Die erste Apotheke eröffnete 1831

Das Gesundheitswesen in Oerlinghausen lag lange Zeit brach

 

[Bild]: Die Apotheke im Jahr 1925: mit Treppenstufen, aber ohne Hirschwappen über dem Eingang. (© K7 Oerlinghausen Bildarchiv Nr. 363)

Oerlinghausen. Bürgervillen, Bruchsteinmauern, versteckte Gassen und Stiegen - die Oerlinghauser Altstadt am Tönsberghang weist einen reichen historischen Schatz auf. Diesen wollen wir in einer Serie beleuchten, die auf den Rundgängen der Stadtführerin Annegret Müller basiert.

Um das Gesundheitswesen in Oerlinghausen war es zu Beginn des 19. Jahrhunderts nicht gut bestellt. Ein Amtschirurg hatte für Notfälle eine kleine Hausapotheke. Für die Errichtung einer Apotheke aber erteilte die fürstliche Regierung in Detmold keine Konzession. Fürstin Pauline begründete, dass der Amtschirurg mit einer Apotheke als Konkurrenz seinen Wohlstand einbüßen würde. Erst als der Gutsbesitzer von Niederbarkhausen, Friedrich Ludwig Tenge, damit drohte, er werde für die Errichtung einer Apotheke im benachbarten Preußen sorgen, gab die lippische Regierung nach.

Die erste Apotheke eröffnete 1831 (Friedrich Ernst Melm) - an den Amtschirurgen Kirchner musste er noch etwa 30 Jahre lang eine Entschädigung von 20 Talern pro Jahr zahlen. Melm stammte aus einer Bremer Apothekerfamilie, die heute auf eine 300 Jahre währende Apothekertradition zurückblicken kann. Das Wahrzeichen war und ist noch immer der Hirsch. In Bremen am Marktplatz der "güldne" liegende Hirsch, in Oerlinghausen der stehende, äsende Hirsch und auf den Produkten des jetzigen Apothekers der springende Hirsch. In der sechsten Generation ist die Oerlinghauser Apotheke in Familienbesitz und ist 1893 mit der Heirat von Emilie (Milly) Melm und Carl Wachsmuth mit der Schwalenberger Apothekerdynastie verknüpft. Die Wappen der beiden Familien befinden sich über dem Eingang.

Direkt nach seiner Niederlassung in Oerlinghausen kaufte Melm ein Baugrundstück vom Gutsbesitzer Niederbarkhausen und bezog schon bald das neu errichtete Apothekengebäude. Die Jahreszahl 1831 steht über dem alten, damals höher gelegenen Eingang. Da Friedrich Ernst Melm im Nebenerwerb auch Postexpediteur war und die Apotheke eine Poststelle hatte, verteilte der Apothekerknecht am Sonntag auf der Treppe stehend die Briefe. War der Empfänger nicht da, nahmen die Nachbarn die Briefe mit. (1865 bis 1859) wurde die Apotheke auch aufgrund des florierenden Postbetriebs durch einen Anbau vergrößert. Dazu kaufte Melm ein Grundstück von Gut Niederbarkhausen mit der höchst gelegenen Emsquelle. Die Quelle wird noch heute in der Apotheke in einen großen Steinmörser geleitet; das frische Quellwasser ist trinkbar. Zum 100. Firmengeburtstag im Jahre 1931 wurde ein Erweiterungsbau in pavillonartiger Bauweise errichtet. Dieser erhielt fünf bunte, bleigefasste Glasfenster nach einem Entwurf von Carl Löwe.

Mit der Apotheke kamen ab 1831 Ärzte nach Oerlinghausen. Der Bau eines Altenheims, das "Kiffestift" (1888), und der Bau eines Krankenhauses, das "Mariannenstift" (1893), vervollständigten das Gesundheitswesen in Oerlinghausen.