 Gr., die übrigen 3 oder 2 Taler. Die
Bergleute wechselten. Hans ausm Hagen war 1607 Haspelknecht. Markscheider
sollten auf dem Kohlenbergwerk markscheiden. Ihre
Tätigkeit bestand aber mehr im Fressen und Saufen, wie Bergmeister Starcke 1607 schrieb. Nach dem Anschnittzettel
war im November 1608 ein Vorrat von 50 Scheffel Kohlen auf der Grube vorhanden.
„Unser Herr Gott gesegene sie noch besser“,
schrieb der Rechnungsführer. Der Scheffel wurde für 6 Groschen verkauft. 1609
kam aus Zellerfeld ein neuer Steiger, Severin Pfutzer.
Außer in dem alten Schacht wurde 1610 in der Dükersgrund nahe dem Hofe zu
Wistinghausen (Blatt Lage) gearbeitet. Die letzte Rechnung endet am 6.1.1611.
Die privilegierte
Gewerkschaft von 1751 wollte auch bei Oerlinghausen Steinkohlen aufsuchen. Am
6.5.1766 waren alle Interessenten für die Weiterführung des Bergwerks. Der
Stollen sollte ausgebessert werden. Für den Schacht auf des alten Voigts Kampe
zu Oerlinghausen waren jährlich 5 Taler zu zahlen.
Der Bergmeister Gerhard
Henrich Terheyden (zur Heiden)
aus Borgloh sollte die Inspektion des Steinkohlen
Bergwerks zu Oerlinghausen übernehmen. Er wurde auf Veranlassung des
Bergsyndikus Landmesser Karl Schenck am 28. 6. 1766 zu Heiligenkirchen
vereidigt. Als Besoldung erhielt er monatlich 11 Taler und außerdem von jedem Kuxe jährlich 1 Taler (zus. 50 Taler für 50 Kuxe
zu je 25 Taler) für Reisekosten, Logis, Zehrung usw. Die 4 Bergleute, die Terheyden mitbrachte, erhielten je Schicht 13 Groschen. Das
unangenehme Geschäft der Einziehung der Zubußen (verschieden, 29.6. 1771 z. 13.
4 Taler je Kux) und der Mahnungen hatte der Bergbote
Ludwig Schu übernommen. Unter den Bergleuten treten
die Namen Bunger, Mergelmeyer,
Schurmann, Kottelbrinck, Krume, Sohl
auf.
Obersteiger war 1770-72
Nickel. Rechnungen vom Oerlinghauser Steinkohlenbergwerk liegen von 1765 -72
vor. Schenck, später Salzinspektor in Salzuflen, verlangte 1773 Abnahme der
Rechnung durch eine Kommission. Weil die Zubußen z. T. ausgeblieben waren und
er Gelder angeliehen hatte, bat er, die Zubußen eintreiben zu lassen.
Ein neuer Bergbauversuch auf
Steinkohlen bei Oerlinghausen wurde 1788 auf Landeskosten unternommen. Leiter
des Bergbaus war Kammerrat von Hüllesheim. Er schlug
vor, den alten Stollen, der zu Bruch gegangen war, wieder aufwältigen zu Iassen. Da dies nicht gelang, wurde ein neuer Stollen
getrieben. Die 3 Bergleute, mit denen die Arbeit angefangen wurde, stammten aus
Minden Lind hießen Jakob Trümper, Andreas Werner und Tobias Schop.
Später treten noch die Namen Hollandt, Cronshage, Sassenberg,
Homann, Weiche, Wiegmann und Fischer auf. 1789 wurde ein Schacht abgesunken, in
dem man im Oktober die Sohle des alten Stollens erreichte. In einer Teufe von 4
½ Lachtern wurde im Schacht ein 6-8 Zoll mächtiges Kohlenflöz durchsunken, später noch ein 3 zölliges. Dem von Hüllesheim schwanden die Hoffnungen, als man im März 1790
vor Ort statt des bisherigen tonartigen Gesteins auf ein blasses, sehr hartes
Kalkgestein stieß. Bevor im Mai 1790 der Bergbau eingestellt wurde, brachte man
beim Amtsgarten den Tönsberg hinauf 6 Bohrungen von 40 Fuß Tiefe nieder, fand
aber nur Kohlentrümmer.
Auch beim Gut Hovedissen (Lias, Blatt Salzuflen) wurden 2 Bohrungen bis
50 Fuß Tiefe ausgeführt.
Im Juni 1790 lieferten die
Bergleute das Bergwerksgerät an den Amtmann Rötteken
ab. Es befanden sich darunter das Schießzeug und das Bohrzeug
(3 Meißel, 2 Kronenbohrer, 4 kleine Bohrer). Adolf Nagel Nr. 5 verlangte 1791
Wegräumung des Schuttes und Zuwerfen des Schachtes auf seinem Land auf der
Helle.
Nach Vorschrift des
Bergfaktors Rettberg schürfte der Bergmann Samuel Schneider aus dem Fürstentum
Dessau 1797 bei Oerlinghausen auf Steinkohlen. Er fand angeblich ein 14 Zoll
mächtiges Flöz. 1798 trieben er und Mathias Müller bei Oerlinghausen Stollen.
Es wurde auch gebohrt. Assessor Gerke leitete die Arbeiten. Rettberg kam von
Zeit zu Zeit und erhielt je Tag 6 Taler Diäten. 1800 arbeiteten die Bergleute
Müller, Wolf und Schneider mit 3 -4 Tagelöhnern an einem Schacht, der am
27.9.1800 sechs Lachter tief war. Als neuer Bergmann trat Johann Gottfried
Blankenberg, gebürtig aus dem Dorf Unterwiederstedt
(Fürstentum Dessau) ein. In seiner Jugend hatte er im Kupferbergwerk Todthügel-Revier gearbeitet, dann zu Altendorf an der Ruhr
2 1/2 Jahre im Kohlenbergbau und später in Holland. Im Dezember 1800 forderten
die 4 Bergleute, die damals am Stollen in Akkord arbeiteten, schriftlich eine
Lohnerhöhung. Sie verlangten statt 4 Taler je Lachter 6, bewilligt wurden 5.
Außerdem erhielten sie für 8 Stunden einen Schichtlohn von 12 Mgr. Im April 1801 entstanden im Schacht in 49 Fuß Tiefe
Schwierigkeiten mit Wasser. Im oberen Schacht wurde eine Pumpe angesetzt.
Vorher hatte man das Wasser mit Kübeln über eine Haspel herauf gewunden. Es
wurden 1802 etwa 25 Balgen Steinkohlen gefördert und nach dem Salzwerk in
Salzuflen geliefert.
Die Fürstin Paulina nahm von
1812 an die bergmännischen Arbeiten zur Auffindung von Steinkohlen bei
Oerlinghausen wieder auf. Ihr Berater war der Bergfaktor von Natorp aus Paderborn' (später in Oerlinghausen und
Meinberg). Er leitete den Bergbau. Berghauptmann Friedrich Otto Burkhard von
Reden zu Wendlinghausen in Lippe gab auf Wunsch der
Fürstin mehrere Gutachten ab. Die Hoffnungen der Fürstin waren so groß, daß sogar der Ankauf des Gutes Dahlhausen (Blatt Lage) für
den Bergbau beabsichtigt wurde. Natorp ließ an
verschiedenen Stellen schärfen und lieferte regelmäßig Berichte.
Ende 1813 war bei der
Wolfskuhle ein Stollen von 42 Lachter getrieben und - nach dem Bericht - ein
Flöz von 1 Fuß Mächtigkeit angetroffen worden, im Februar 1814 stieß man im
Stollen auf einen alten Schacht. Der Hauptstollen unter dem Tönsberg stand am
9.11.1813 „schon über 10 Lachter in glimmerreichem und mit Kohle
angeflogenem Schieferton, worin häufig Eisensteinnieren lagen“. Die beiden
Punkte am Tönsberg und bei der Wolfskuhle lagen etwa 2.000 Lachter voneinander
entfernt.
Oerlinghausen beklagte sich
1813 daß die Röhrenleitung kein Wasser mehr liefere,
weil die Quellen durch die Bergleute abgefangen seien.
Im Herbst 1814 schlug von
Reden vor, einen etwa 1144 Lachter langen tiefen Stollen aus dem Ermgasser Holzkamp in Richtung Oerlinghausen zu treiben. Er
berechnete die Kosten mit 8.000 -9.000 Taler und die Baudauer
auf 6 Jahre, falls nur vom Mundloch aus gearbeitet
würde. Die Fürstin Paulina übergab den Vorschlag mit 4 Fragen ihren Räten Gerke
und Rohdewald. Sie antworteten zustimmend.
Paulina ordnete darauf am
6.1.1815 den Bau des tiefen Stollens an mit der Abänderung, daß
der Ansatz etwa 600 Lachter näher nach Oerlinghausen auf der Pansheide (Blatt Lage) und 13 Lachter Seigerteufe weniger
erfolgen sollte.
Das Gezähe fertigte die Salinenschmiede
zu Salzuflen. Sprengpulver wurde von dem Pulver genommen, das die Soldaten aus
dem Felde wieder mit gebracht hatten.
Auf Veranlassung des von
Reden sandte das Bergamt Zellerfeld im Juni 1816 sechs Harzer Bergleute:
Die Brüder Karl und Christian
Schaeder aus Wildemann, Hellwig, Schumann, Kast und
Schroeder zur Verstärkung. Die schon anwesenden Bergleute Blankenberg und Kräge sowie die z. T. aus dem Kupferbergwerk zu Stadtberg 8
Stunden hinter Paderborn (bei Marsberg) stammenden Bergleute erhielten
ebenfalls die den Harzer Bergleuten bewilligte Brotzulage.
Die Fürstin Paulina zog den
Professor Hausmann in Göttingen zu Rate. Sie nennt ihn den „berühmtesten Geolog neuester Methode“. Da Hausmann über die Anlage
des tiefen Stollens ein vernichtendes Urteil fällte, wurde der Weiterhau im
Sommer 1818 eingestellt. Geheimrat Professor Hausmann weilte im Juni 1818 auf
Verlangen der Regierung 10 Tage in Oerlinghausen und Umgebung.
Die Fürstin bewilligte ihm
für seine Beratung 40 Louisdor (Pistolen). Er schrieb damals: Der hohe Rücken,
an dessen Abhang die Kohlen in einem Eisenstein führenden Schieferton gefunden
sind, besteht aus Quadersandstein, dessen Schichten gegen den Berg einfallen.
Das Kohlenflöz gehört zu den tiefsten Lagen seiner Formation, denn sehr nahe
darunter tritt der die Grundlage bildende Muschelkalkstein zutage.
Gebohrt wurde 1818 vor dem
Kelterberge. In der Dükersgrund hatte ein neuer Versuchsstollen im November
eine Länge von 40 Lachtern erreicht. Anfang 1819 wurde der 1814 abgesunkene
Versuchsschacht am Lageschen Wege wieder zugeworfen.
Gleichzeitig folgten Versuchsarbeiten bei der Wolfskuhle, wo sich das alte
Stollenmundloch auf einer kleinen Wiese befand, die dem Kolon Wöstenfeld
gehörte. Am 26.2.1819 befahl die Rentkammer die Einstellung der Arbeiten. Von Natorp - später Landbaumeister und Oberbaurat in Detmold -
war bis zum Schluß Leiter des Bergbaus geblieben.
Im Mai 1821 wurde der
Hauptstollen noch mal fahrbar gemacht, weil Prof. Hausmann ihn besichtigen
wollte. Er riet von weiterem Bergbau bei Oerlinghausen ab, weil das Vorkommen
der Steinkohlen wohl nur ein nesterweises sei.
Die Kolone Kopp Nr. 10 und
Dragee Nr. 4 zu Mackenbruch (Bl.
Lage) sowie der Gutsbesitzer Tenge zu Niederbarkhausen wurden für den Schaden
auf ihren Grundstücken entschädigt. Der Verkauf des Bergwerksholzes -
Wasserrinnen, Bretterdach über dem Stollen usw. - zu Brennholz erfolgte 1827.
Trotz geringer Aussicht
hörten die Versuche, bei Oerlinghausen abbauwürdige Steinkohlenflöze zu finden,
nicht auf. 1828 erhielt der Bergmann Gottlieb Netto zu Oerlinghausen auf 3
Jahre die Erlaubnis, den Stollen bei der Wolfskuhle unterm sogenannten Triftenhause, welcher der Sage nach in uralten Zeiten durch
Menkhausen, Barkhausen und Wistinghausen betrieben wurde, fahrbar zu machen.
Die Bergleute Philipp Limberg
aus Bölhorst bei Minden und Friedrich Wilkes aus der
Grafschaft Mark wollten 1839 in der Grüte (Blatt Lage) zwischen Oerlinghausen
und Niederbarkhausen einen Versuchsstollen auf Stein-kohlen anlegen. Die
Rentkammer lehnte aber ab.
Eine Konzession (Verleihung)
erfolgte am 4.2.1845 an den Gutsbesitzer Tenge zu Niederbarkhausen auf 25 Jahre
für Teile des Amtes Oerlinghausen. Sie erlosch 1870. Der Bergmann August Berndt
zu Dortmund wollte 1852 und die Bergleute Stuckmann, Lindemann und Huck aus
Dortmund wollten 1853 schürfen, wurden aber abschlägig beschieden. Mutungen
reichten 1864 der Konduktor Busse zu Heerse und 1873
die Unternehmer Niemeyer und Genossen zu Berlin ein.
Steiger W. Wolff und Genossen
zu Bielefeld reichten 1860 eine Mutung auf Steinkohlen auf Grundstücken des
Kolon Brand Nr. 2 Ehrdissen (Blatt Salzuflen) ein.
Sie wurde zu rückgewiesen, weil schon andere für dieses Gelände einen
Schürfschein erhalten hatten. Auch eine Mutung auf Steinkohlen, die Wolff 1856 für
die Ämter Lage und Schötmar eingereicht hatte, wurde abgelehnt.
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Bergbau und Bergbauversuche
auf Ölschiefer und Erdöl
Die Posidonienschiefer
des Oberen Lias haben in Lippe einen Bitumengehalt, der bis 7% betragen kann.
Seit der Mitte des 19.Jahrunderts er folgten zahlreiche Mutungen auf bituminöse
Schiefer bei Stapelage, Falkenhagen, Berlebeck,
Wistinghausen, Oerlinghausen, Schling, Pivitsheide,
Hörste, Niederbarkhausen, Meinberg, Mosebeck, Vahlhausen bei Detmold, Barkhausen bei Detmold, Biesen und Wissentrup. 24 der Muter stammten
aus Lippe, 16 von außerhalb.
Die erste Verleihung („Licht
1“) auf bituminöse Schiefer (Ölschiefer) erfolgte am 1.11.1859 an den
Fabrikanten A. Köttgen jun. in Lemgo. Es handelte
sich um ein Feld von 24.000 Quadratlachtern in der Gemeinde Stapelage (Blatt
Lage), das aber schon bald ins Bergfreie zurückfiel.
Bergwerksbesitzer A. zur
Hellen und Restaurateur Fr. Müller zu Dortmund erhielten Verleihungen von je 24.000
Quadratlachtern am 3.12.1861 auf ein Feld in Schling bei Heiligenkirchen (Blatt
Detmold) und auf Grundstücken des Meiers zu Stapelage (,“Hermannsglück“
und „Leopold“), am 18.3.1862 auf Grundstücken des Gutes Wistinghausen
(„August“, Blatt Lage) und am 11.6.1862 auf Grundstücken des Gutes
Niederbarkhausen und des Meiers Frohne zu Asemissen („Guter Anfang“, Blatt Lage
und Brackwede). Alle Verleihungen fielen am 10.9.1872 ins Bergfreie zurück.
Dem Konduktor Busse wurde am
15.4.1862 ein Feld auf Grundstücke n des Gutes Wistinghausen („Friederike II“)
verliehen. Es folgten 1873 weitere Verleihungen an den Gutsbesitzer Eduard
Busse zu Wistinghausen auf eigenen Grundstücken („August“), auf Grundstücken
des Meiers zu Stapelage („Leopold 1“) und auf Grundstücken des Gutes
Niederbarkhausen und des Meiers Frohne zu Asemissen („Guter Anfang“), ferner
1885 an den Domämenpächter Ed. Busse zu Heerse auf Grundstücken des Gutsbesitzers Tenge zu
Niederbarkhausen („Friedrich“) und auf eigenem Grund (Blatt Lage) in der
Gemeinde Währentrup („Mathilde“). Friederike II, August, Guter Anfang fielen
1875, Leopold 1 1877 und Friedrich und Mathilde 1890 ins Bergfreie zurück.
Am 12.8.1867 genehmigte das
Kabinettsministerium die „Lippische Aktiengesellschaft Elisabeth“ zu
Wistinghausen (Amt Oerlinghausen), welche die Ausbeutung der erworbenen
Belehnungen auf bituminöse Schiefer und die Erweiterung der zu diesem Zweck
angekauften Fabrikanlage bei Wistinghausen bezweckte. Durch Bohrungen sollte
die Gewinnung von Petroleum angestrebt werden. Die Gesellschaft sollte 100
Jahre, gegebenenfalls länger bestehen. Es wurde ein brauchbares Leuchtöl
gewonnen, das aber die Konkurrenz mit dem amerikanischen Petroleum nicht
aushalten konnte.
Später versuchte man auch,
die Schiefer als Heizmaterial beim Kalkbrennen zu verwerten (Weerth).
Das Feld, „Mathilde“ wurde in
erweiterter Ausdehnung am 13.4.1909 dem Gutsbesitzer Ed. Busse in Wistinghausen
neu verliehen. Von diesem ging das Bergwerkseigentum 1911 auf die Landbank
Berlin, AG. zu Hannover, und 1925 auf die Rekord-Cement-Industrie
G. m. b. H. zu Oerlinghausen über. Dieser Gesellschaft wurde am 17.1.1929 noch
ein weiteres Feld („Anna“) von 1.000.000 qm in den Gemeinden Hörste und Billinghausen (Blatt Lage) verliehen. Sie gab beide
Bergwerksberechtigung en am 28.10.1931 auf. Die Rekord-Cement-Industrie
G.m.b.H. hatte die Schiefer vermahlen und daraus
einen Zusatz zur Herstellung wasserundurchlässigen Zements bereitet (Näheres
darüber Erläut. Blatt Lage).
Der Chemiker Oskar Tetens in Lesum bei Bremen erhielt 1930 ein Feld („Lippe“)
von 9.000.000 qm in den Dorfgemeinden Biemsen-Ahmsen,
Werl-Aspe, Wülfer-Bexten, Bexterhagen und Lockhausen (Amt Schötmar) auf Bitumen jeder
Art verliehen. Die Bergwerksberechtigung erlosch 1934.
Die starke Erdölspekulation,
die um 1925 in Deutschland einsetzte, veranlaßte die
Landesregierung am 13.10.1934 im Staatsanzeiger für das Land Lippe eine „Warnung
vor Erdölspekulanten“ zu erlassen.
Eine Bohrung auf Erdöl bei Lieme in Lippe verlief 1952 erfolglos.