So jagt man Kaffeefrauen aus dem Haus!

Oerlinghauser Erzählungen

 

Es war vor 60 und mehr Jahren, da wohnte in Oerlinghausen noch ein Lumpensammler, der regelmäßig das Alteisen, Lumpen und sonstiges wiederverwertbares bei den Leuten abholte. Mit dem Ruf: „Eisen - Lumpen - und Papier“ kündigte er sich an. Sein kleiner Wagen mit einem mageren Pferd davor hat nie unsere Aufmerksamkeit gefunden. Unser Interesse galt nur dem Bauch des Sammlers. Dieser hatte einen gewaltigen Umfang, der in uns Kindern immer den Gedanken aufkommen ließ, ob der wohl platzen könnte. Sein Hausname war Kopp, und im Volksmund wurde er nur Lumpenkopp genannt. Er wohnte am Stuckenbrokerweg (heute etwa Gundlach) gleich an der Straße in einem wundersamen Haus, welches so viele Anbauten hatte, dass man die Zahl der Giebel nicht feststellen konnte. Allgemein wurde das Haus „Lupinenkrug“ genannt. Ob es ein Krug gewesen ist, glaube ich nicht, aber überliefert ist, dass einsame Wanderer in dieser weiten, einsamen Senne in der Küche dieses immer offenen Hauses eine Schnapsflasche und ein Glas vorfanden, sich bedienten und das passende Geldstück auf dem Tisch liegen ließen. Wie einsam mag es wohl für die Ehefrau des Kopp gewesen sein, hier zu leben und den Garten und Acker zu bestellen. Wie wird sie sich gefreut haben, als ein paar Oerlinghauser Frauen mit ihren Karren voll Feuerholz, welches diese in den unendlichen Kiefernbeständen zusammengesucht hatten, bei der einsamen Frau anhielten, um Rast zu machen. Sie kochte vor lauter Freude den Holzsammlerinnen einen guten Kaffee und ließ sie erzählen. Dieses geschah nun des Öfteren, aber dem Ehemann war dies ein Dorn im Auge. Den guten Kaffee von fremden Leuten trinken lassen, nein, das müsste ein Ende haben. Als wieder mal die Frauen um den Kaffeetisch saßen, kam Kopp herein und sagte: „Das Wasser aus unserem Brunnen können wir nicht mehr trinken, denn ich habe gerade eine tote Katze da herausgezogen.“ Die Frauen wurden bei den Kopps nie mehr gesehen.

 

3/92 F. Soll